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In Niederkassel und Köln: Bürger demonstrierten gegen Rheinquerung

In Niederkassel und Köln : Bürger demonstrierten gegen Rheinquerung

Niederkasseler Initiativen haben sich am Freitag an einem Protestmarsch von Porz-Langel zum Retentionsbecken in Lülsdorf beteiligt. Sie wollen eine Rheinquerung verhindern.

„Der Bürgermeister aus Niederkassel lässt sich dort auf einer Wildblumenwiese fotografieren und hier setzt er sich für diese riesige Autobahnbrücke ein“, so Gerhard Renner, Pressesprecher von der Vernetzung Kölner und Niederkasseler Bürgerinitiativen (BI), am Freitagnachmittag zur Begrüßung der gut 750 Demonstranten am Retentionsbecken in Niederkassel-Lülsdorf. Gestartet war der Protestmarsch gegen die geplante Rheinquerung schon eine Stunde zuvor in Porz-Langel.

Eingeladen zur Demonstration hatte die BI „Porz-Langel gegen die Autobahnquerung 553“ in enger Kooperation mit den beiden Niederkasseler Initiativen „Bürger gegen die Brücke“ und „Umweltfreundliche Verkehrsinfrastruktur“. Unterstützung erhielten sie von den Niederkasseler Grünen, die sich mit einem Fahrradkorso von Mondorf zum Demonstrationsort aufmachten. „Wir müssen darauf aufmerksam machen, dass die Rheinquerung viele Gefahren für das Wasser- und Naturschutzgebiet birgt. Besonders in Zeiten der Klimaerhitzung muss es doch allen auffallen, dass kühlende Kaltluftschneisen erhalten werden müssen. Sie würden von der Brücke zerstört werden,“ erklärt deren Fraktionsvorsitzender Sascha Essig.

Nordtrasse eine von vielen Optionen für die Rheinquerung

Angekommen am Retentionsbecken im Lülsdorfer Norden wurden die Protestler von lautem Lärm empfangen. Der dröhnte aus großen Musikboxen und sollte akustisch den Lärmpegel einer vierspurigen Autobahn darstellen. Der Versammlungsort lag an der Stelle, an der die vierstreifige Autobahntrasse von Godorf kommend den Rhein überqueren könnte.

Diese sogenannte Nord-Trasse ist jedoch nur eine von mehreren Optionen, für die der Landesbetrieb Straßenbau NRW den Planungsauftrag des Bundes bekommen hat. Derzeit kursieren viele Vermutungen, wie die Querung verlaufen könnte. So haben sich auch linksrheinisch Bürgerinitiativen gegründet, die eine Rheinquerung – zumindest vor ihrer Haustüre – ablehnen. Auf der linken Rheinseite werden derzeit vier Optionen, ob als Brücke oder Tunnel, untersucht, während rechtsrheinisch fünf Anschlussvarianten zur A59 Gegenstand weiterer Untersuchungen sind.

Sabine Hammer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland erinnerte an den Hambacher Forst und forderte zum Widerstand auf, denn dort habe man Erfolg gehabt. Sie griff den Bundestagsabgeordneten Sebastian Hartmann (SPD) heftig an, der das Projekt Rheinspange 553 vorangetrieben hatte.

Dies wiederum brachte Matthias Großgarten (SPD) in Erklärungsnot, denn die Niederkasseler Sozialdemokraten haben sich gegen eine Autobahnbrücke positioniert und plädieren stattdessen für eine Stadtbahn. Dazu sagte Großgarten, dass die Deutsche Bahn kein Interesse an einer Schienenanbindung zum Brückenbau gehabt habe und der Rhein-Sieg-Kreis mit der Planung einer Stadtbahn eingestiegen sei. „Im Verfahren zeigte sich jedoch, dass eine Kombination aufgrund der verschiedenen Anforderungen an die Trasse und die Nähe zur Bevölkerung nicht möglich ist. Das war für uns ein Wendepunkt“, so Großgarten.

Die Moderatorin der Veranstaltung, Sabine Gloeckner, versprach, gemeinsam mit den Bürgerinitiativen weiter Druck zu machen, um die Rheinquerung zu verhindern.