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Niederkasseler vor Bonner Landgericht: Geplanter Drogendeal eines 17-Jährigen endete mit Messer im Kopf

Niederkasseler vor Bonner Landgericht : Geplanter Drogendeal eines 17-Jährigen endete mit Messer im Kopf

Vier junge Angeklagte versuchten auf einem Spielplatz mit Marihuana zu dealen. Das ging jedoch gehörig schief. Jetzt sitzen sie vorm Bonner Landgericht. Von den Drogen fehlt jede Spur.

Der Vorfall liegt bereits über zwei Jahre zurück: Am 28. März 2019 wollte ein Schüler aus Niederkassel - damals 17 Jahre alt - sich bei einem ihm unbekannten Dealer mit einer großen Ration Marihuana versorgen. Zum eigenen Konsum, wie er im Prozess vor dem Bonner Landgericht beteuerte. An diesem Tag jedoch - auf dem Weg zum verabredeten Treffen auf einem Spielplatz in Ranzel - will der Schüler zufällig ein paar Kumpels getroffen haben, die ihn zum illegalen Geschäft begleiteten. Aber der Deal lief völlig aus dem Ruder, weil ein Kumpel des Schülers aus der Rolle gefallen ist: Ein 24-Jähriger soll plötzlich versucht haben, dem Dealer die Drogentüte zu entreißen. Die Begegnung endete blutig.

 Vor der 8. Jugendstrafkammer sitzen seit Dienstag vier Beteiligte des missglückten Deals, ob Täter oder Opfer, gemeinsam auf der Anklagebank. Eine ungewöhnliche Prozesssituation: Während der mutmaßliche Dealer (23) sich wegen Drogenhandels und gefährlicher Körperverletzung verantworten muss, werden seinen Kontrahenten, dem mittlerweile 19-jährigen Schüler und dessen Begleiter versuchter Drogenbesitz vorgeworfen; dem 24-jährigen Angreifer zudem versuchter Raub.

100 Gramm Gras für 600 Euro

 Einen Tag vor dem Spielplatz-Treffen habe er von dem Dealer ein Angebot bekommen, erzählte der Initiator des Drogengeschäfts, der sich am Dienstag als Einziger eingelassen hat. „100 Gramm Gras für 600 Euro! Eine Super-Preis-Leistung!“ so der 19-Jährige, denn normal seien 10 Euro für ein Gramm. Das Angebot war so verlockend, dass er sogar auf einen Probekauf verzichtet habe.

 Pünktlich zur verabredeten Zeit hätten sie sich in der Dämmerung gegenüber gestanden, erinnerte der Angeklagte weiter, auch der Dealer sei in Begleitung gewesen. In einer Supermarktüte zeigte er ihm den Stoff: drei abgepackte Alu-Päckchen mit Marihuana. Aber was dann passierte, könne er nicht mehr im Detail sagen. „Das alles ging ganz schnell.“ Der Kumpel, den er kurz vorher erst in seinen Kauf eingeweiht haben will, warf dem Dealer vor, dass er Drogen an Minderjährige abgebe. Dann der unerwartete Griff nach der Tüte.

Räuber erleidet Schädeldachfraktur

 Es kam zum erbitterten Gerangel: Um seine Drogen zu verteidigen, soll der Dealer - laut Anklage - ein Butterfly-Messer gezogen und auf den Angreifer eingestochen haben. Als das Messer im Kopf des 24-Jährigen feststeckte, gerieten alle in Panik und ergriffen die Flucht: Der mutmaßliche Räuber erlitt eine stark blutende Schnittwunde an der Schläfe und eine Schädeldachfraktur, er musste notärztlich versorgt werden. Der Dealer kam mit einer schweren Gehirnerschütterung und Prellung davon.

 Von diesem Tag an habe er nie mehr versucht, so einen großen Deal zu machen, erzählte der Angeklagte, der mittlerweile eine Ausbildung zum Sozialassistenten macht. Von den damals ersparten 600 Euro habe er sein Fahrrad reparieren lassen - und sich Marihuana nur noch in den üblichen kleinen Mengen gekauft. Wo die Plastiktüte mit den Drogen abgeblieben ist, weiß keiner, auch nicht die Ermittler. Sie ist seit dem Tag spurlos verschwunden.