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Anklage vor dem Bonner Landgericht: Mit dem Fahrrad zum Raubüberfall

Anklage vor dem Bonner Landgericht : Mit dem Fahrrad zum Raubüberfall

Eine 39-jährige Frau soll in den Jahren 2013 und 2014 drei Überfälle auf eine Tankstelle in Niederkassel verübt haben. Ein Hinweis aus dem privaten Umfeld führte die Ermittler zu ihr.

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat Anklage zu einer ungewöhnlichen Serie von Raubüberfällen auf eine Tankstelle erhoben. Die Frau, die einen Tag vor Heiligabend 2013 abends um 21.45 Uhr  mit ihrem Fahrrad auf das Gelände der Mundorf-Tankstelle an der Niederkasseler Hauptstraße fuhr, wirkte wie eine junge Mutter, die vor dem Fest vielleicht noch letzte Süßigkeiten für ihre Kinder kaufen will. Nachdem sie das schwarze Damenrad mit dem grauen Kindersitz auf dem Gepäckträger und dem kleinen Fahrradkorb vorne am Lenker vor dem Verkaufsraum abgestellt hatte, zückte sie allerdings einen schwarzen Revolver.

Unmaskiert soll die Frau dann mit vorgehaltener Waffe den Verkaufsraum betreten und die Kassiererin mit vorgehaltener Schusswaffe zur Herausgabe des Bargelds aufgefordert haben. Gut sieben Jahre später wird sich die mittlerweile 39 Jahre alt mutmaßliche Räuberin nun wegen schwerer räuberischer Erpressung vor dem Bonner Landgericht verantworten müssen, wie eine Gerichtssprecherin am Freitag mitteilte.

Angeklagt sind drei Überfälle

Der Prozess vor der 3. Großen Straf-
kammer ist noch nicht terminiert und wird frühestens im Januar beginnen. Angeklagt ist allerdings nicht nur der erste Raub vor Weihnachten, bei dem die Angeklagte den Tatort mit Geldscheinen von unbekanntem Wert verließ. Denn offenbar war der Räuberin das erbeutete Weihnachtsgeld zu wenig und so überfiel sie – jeweils mit demselben Fahrrad und derselben Waffe ausgestattet – am 5. und am 26. Januar 2014 die Tankstelle erneut.

Beim zweiten Überfall gegen 21.15 Uhr  erbeutete sie 400 Euro, bei der dritten Tat, die sich diesmal um 20.58 Uhr ereignete, schleuderte ihr die Kassiererin den bescheidenen Inhalt der Abendkasse – 100 Euro in kleinen Scheinen – voller Wut direkt nach dem Betreten der Tankstelle entgegen. Opfer der Raubserie war nämlich immer dieselbe, damals 55-jährige Kassiererin, die bei der letzten Tat offenbar bereits mehr als entnervt über die Dreistigkeit ihrer ungebetenen Besucherin war.

Zumindest einer der drei Überfälle wurde von den im Innenraum und auf dem Außengelände der Tankstelle installierten Videokameras bestens dokumentiert, obendrein hinterließ die Räuberin nach dem dritten Überfall ihr Fahrrad am Tatort. Trotz eines über viele Medien verbreiteten Fahndungsaufrufs konnten die Ermittler die gesuchte Frau zunächst nicht ausfindig machen.

Erst im September 2019 soll ein Familienmitglied der mutmaßlichen Täterin der Polizei im Rahmen einer Vernehmung in einer anderen Sache eröffnet haben, dass die Angeklagte ihm bereits vor Jahren von der Überfallserie erzählt habe. Und tatsächlich stimmten offenbar DNA-Spuren, die an dem Damenrad gefunden worden waren, mit denen der Angeklagten überein. Seit August 2020 befindet sich die nicht vorbestrafte Frau deshalb nun in Untersuchungshaft.