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Aus Niederkassel: Ehepaar sammelt seit über 50 Jahren Steine aus dem Rhein

Aus Niederkassel : Ehepaar sammelt seit über 50 Jahren Steine aus dem Rhein

Josi und Harald Jansche aus Niederkassel sammeln seit mehr als 50 Jahren besondere Stücke am Rhein und in der Welt. Auch an interessanten Tonscherben können sie nicht vorbeigehen.

Überall am und im Haus sieht man Steine – kleine Steine, große Steine, schöne Steine. Nicht jeder Stein ist es für das Ehepaar Jansche wert, aufgehoben zu werden. „Er muss schon etwas Besonderes haben“, sagt Josi Jansche. „Aber es gibt unheimlich viele schöne Steine, wenn man nur genauer hinschaut“, ergänzt Ehemann Harald. Das tun beide schon seit mehr als 50 Jahren, und was der Rhein so an steinigen Besonderheiten hergibt, haben sie gesammelt.

Nicht nur das: Auch zahlreiche Tonscherben haben sie gefunden. In Schalen oder Solo sind sie im Haus oder auf dem Kaminsims zu sehen. Nicht überall ist Platz im Haus, um die Fundstücke „auszustellen“. Viele warten im Keller in Körben und Kisten noch darauf, nach oben zu kommen. Die schönsten Exemplare liegen wohl sortiert in einer Schatulle im Wohnzimmer.

Josi und Harald Jansche sind Naturliebhaber und viel draußen unterwegs. „Nicht mehr so oft wie früher, aber immer noch sehr regelmäßig“, sagt Josi Jansche. „Es ist doch spannender, nach schönen Dingen in der Natur zu suchen, als nur zu laufen“, sagt Harald Jansche.

Und so sieht man sie häufig in gebückter Haltung am Rheinufer oder in den Feldern rund um Niederkassel, den Blick immer auf den Boden gerichtet. Eine wahre Fundgrube sei der Rhein. Vor allem bei Niedrigwasser machen sich die beiden auf den Weg. „Wenn das Wetter stimmt“, so der 73-jährige Niederkasseler, der den Rhein mit all seinen schönen Facetten liebt und sich sehr ärgert über unbelehrbare Zeitgenossen, die mit dem Auto bis ans Ufer zwischen Rheidt und Niederkassel fahren, dort Party machten oder grillen und den Müll einfach liegenlassen. „Ich habe dort sogar schon mal 30 entsorgte Autoreifen entdeckt. Wer macht denn so etwas?“, fragt er und schüttelt den Kopf. Schon als Kind war er mit seinem Vater am Rhein unterwegs und machte damals einen grausigen Fund. Eine Frau hatte sich das Leben genommen. Er fand die Leiche am Niederkasseler Ufer und alarmierte die Polizei.

Wie gemalt:  Kieselsteine mit außergewöhnlichen Mustern sind am Rheinufer zu finden. Foto: Meike Böschemeyer/MEIKE BOESCHEMEYER

Die Sammlerleidenschaft und Entdeckerfreude sind Josi und Harald Jansche gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. Schon die Eltern haben besondere Stücke gesammelt. Ihre Enkelin, 13 Jahre alt, begibt sich auch immer mehr auf die Spuren ihrer Großeltern.

Das Sammeln der Jansches beschränkt sich indes nicht nur auf die heimischen Orte, sondern stand auch bei ihren vielen Reisen im Mittelpunkt. Allein 15 griechische Inseln haben sie besucht – und natürlich nach besonderen Steinen Ausschau gehalten. „Meine Frau nimmt eine halbe Insel mit, wenn es sein muss“, sagt Harald Jansche lachend. Nun, soviel hat sie bisher noch nicht geschafft. Allerdings fand sich im Gepäck auf dem Rückflug in die Heimat schon mal eine Kühltasche voller schwarzer Steine, die sie auf der Insel Lesbos gefunden hatten. „Es war auch schon ein besonders geformtes Geäst dabei. Damals konnte man das noch mitnehmen“, sagt Josi Jansche. Neben Griechenland sind sie schon in Frankreich, Spanien, Süditalien, der Türkei, Ägypten, im Bayerischen Wald oder auf der Schwäbischen Alb gewesen. „Überall, wo wir waren, haben wir gesucht, und natürlich auch Interessantes gefunden.“ So etwa ein versteinertes Stück Holz.

Achate, Keramikstücke und besondere Kieselsteine spült der Rhein ans Niederkasseler Ufer. Foto: Meike Böschemeyer/MEIKE BOESCHEMEYER

In ihrer Sammlung befinden sich zahlreiche Achate. „Das ist ein Halbedelstein“, klärt Josi Jansche auf, der in vielen Farbvarianten vorkommen könne. Was sie an Steinen so spannend finden? „Kein Stein gleicht dem anderen, und sie strahlen eine wunderbare Ruhe aus. Wenn man sie in der Hand hat, kann ich sie nicht mehr loslassen“, sagte Josi Jansche. Eine öffentliche Ausstellung war sogar schon mal geplant. „Aber da ist dann nichts draus geworden“, erinnert sich Harald Jansche.

Und da wären noch die Tonscherben. „Die sind wohl aus fränkischer Zeit, und so wie sie aussehen handelt es sich um Gefäße“, sagt Harald Jansche, der seine Schätze, darunter eine steinerne Steinspitze, die gefertigt aussieht, noch nicht von Experten begutachten ließ. „Vielleicht mache ich das mal.“ Da wird dann wohl auch die ägyptische Scherbe mit dabei sein, die Josi Jansche von dort mitgenommen hat. Trotz der Warnung ihres Ehemannes, dass das verboten sei. Konsequenzen hatte das zum Glück nicht.