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Coronavirus in Niederkassel: Isolation für vierjähriges Kind angeordnet

Kritik an Kreisgesundheitsamt : Isolation für vierjähriges Kind in Niederkassel angeordnet

Weil sich ein Mitarbeiter einer Niederkasseler Kita mit dem Coronavirus infiziert hat, müssen dort auch kleine Kinder als enge Kontaktpersonen in Quarantäne. Über den harschen Ton der Ordnungsverfügung ärgern sich die Eltern.

Weil sich ein Mitarbeiter einer Niederkasseler Kita mit dem Coronavirus infiziert hat, müssen dort auch kleine Kinder als enge Kontaktpersonen in Quarantäne. Die Ordnungsverfügung mit der Androhung von Zwangsmitteln, die den Eltern der Kleinen vom Ordnungsamt der Stadt im Auftrag des Kreisgesundheitsamtes zugestellt wird, sorgt für Unverständnis. Im Standardschreiben heißt es an ein vierjähriges Kind adressiert: „Des Weiteren müssen Sie im Haushalt nach Möglichkeit auf eine zeitliche und räumliche Trennung von den anderen Haushaltsmitgliedern achten.“

Die Eltern des betroffenen Kleinkindes fragen sich jetzt: „Wie soll das gehen? Man kann doch kein Kind alleine lassen.“ Sie würden sich wünschen, das Standardschreiben für die Quarantäne von Kindern anzupassen. In einer Anlage heißt es dann immerhin „Sie/Ihr Kind“. Die Maßnahmen sind aber ebenfalls für Vierjährige nicht geeignet: Mahlzeiten nicht gemeinsam einnehmen, sich „stets in anderen Räumen als die übrigen Haushaltsmitglieder aufhalten“ und Küche und Bad nicht gemeinsam nutzen.

Trennung von Familie angedroht

Auch die dem Kind angedrohten Zwangsmittel erschrecken die Eltern: „Die bedeutet für Sie, dass ich auch gegen Ihren Willen, notfalls unter Anwendung körperlicher Gewalt, sicherstelle, dass Sie den oben genannten Quarantäne-Bereich nicht verlassen. Alternativ kann auch die zwangsweise Unterbringung in einer geschlossenen Quarantänestation angeordnet werden“, heißt es in dem Schreiben. Der Deutsche Kinderschutzbund hat bereits Ende Juli auf die Situation von Kindern in Quarantäne hingewiesen. „Kinder in dieser Phase von ihren Eltern und Geschwistern zu isolieren, ist eine Form psychischer Gewalt.

Der Kinderschutzbund empfindet diese Maßnahmen als unverhältnismäßig und nicht hinnehmbar. Die Drohung mit dem scharfen Schwert der Herausnahme und Unterbringung auf einer Isolierstation verunsichert zudem Familien nachhaltig“, so der Kinderschutzbund. Er empfiehlt deshalb, den gesamten Haushalt oder zumindest ein Elternteil in die Quarantäne-Maßnahmen einzubeziehen.

Wie kann ein Verdienstausfall der Eltern vermieden werden?

Der Rhein-Sieg-Kreis schließt sich laut Pressestelle der Empfehlung des Robert Koch-Instituts an, wonach die Eltern sich zur Betreuung ihrer Kinder freiwillig selbst in Quarantäne begeben sollten. Das Infektionsschutzgesetz regelt für Eltern, deren Kinder das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, eine Entschädigung für Verdienstausfall. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) verweist dazu auf die Internetseite ifsg-online,de. „Aufgrund des sehr hohen Antragsaufkommens dauert die Bearbeitung der Anträge aktuell leider mehrere Wochen“, so der LVR.

Die Mutter des Kleinkindes aus Niederkassel versuchte zunächst, beim Kreisgesundheitsamt mehr Informationen zu bekommen, fühlte sich aber abgewimmelt. Auf der Quarantäneverfügung des Kreises ist lediglich eine E-Mailadresse und die Nummer des Bürgertelefons angegeben.

Die Stadt Niederkassel kündigte am Montag an, ein Zusatzschreiben für die Quarantäne bei Kindern zu erstellen, das sie künftig zusammen mit der Ordnungsverfügung zustellen will. Die Stadt ist zwar die Überbringerin der Nachricht, die harschen Formulierungen gehen aber auf das Infektionsschutzgesetzt zurück. Die Verhaltensmaßnahmen im Anhang formuliert das Kreisgesundheitsamt. „Wir werden im Zusatzschreiben erklären, wie alles zusammenhängt“, sagte Pressesprecher Markus Thüren.

Aktuell dürfen im Rhein-Sieg-Kreis 1062 Personen ihre Wohnung nicht verlassen. Die Zahl der Kinder, die von häuslicher Quarantäne betroffen sind, kann die Pressestelle nicht nennen.