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Jugendarbeit in Niederkassel: Mehr als nur ein Treffpunkt

Jugendarbeit in Niederkassel : Mehr als nur ein Treffpunkt

Aus der ehemaligen heftig umstrittenen Verbrennungsanlage für Sondermüll ist ein beliebter Jugendclub geworden - nur der Name Widdig ist geblieben.

Das Jugendzen-trum Widdig ist eine Institution der Niederkassler Jugendarbeit. Ob Kickern, Basteln, Skaten oder mit Freunden 'abhängen', der Jugendclub hat einiges zu bieten. Aber eines wirft Rätsel auf: Was steckt eigentlich hinter dem Namen „Widdig“? Widdig ist nämlich ein Ortsteil von Bornheim auf der anderen Rheinseite und nicht von Niederkassel. Seit 2001 spielen, skaten und verabreden sich Kinder und Jugendliche im Widdig, umgeben von Beton-Rampen, einer Dirtbike-Anlage, Beachvolleyball, einem Bolzplatz und jeder Menge grüner Natur. Die Jugendfreizeitstätte verteilt sich auf zwei Stockwerke, die eine Küche, eine Werkstatt, einen Discoraum mit Bühne, einen Raum für das Niederkasseler Jugendparlament, Proberäume und einen Bastelraum beherbergen. Der Caféraum im Erdgeschoss bildet dabei die erste Anlaufstelle der Gäste.

Das Areal sah allerdings nicht immer so aus: Ende der 1960er Jahre hatte sich in einer aufgegebenen Kiesgrube die Firma Widdig angesiedelt. Die betrieb bis 1994 eine „Verbrennungsanlage für Sonderabfallstoffe“. In der Anlage wurde Giftmüll aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland verbrannt. Über viele Jahre wurden Umweltauflagen missachtet, Tausende Kubikmeter Boden wurden verseucht und Giftstoffe gelangten bis ins Grundwasser. Die Sanierung des Areals zog sich über mehrere Jahre hin. 1994 wurde die Verbrennungsanlage vom Kölner Regierungspräsidenten endgültig dichtgemacht, weil die Verbrennungsanlage die mittlerweile verschärften Umweltauflagen nicht einhalten konnte. 1997 verließ die Firma endgültig das Areal.

Bis zur Schließung der Anlage hatte die Firma ihre Verwaltung in dem Gebäude untergebracht, das heute das Domizil des Jugendclubs ist. Nach der Schließung der Verbrennungsanlage kehrte zunächst Ruhe an dem etwas abgelegene Gelände an der Markusstraße zwischen Ranzel und Lülsdorf ein. Am 23. Oktober 2001 erblickte auf dem Widdig-Areal der Jugendclub das Licht der Welt. Die Stadt Niederkassel musste nicht lange überlegen, wie die Institution heißen solle: Es blieb nämlich einfach bei dem alten Namen „Widdig“.

Heute kommen täglich 60 bis 70 Kinder und Jugendliche in den Jugendclub. „Mittlerweile kommen sogar Kinder, deren Eltern früher selbst hier spielten“, erzählt die Diplom-Sozialpädagogin Gaby Schmid-Verwey. Zusammen mit Mirja Weber bildet sie den Dreh- und Angelpunkt der Jugendeinrichtung. Das Duo hat immer ein offenes Ohr für Probleme, Fragen oder sonstige Angelegenheiten, die die Kinder und Jugendlichen auf dem Herzen haben und mit ihnen, auch im Vieraugengespräch, bereden können. „Gaby und Mirja hören uns immer zu“, sagt die elfjährige Lara Oelsner.

Sie selbst treffe sich oft mit ihren Freunden im Widdig, und falls es zu Hause mal stressiger wird, finde sie dort Ruhe. Auch ihre Zwillingsschwester Melina erzählt: „Ich komme eigentlich immer her, wenn ich Zeit habe. Am liebsten spiele ich hier Airhockey.“

Die eigentliche Altersgrenze liegt bei zwölf bis 18 Jahren. Trotzdem kommen sowohl jüngere als auch ältere Besucher. Die jüngeren Gäste dürfen dann aber nur bis 19 Uhr bleiben. „Es kommt auch schon mal vor, dass 30-Jährige weiterhin zu uns kommen. Das ist auch vollkommen okay“, so Schmid-Verwey. Zurückzuführen ist das in jedem Fall auf die individuelle Rücksichtnahme von Gaby und Mirja gegenüber ihren Besuchern sowie auf die gute Teamarbeit. „Mirja und ich funktionieren gut als Team. Deshalb haben die Kinder auch keine Chance, uns gegeneinander auszuspielen“, so Schmid-Verwey.

In den Sommerferien fuhr der Jugendclub auf Wunsch der Kinder und Jugendlichen zu einem Rafting- und zu einem Wasserkiausflug. Die Termine stimmten die Betreuer mit den Kindern gemeinsam ab. Über das Jahr verteilt feiert der Jugendclub unter anderem eine Halloweenparty, lädt zu Film- und Themenabenden ein und bringt auf spielerische Weise Nützliches bei: von Kochen, Backen und Näharbeiten bis hin zu Holz-, Papier- und Filzarbeiten ist alles dabei. Es gibt auch eine eigene Werkstatt, in der die Kinder und Jugendlichen ihr Fahrrad oder ihren Scooter reparieren können. Mara Grau, elf Jahre alt, erzählt: „In letzter Zeit bin ich sehr oft hier. Wir haben selber Armbänder gebastelt, das hat total Spaß gemacht.“

Wer sich gerne ein eigenes Bild vom Jugendclub Widdig machen möchte, kann diesen in der Markusstraße 60 in Ranzel besuchen.

Weitere Informationen gibt es unter 0 22 08/50 03 08 oder per E-Mail an jugendclubwiddig@gmx.de, im Internet unter www.jugendclub-widdig.de und auf Facebook.