Bürgerantrag zum 25. Geburtstag ADFC setzt sich für mehr Fahrradstraßen in Niederkassel ein

Niederkassel · Vor einem Vierteljahrhundert wurde die erste Fahrradstraße in Deutschland ausgewiesen. Das nimmt der ADFC-Niederkassel zum Anlass, weitere für seine Stadt zu beantragen. So will er den Radverkehr voranbringen.

 Für mehr Fahrradstraßen in seiner Stadt plädiert der Niederkasseler ADFC-Sprecher Peter Lorscheid.

Für mehr Fahrradstraßen in seiner Stadt plädiert der Niederkasseler ADFC-Sprecher Peter Lorscheid.

Foto: Hans-Werner Klinkhammels

Seit Jahren kämpft die Niederkasseler Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) für Fahrradstraßen in Niederkassel. Im vergangenen Jahr konnte er einen ersten Erfolg verbuchen: Der Verkehrs- und Planungsausschuss beschloss, den Streckenabschnitt Uferstraße bis Burgstraße in Lülsdorf als erste Fahrradstraße der Stadt auszuweisen.Jetzt setzt der ADFC noch einen drauf und bittet in einem Bürgerantrag darum, zwei weitere Fahrradstraßen auszuweisen: Die Strecke zwischen Kabelweg und Löwenburgstraße in Rheidt sowie die Strecke Eschmarer Straße bis Weiler Weg in Uckendorf.

Die Fahrradstraßen feiern in diesem Jahr in Deutschland ihren 25. Geburtstag. Deswegen wünscht sich der Niederkasseler ADFC-Sprecher, dass es auch in seiner Stadt mehr davon gibt. „Sie sind ein relativ kostengünstiges Instrument der Radverkehrsförderung“, erklärt er und ergänzt: „Niederkassel möchte in die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte NRW aufgenommen werden. Da machen Fahrradstraßen schon einen guten Eindruck.“

Laut Lorscheid fasste die Politik den Beschluss zur Fahrradstraße in Lülsdorf gegen skeptische Stellungnahmen der Polizei. „Die Skepsis begründete sich damals in der Frage des „vorherrschenden Verkehrs“, so Lorscheid. Diese Problematik stelle sich in Zukunft allerdings nicht mehr. „Bei der Prüfung der Umsetzbarkeit kann die Stadtverwaltung nun die neuen Verwaltungsvorschriften zur Anordnung von Fahrradstraßen anwenden, die seit dem 8. November 2021 in Kraft sind“, sagt der ADFC-Sprecher. Das erleichtere die Anordnung einer Fahrradstraße.

Der Radverkehr sei nun als vorherrschende Verkehrsart keine Voraussetzung mehr. „Es reicht nun aus, dass die betreffende Straße eine hohe Bedeutung im Radverkehrsnetz hat“, erklärt der Radverkehrsfachmann. „Dies ist bei beiden vorgeschlagenen Streckenabschnitten der Fall“, sagt Lorscheid. Die Straßen in Uckendorf seien sogar Bestandteil des Radverkehrsnetzes NRW und des Knotenpunktsystems. Die Strecke in Rheidt weise noch alte Wegweisungselemente auf. „Die Netzbedeutung ist auch heute noch gegeben“, so Lorscheid.

Innerstädtische Radroute für  Niederkassel

Die Anordnung einer Fahrradstraße in Löwenburgstraße und Kabelweg geschehe zudem im Vorgriff auf die innerstädtische Radroute Niederkassel, die der Planungs- und Verkehrsausschuss 2020 beschlossen habe. Lorscheid, der seit Gründung vor 20 Jahren Mitglied der ADFC-Ortsgruppe Niederkassel ist, weiß zudem, „dass zumindest die testweise Einrichtung von Fahrradstraßen keine Baumaßnahmen oder hohe finanzielle Aufwendungen verlangen“.

Die Politik hat der ADFC auf seiner Seite. Die Grünen wollen den Antrag unterstützen, verweisen aber auch auf eigene Bestrebungen, einen durchgehenden Fahrradweg oder -schutzstreifen vom Norden in den Süden Niederkassels einzurichten. „Beide Ideen stehen in keiner Konkurrenz, sondern verfolgen das Ziel, die Radinfrastruktur in Niederkassel zu stärken“, sagt der Fraktionsvorsitzende Sascha Essig. Durch die Erweiterung der Straßenverkehrsordnung biete die Variante der Fahrradstraße allerdings völlig neue Möglichkeiten. Damit wolle sich nicht nur der Planungsausschuss, sondern auch der Arbeitskreis Mobilität befassen.

Auch Frieder Reusch (SPD) findet Gefallen am Bürgerantrag: „Deutschland ist in Relation zu vielen anderen europäischen Ländern in Sachen Radverkehr weit im Hintertreffen. Da ist jede weitere Fahrradstraße hilfreich.“ Seine Fraktion werde den Antrag ebenfalls unterstützen. Dem schließt sich die CDU an, vor allem „weil es ein alter CDU-Antrag ist, der damals seitens der Verwaltung als nicht umsetzbar galt“, sagt CDU-Fraktionschef Marcus Kitz. „Mit der Novelle ist der Antrag jetzt möglicherweise umsetzbar.“

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