Unser Dorf hat Zukunft Wettbewerb ist auf der Suche nach weiteren Teilnehmern

Rhein-Sieg-Kreis · Bereits zum 24. Mal findet im Rhein-Sieg-Kreis der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ statt. Doch für dieses Jahr haben sich bisher nur wenige Gemeinden beworben. Nun wurde die Anmeldefrist verlängert.

Im Gold-Dorf Berzbach präsentierte vor zwei Jahren Alexander Haas den Hof von Klaus und Judith Lang (im Bild mit ihrer Tochter Tabea).

Im Gold-Dorf Berzbach präsentierte vor zwei Jahren Alexander Haas den Hof von Klaus und Judith Lang (im Bild mit ihrer Tochter Tabea).

Foto: Inga Sprünken

Für die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, wünscht sich der Rhein-Sieg-Kreis 20 Bewerbungen. Bisher haben sich jedoch nur zehn Ortsteile gemeldet. So kann sich nur ein Dorf im nächsten Schritt für den gleichnamigen Landeswettbewerb qualifizieren. Warum sich in diesem Jahr weniger Dörfer beworben haben, können die Organisatoren nur mutmaßen — immerhin stehen dem Kreis 15.000 Euro für Preisgelder zur Verfügung.

Anke Schirocki von der Landwirtschaftskammer NRW sieht ein Hindernis in der gesellschaftlichen Entwicklung innerhalb der Gemeinden. „Aufgrund der zahlreichen anderen Aktivitäten, die einem heute zur Verfügung stehen, ist das Engagement im Dorf anders als vor 20 Jahren“, sagt sie. Ziel des Wettbewerbs ist es deshalb, das Gemeinschaftsleben innerhalb eines Dorfes aufzubauen und zu fördern. In eigener Initiative sollen die Bewohner und Vereine Projekte entwickeln, die zur Steigerung der Lebensqualität beitragen.

Als Mitglied der Landesbewertungskommission gibt Anke Schirocki den Gemeinden auch Tipps für eine gelungene Präsentation. „Die Teilnahme am Wettbewerb ist mit einem gewissen Aufwand verbunden, da führt kein Weg drum herum“, sagt sie. Dennoch lohne es sich. Auch die Vorstellung, dass benachbarte Dörfer aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten oder den geografischen Gegebenheiten einen Vorteil im Wettbewerb hätten, könne die Gemeinden von einer Bewerbung abhalten. Dafür gebe es jedoch keinen Grund – die Bewertung orientiert sich an den individuellen Möglichkeiten. „Die Ausgangssituation wird hier betrachtet“, sagt Schirocki.

Der Erhalt ländlicher Strukturen und der Schutz der Umwelt stehen ebenfalls im Fokus des Wettbewerbs. Laut Bewertungskommission sind deshalb vielmehr die individuellen Pläne und Ziele der Gemeinden entscheidend. „Es wird darauf geschaut, ob die Dorfgemeinschaft sich überlegt hat, wie sie die Zukunft gestalten möchte“, so Schirocki. Sie spricht von der Herausforderung, die Dorfgemeinschaft zusammenzuhalten, damit man sich gemeinsam um Entwicklung bemüht. Das verlange nach gemeinsamen Interessen und Zielen.

Bewerbungen sind weiterhin möglich

Der Rhein-Sieg-Kreis hat die Anmeldefrist um einen Monat verlängert. Der neue Einsendeschluss ist am Freitag, den 31. Mai. „Das Thema ehrenamtliche Helfer ist von Dorf zu Dorf recht unterschiedlich“, sagt Antonius Nolden, der Pressesprecher des Kreises. Da eine erfolgreiche Teilnahme jedoch auch die Unterstützung Freiwilliger erfordere, biete der Kreis dahin gehend Schulungen an. Zusätzlich unterstütze das Förderprogramm der Europäischen Union, „Leader“, die Entwicklung des ländlichen Raums. Projekte innerhalb der Region zwischen Bergischem und Sieg können finanzielle Unterstützung erhalten.

Als weiteren Grund für die geringe Anzahl an Bewerbungen nennt der Kreis die zeitlichen Umstände. Die Osterferien lagen innerhalb der Bewerbungsfrist. Den Vereinen will man jetzt mehr Vorlauf für ihre Abwägungen zum Wettbewerb einräumen. Nolden sieht jedoch keine Gefahr für die Realisierung des Wettbewerbs in der Region. „Die Anmeldezahlen bewegen sich im Rahmen der Vorjahre“, sagt er. „2017 waren es 18 Dörfer, die teilgenommen haben, 2022 waren es 16.“ In den jeweiligen Folgejahren fand der Wettbewerb auf Landes- und Bundesebene statt.

Mucher Dorf konnte die Jury überzeugen

Im Jahr 2022 konnte der Mucher Ortsteil Berzbach den Wettbewerb auf Kreisebene für sich entscheiden und im landesweiten Vergleich dann die Bronzemedaille gewinnen. Zusätzlich gingen zwei Sonderpreise an den Ort. Die Bewohner verschönerten dort in eigener Initiative ihr Dorf, indem sie unter anderem Obstbäume pflanzten, die inzwischen eine Allee bilden.

Der Mucher Bürgermeister Norbert Büscher (CDU) lobte damals das Engagement der Einwohner. „Der Zusammenhalt von Jung und Alt sowie das Ehrenamt spielen hier eine große Rolle.“ In Berzbach leben rund 80 Einwohner. Einige von ihnen haben sich bereits 1988 für den Wettbewerb engagiert, der damals noch unter dem Namen „Unser Dorf soll schöner werden“ stattfand.

Bei der Präsentation vor der Bewertungskommission stellte die Dorfgemeinschaft sowohl die historischen Plätze als auch die neuen Projekte vor. Jedem Dorf stehen dafür auch in diesem Jahr 90 Minuten zur Verfügung. In Berzbach stand damals auf dem Programm: Der Besuch eines Gedenksteins, eines 300-jährigen Solitär-Buchsbaums sowie eines Gartens mit Weinanbau, der auf einem ehemaligen Tennisplatz entstanden war.

Gemeinsam haben die Dorfbewohner diese lokalen Attraktionen errichtet und gepflegt. Das Engagement, das eine Gemeinde für den Wettbewerb betreibt, ist laut Anke Schirocki jedoch immer individuell. Sie betont, dass allein die Vorbereitungen schon positive Auswirkungen haben können. Dem kann Antonius Nolden nur zustimmen: „Der Wettbewerb wird von den Dörfern immer auch als Gewinn gesehen“, sagt er.