Prozessauftakt vor dem Bonner Landgericht Troisdorfer soll eine Frau am Stockemer See vergewaltigt haben

Bonn/Niederkassel · Statt seine neue Bekanntschaft wie verabredet zum Siegburger Bahnhof zu fahren, hielt ein Troisdorfer mit seinem Auto auf einem Feldweg am Stockemer See. Was dann auf der Rückbank seines Wagens geschah, brachte den 39-Jährigen auf die Anklagebank des Bonner Landgerichts.

Wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung muss sich ein 39 Jahre alter Troisdorfer seit Dienstag vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung muss sich ein 39 Jahre alter Troisdorfer seit Dienstag vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Foto: dpa/Oliver Berg

Es wurde wohl nicht viel gesprochen auf der Fahrt, so viel steht nach dem ersten Verhandlungstag fest. Vor dem Bonner Landgericht hat am Dienstagmorgen das Verfahren um eine mutmaßliche Vergewaltigung auf einem Feldweg am Stockemer See in Niederkassel begonnen – und die Schilderung, die der Angeklagte dem Gericht von dem Geschehen in seinem Auto lieferte, wich gar nicht so sehr von jener in der Anklageschrift ab. Mit einem entscheidenden Unterschied: Der Angeklagte gab an, dass der Beischlaf auf der Rückbank einvernehmlich gewesen sei. Er habe keinerlei Widerstand oder Gegenwehr bemerkt, ließ der Angeklagte seinen Anwalt dem Gericht berichten.

Ob das schon ausreicht, um von Einvernehmen zu sprechen, muss das Gericht nun herausfinden. Das mutmaßliche Opfer soll außerdem von körperlichen und mentalen Einschränkungen betroffen sein. Den Angeklagten scheinen mittlerweile selbst Zweifel gepackt zu haben, denn zum Schluss seines Statements betonte Verteidiger Daniel Jahn, dass es seinem Mandanten sehr leid tue, dass die Frau offenkundig unter dem Geschehen leide. Auf Nachfrage des Gerichts, was ihm denn leid tue, wenn der Geschlechtsverkehr doch einvernehmlich gewesen sei, erläuterte der Angeklagte, wieder über seinen Anwalt, dass er ein Polizeivideo von der Vernehmung der Frau gesehen habe. Er habe einsehen müssen, dass die Frau das Geschehen auf dem Rücksitz seines Wagens offenbar ganz anders wahrgenommen habe als er selbst.

Angeklagter lässt seinen Verteidiger für sich sprechen

Selber äußern mochte sich der 39-Jährige nicht. Sowohl seine Vita als auch seine Sicht auf die Tatnacht ließ er von seinem Anwalt vortragen. Und bei jeder Rückfrage steckten die beiden erst kurz die Köpfe zusammen, bevor der Verteidiger dann für seinen Mandanten antwortete. Der gelernte Dachdecker, der seinen Beruf seit 17 Jahren ausübt gab an, an dem Abend zu Besuch bei einem Freund gewesen zu sein. Die Nacht zum 19. Mai vergangenen Jahres war mild und so habe man lange draußen vor dem Haus gesessen. Dasselbe habe ein Nachbar seines Freundes mit einigen Bekannten getan und so habe er die Frau kennengelernt.

Er habe sie sympathisch gefunden, und sie habe ihn irgendwann gefragt, ob er sie zum Bahnhof nach Siegburg fahren könne. Das habe er gerne getan und sofort nach dem Einsteigen gefragt, ob sie etwas Spaß haben wolle. Ihre Antwort, sie habe keine Zeit, habe er nicht als Abweisung verstanden. Mehr habe man auch nicht geredet, er habe seine Mitfahrerin kaum verstanden, da sie unter einer Sprachstörung leide. So sei er unterwegs in den Feldweg abgebogen, wo man auf dem Rücksitz miteinander geschlafen habe. Nach „rund fünf Minuten“ hätten sich beide wieder angezogen und man sei weiter nach Siegburg gefahren, wo er die Frau verabredungsgemäß am Bahnhof abgesetzt habe.

Vorwurf des vorausgegangenen sexuellen Missbrauchs

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten, 39-jährigen Troisdorfer neben der Vergewaltigung auch noch einen vorausgegangenen sexuellen Missbrauch vor. Der Mann soll während eines gemeinsamen Spaziergangs zunächst erfolglos versucht haben, die Geschädigte zu küssen und zu berühren. Im weiteren Verlauf des Abends soll es dann um 21.48 Uhr an einer unbewohnten und abgelegenen Zufahrtsstraße in einem Waldstück am Stockemer See zu der Vergewaltigung gekommen sein. Die Frau soll verängstigt dem Drängen des Troisdorfers nachgekommen sein, sich gemeinsam auf den Rücksitz zu legen und dort aus Angst einen ungeschützten Geschlechtsverkehr über sich ergehen zu lassen. Noch in der Nacht begab sich die Frau in eine Kölner Klinik und am nächsten Tag rief die Polizei bei dem Angeklagten an. Das Verfahren ist zunächst bis Mitte Dezember terminiert.

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