Neue Rheinbrücke in Niederkassel „Das ist keine Brücke für die Pendler“

Niederkassel · In Lülsdorf und Ranzel formiert sich eine Bürgerinitiative gegen das Projekt. Die Gegner fühlen sich übergangen und wollen die Bürger über die Hintergründe informieren. Die Niederkasseler Politik erarbeitet ein Positionspapier.

Die Gegner der Rheinbrücke formieren sich: Ein Brückenbauwerk aus Beton, das über das Retentionsbecken, das Naturschutzgebiet und die Deiche hinweg die neue Rheinbrücke über eine Strecke von knapp drei Kilometern als sogenannte Vorlandbrücke an die Autobahn A59 anbindet ist ein Horrorszenario für viele Lülsdorfer Bürger.

Lothar Röcker, Marion Engelhardt, Gerhart Renner und Dagmar Skiba sagen entschieden „Nein“ zu allen möglichen Plänen, eine weitere Rheinbrücke als verbindendes Element zwischen den beiden Autobahnen 555 und 59 zu installieren. Sie sind sich sicher, dass dieses Projekt nur für die Wirtschaft umgesetzt werden soll. „Was ihnen wirklich blüht, das wissen die meisten Niederkasseler überhaupt nicht“, glaubt das Quartett, und deshalb haben sie sich vorgenommen, umfassend zu informieren und auf Veranstaltungen zur Brücke präsent zu sein. Für Niederkassel bliebe da nur der Lärm, der Dreck und der Verkehr sowie die Verschandelung der Landschaft zwischen Lülsdorf und Langel. „Dieses Projekt dient dem Flughafen, dem Containerbahnhof Eifeltor und der Chemieindusrie“, ist sich Röcker sicher. Auch die Gleise seien für Güterzüge ausgelegt. „Das ist keine Brücke für die Pendler“, sind sich die vier Kritiker einig.

Mit der von Niederkassel geforderten Kombilösung von Straße und Schiene, die mit einer bessern ÖPNV-Anbindung beworben werde, soll ihrer Meinung nach der Containerbahnhof Köln-Eifeltor noch besser erschlossen werden, der Schienenverkehr entlang des Rheins entlastet werden und der Flughafen mit seiner Containerfracht besser an Bonn und Köln angebunden werden. Seit dem Treffen zur Rheinbrücke in der Rotunde auf Einladung der CDU Anfang Oktober haben die Anwohner Telefonnummern ausgetauscht. „Wir beginnen, uns zu organisieren“, kündigen sie an.

Ihren ersten organisierten Auftritt hatten sie bei einer Ortsbegehung der SPD mit Achim Tüttenberg vor knapp zwei Wochen. Die Genossen reagierten irritiert angesichts der vielen orangefarbenen T-Shirts und der Menschen in orangefarbenen Schutzwesten, die ihre Zugehörigkeit zu der noch jungen Bürgerinitiative signalisierten. Sogar Streifenpolizisten tauchten auf, um eine etwaige Eskalation zu verhindern, die es dann jedoch am Ende nicht gab. „Wir fühlen uns schlecht informiert und übergangen“, sagt Gerhart Renner.

Genau das soll nun mit ihrer Initiative anders werden. Aktuell sind es 25 bis 30 Personen, die in engem Kontakt miteinander stehen. Die Sympathisanten schätzen die Aktiven auf rund 250 Menschen. „Wir wollen auf jeden Fall alle uns zur Verfügung stehenden demokratischen Mittel ausschöpfen, um diese Brücke zu verhindern“, kündigen die Bürger an. Sie glauben nicht an einen unterirdischen Streckenverlauf oder die Anbindung der regionalen Straßen an die Trasse, die ihrer Meinung nach eine Autobahn sein wird. Auch halten sie die angesetzten Kosten für den Brückenbau von 367 Millionen Euro für viel zu niedrig angesetzt.

„Wir können bei diesem Projekt einfach keine Vorteile für die Niederkasseler sehen“, sagt Engelhardt. Die Bürger plädieren stattdessen für die Fertigstellung der angedachten Umgehungsstraßen und den geplanten Ausbau der A 59. Danach könne man sehen, wie sich der Individualverkehr entwickele. „Das Verkehrssystem ist ohnehin im Umbruch, und den sollte man zunächst abwarten“, glauben die Brücken-Gegner.

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