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Kirchenkreis ist empört: Mutter mit drei Kindern aus Hennef abgeschoben

Kirchenkreis ist empört : Mutter mit drei Kindern aus Hennef abgeschoben

Eine geringe Integrationsperspektive bescheinigte der Kreis einer Frau und ihren drei Kindern, die vor fünf Jahren aus Albanien nach Hennef kamen. Dass sie aus einer Klinik heraus abgeschoben wurde, empört Vertreter der evangelischen Kirche.

Schockiert zeigten sich am Donnerstag Vertreter der Diakonie an Rhein und Sieg, als sie von einem besonderen Fall einer Abschiebung berichtete. „Heute Morgen um 4 Uhr hat die Ausländerbehörde gemeinsam mit der Polizei eine Frau, die von uns betreut wurde, aus der geschlossenen Abteilung einer LVR-Klinik herausgeholt, sie gemeinsam mit ihren drei Söhnen nach Düsseldorf zum Flughafen gebracht und nach Albanien abgeschoben. Das macht mich fassungslos“, sagte Patrick Ehmann, Geschäftsführer der Diakonie an Sieg und Rhein.

Entgegen der Empfehlung der Härtefallkommission und des Petitionsausschusses des Landtages, der Frau und ihren Kindern aufgrund der besonderen Umstände und der Schutzbedürftigkeit in diesem vorliegenden Einzelfall eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen zu erteilen, blieb die Ausländerbehörde laut Ehmann bei ihrer Entscheidung und lehnte es ab, eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. „Absolut unverhältnismäßige Härte“ nennt Michaela Teigelmeister das Vorgehen der Behörde, die Leiterin der offenen Sozialarbeit der Diakonie.

Sohn in Handschellen abgeholt

Sie kritisiert die Art der Abschiebung, insbesondere, dass und wie die Frau aus einer psychiatrischen Klinik und die beiden minderjährigen Söhne im Alter von acht und 14 Jahren aus einem Siegburger Kinderheim abgeholt wurden. „Der älteste Sohn wurde laut eigenem Bekunden mit blankem Oberkörper und in Handschellen aus der Hennefer Wohnung der Frau abgeholt“, erzählte Ehmann. „Die Frau befindet sich nun ohne Medikamente mit ihren drei Söhnen am Flughafen in Tirana und weiß nicht, wo sie hin soll.“

Die 36-jährige Albanerin war laut Diakonie 2016 mit ihrem damaligen Ehemann und den drei Söhnen nach Deutschland eingereist und lebte in Hennef. Aufgrund fortwährender häuslicher Gewalt des Ehemannes, der sie sogar mit dem Tod bedroht haben soll, lebte sie laut Jana Mathes von der Diakonie einige Wochen in einem Frauenhaus. Auch nach der Scheidung und seiner Abschiebung habe der Mann sie weiter bedroht. Die Frau habe laut Mathes alles versucht, sich zu integrieren. Sie habe einen Deutschkurs absolviert und versucht, einen Ausbildungsplatz als Pflegehelferin zu erhalten. „Das wurde allerdings abgelehnt“, sagte Mathes.

Genau wie ihr Asylantrag. Sie erhielt zunächst eine Duldung, der Folgeantrag dafür wurde dann erneut abgelehnt. Die psychisch schlechte Verfassung, die laut der Diakonie mit einem fachärztlichen Gutachten attestiert wurde, hätten bei der Entscheidung zur Abschiebung scheinbar keine Rolle gespielt, so Ehmann. „Die Frau ist traumatisiert. Die Kinder hatten keine Stabilität. Dass unter diesen Umständen den abstrakten Vorstellungen einer Behörde über eine ,Integrationsfähigkeit‘ nicht genügt werden kann, ist nicht besonders verwunderlich“, sagte Ehmann.

Der Kreis sieht den Fall etwas anders. „Die Abschiebung wurde vorgenommen, da die Familie seit 2017 ausreisepflichtig ist und der Ausreise trotz Aufforderung nicht freiwillig nachgekommen ist“, sagte Kreissprecherin Rita Lorenz. Dem vorherigen Härtefallersuchen wurde laut Lorenz nicht gefolgt, da die Integrationsperspektive der Familie leider nur sehr gering war, obwohl ihnen seitens der Ausländerbehörde während eines mehrjährigen geduldeten Aufenthaltes die Möglichkeit hierzu gegeben worden sei. „Die Frau hatte sich gestern Abend freiwillig in die LVR-Klinik begeben. Sie wurde jedoch ärztlicherseits als reisefähig beurteilt. Da sie sich der Abschiebung widersetzte, war sie zum Selbst-und Fremdschutz an den Händen fixiert und hat einen Kopfschutz getragen. Auch der älteste Sohn musste an den Händen fixiert werden, da er handgreiflich wurde und tätlich gegen die Beamten vorging. Der begleitende Flugarzt bestätigte, dass die Frau in Albanien ärztlich in Empfang genommen werde“, sagte Lorenz.