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Trockenheit macht Landwirten im Rhein-Sieg-Kreis zu schaffen

Droht ein drittes Dürrejahr? : Trockenheit macht Landwirten im Rhein-Sieg-Kreis zu schaffen

Schon das Aussäen des Wintergetreides war durch den vielen Regen im Herbst extrem schwierig. „Wenn dann auch noch das Frühjahr so trocken ist, ist das Wachstum gefährdet“, erklärt ein Landwirt aus Hersel.

Viel Sonne, kaum Regen: Was für die meisten Menschen ein Traumwetter ist, könnte für die Bauern wieder zu einem Problem werden. Laut Deutschem Wetterdienst war der Winter 2019/20 von Dezember bis Februar extrem mild, zu feucht und sonnenscheinreich. Verzeichnet wurde insgesamt mehr Regen – eine Folge der zahlreichen Niederschläge im Februar. In allen drei Monaten wurde eine überdurchschnittliche Anzahl von Sonnenscheinstunden gezählt. Die Trockenheit spüren auch die Landwirte und Obstbauern im Rhein-Sieg-Kreis. Wenn es so bleibt, wäre es der dritte Dürresommer in Folge. „Das Wetter ist bescheiden. Von selbst wächst nichts oder nur mit angezogener Handbremse“, bilanziert Reinhold Decker vom gleichnamigen landwirtschaftlichen Betrieb. Rund um Hersel erntet der 53-Jährige unter anderem Zuckerrüben, Erbsen und Getreide.

Mit einer Überkopfberegnung bewässert werden können nur die Kartoffeln – bei den anderen Kulturen lohne es sich nicht, so Decker. Bleibt es weiterhin so trocken, befürchtet der Bornheimer einen dramatischen Ernteeinbruch in allen Kulturen – besonders beim Getreide. Dessen Ertrag war im vergangenen Jahr ausgesprochen zufriedenstellend. Trockenheit und Niederschläge wechselten sich bei der Aussaat und in der Wachstumsphase ab. Den guten Ertrag aus dem vergangenen Jahr wird es 2020 nicht geben. Denn schon das Aussäen des Wintergetreides war durch den vielen Regen im Herbst extrem schwierig. „Im nassen Boden war die Wurzelbildung nicht optimal möglich. Wenn dann auch noch das Frühjahr so trocken ist, ist das Wachstum gefährdet. Die Düngung kann dann die Wurzeln nicht erreichen“, erklärt Decker. Er hofft auf regelmäßigen Regen in den nächsten drei Wochen, um „einen noch größeren Ertragsverlust zu vermeiden“.

Als angespannt empfindet auch der Swisttaler Johannes Brünker die aktuelle Trockenheit. Winterweizen- und Wintergerste, Zuckerrüben, Erbsen und Dinkel baut der 57-Jährige auf seinen Feldern rund um Hohn und Ollheim an. Besonders beim Getreide ist die Trockenheit spürbar. Denn diese bewirke eine Reduktion der Triebe und der Anzahl der Ähren und bringe weniger Ertrag, eine Erfahrung, die der Landwirt in den vergangenen zwei Jahren gemacht hat. Die regenarmen Monate bis April seien zwar nicht entscheidend, „aber sie bilden eine Voraussetzung für das Wachstum, das bis Anfang Juli geht“, erläutert Brünker.

Für ihn ist die Trockenheit das eine, die zunehmenden Temperaturen ab 28 bis 30 Grad mit intensiver Sonnenstrahlung ein weiteres Problem. Daher sucht er nach neuen, resistenteren Pflanzen. Zu einer Anpassung an den Klimawandel gehören für ihn auch Methoden der wasserschonenden Bewirtschaftung. Eine davon ist zum Beispiel die Direktsaat, eine Anbaumethode ohne Bodenbearbeitung vor der Saat, die der 30-jährige Juniorchef Matthias Brünker auf einigen Feldern mit Dinkel und Wintergerste versuchsweise angelegt hat. Dabei verbleibt die Biomasse der Vorkultur als Mulch auf dem Acker und bedeckt diesen. Damit soll die Verdunstung von Wasser verhindert werden. Johannes Brünker setzt auf Veränderung, denn Bewässerung auf seinen Feldern ist nicht möglich. „Das Grundwasser aus den Brunnen zu holen ist einfach zu teuer“.

Schaden wegen Frostnächten

Die Bewässerung seiner Apfelbäume ist für Philipp Wißkirchen aus Meckenheim ein Problem. Nur 30 Prozent seiner Felder, die rund um Ersdorf liegen, kann er mit Wasser versorgen. Regelmäßiges Nass benötigen vor allem die im März gepflanzten Jungbäume und die „Einjährigen“, deren Wurzeln noch nicht im Boden verankert sind. „Die Bewässerung ist eine enorme zusätzliche Arbeit. Sie dient der Bestandserhaltung, nicht der Qualitätsverbesserung“, so der 30-Jährige. Die Trockenheit ist einer der Gründe für die diesjährigen erwarteten Ertragseinbußen von 30 Prozent. Außerdem haben die Frostnächte während der Blühzeit im April und Mai zahlreichen Bäumen geschadet. „Dass so viele Blüten abgestorben sind, hängt mit dem starken Behang 2019 zusammen. Durch die mangelhafte Wasserversorgung in Kombination mit einer guten Ernte waren die Blüten nicht so widerstandsfähig gegen den Frost“, erklärt der Jungbauer. Ideales Wetter wäre für ihn ein ganztägiger Regen, dessen Nässe „auch mal liegenbleibt“.

Im Unterschied zu seinen Kollegen leidet der Mertener Obstbauer Roland Schmitz-Hübsch weniger unter der Trockenheit. Er ist mit der Entwicklung seiner Apfel- und Kirschbäume ausgesprochen zufrieden. Probleme mit ausreichender Bewässerung hat der 45-Jährige keine, denn er bezieht sein Nass aus den vier Brunnen des Boden- und Wasserverbandes Vorgebirge, Ortsteil Merten. Außerdem nutzt er das im Winter in zwei Becken auf seinem Hof aufgefangene Regenwasser. Die Regenfälle im Winter seien „normal“ gewesen, durch die vielen Sonnenscheinstunden erwartet der Obstbauer „eine qualitativ süße Ernte der Süßkirschen“.

Bei seinen Äpfeln hingegen können die intensiven Sonnenstrahlen zu Sonnenbrand führen. Um dem Rechnung zu tragen, hat Schmitz-Hübsch hier und da sein Sortiment umgestellt, „wenn die Kunden das mittragen“. Gute Erfahrungen hat er mit Sorten gemacht, die später einfärben. Ob die Landwirte auch in diesem Jahr weniger Ernte einfahren werden, steht für Peter Muß, stellvertretender Geschäftsführer des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauer, noch nicht fest. „In 2018 und 2019 hatten wir im April und Mai schon Temperaturen um die 30 Grad. Das hatten wir bisher noch nicht“, gibt er zu bedenken.