Förderschule in Niederkassel Gibt es eine Zukunft für die Laurentiusschule?

Niederkassel · Weil nicht genügend Schülerinnen und Schüler die Förderschule in Mondorf besuchen, muss die Stadt sie schließen. Die Schulpflegschaft warnt vor den Konsequenzen für alle städtischen Schulen. In den sozialen Medien wirbt sie um Unterstützung.

 Anja Mellinghaus (rechts) und Alexander Nicko von der Schulpflegschaft Laurentiusschule gehen mit Erich Abraham (Stadtschulpflegschaftsvorsitzender, Mitte) neue Wege zur Rettung der Laurentiusschule.

Anja Mellinghaus (rechts) und Alexander Nicko von der Schulpflegschaft Laurentiusschule gehen mit Erich Abraham (Stadtschulpflegschaftsvorsitzender, Mitte) neue Wege zur Rettung der Laurentiusschule.

Foto: Hans-Werner Klinkhammels

Gemeinsam mit der Stadtschulpflegschaft in Niederkassel startet die Schulpflegschaft der Laurentiusschule einen neuen Versuch, die Schule zu retten. Weil die kommunale Förderschule mit 78 Schülern nicht der Mindestgrößenverordnung des Landes von 112 Schülern entspricht, musste der Rat der Stadt den Beschluss fassen, die Schule auslaufend zu schließen. Zudem stellt sich die Personalsituation der Mondorfer Förderschule aktuell dramatisch dar: Leiterin Marlies Röhrig ist seit Langem erkrankt, ihre Stellvertreterin wechselte überraschend als Konrektorin an eine Troisdorfer Schule. Geleitet wird die Laurentiusschule im Augenblick von der dienstältesten Lehrerin Anja Bauer, an zwei Tagen unterstützt von Daniel Schliebach. Weitere Lehrkräfte sind in Mutterschutz oder krank. Neue Lehrkräfte sind zwar nach Mondorf abgeordnet, sie können das Problem jedoch nur bis Ende des Schuljahres auffangen.

Trotzdem ist Erich Abraham zuversichtlich: Der Stadtschulpflegschaftsvorsitzende weiß, dass die Laurentiusschule im Schulentwicklungsplan des Rhein-Sieg-Kreises erwähnt ist. Das macht ihn vorsichtig optimistisch. Nicht nur die Stadt sei in der Pflicht, auch der Kreis, so Abraham. Er sucht eine Möglichkeit, „aus der rechtlichen Umklammerung der Mindestgrößenverordnung“ zu entkommen. „Hinter dem Kopernikus-Gymnasium, neben dem Bürgerpark hätten wir ein Grundstück. Das ist zugesagt“, sagt er und schildert ein Szenario, das wohl die wenigsten Eltern im Stadt- und Kreisgebiet erfreuen würde: „Wird die Schule aufgelöst, werden die Kinder ins Regelsystem geschickt. Das sind Realschule, Gesamtschule und Gymnasium. Doch das System ist völlig überlastet. Die Kinder können dort nicht ihrem Förderbedarf entsprechend unterrichtet werden. Sie werden dann zu Systemsprengern“. Als Beispiel nennt er die Niederkasseler Gesamtschule. Dort sei von sechs Stellen für Sonderpädagogen nur eine besetzt, zudem fehle es an Räumlichkeiten.

„Wir müssen den Standort auf Biegen und Brechen halten“

Für Kinder mit Lern- und Sprachproblemen gibt es verschiedene Förderschulen im Kreis, für alle anderen Beeinträchtigungen nur die Laurentiusschule und die St. Ansgar Schule der Caritas Jugendhilfe in Hennef-Happerschoß. Daher fordern auch Anja Mellinghaus und Alexander Nicko von der Schulpflegschaft der Laurentiusschule eine Möglichkeit, die Mindestgrößenverordnung auszusetzen. Schulministerium und Ministerpräsident seien bereits kontaktiert. Abraham kann deren Standpunkte nicht nachvollziehen: „Es gibt so viele Ausnahmen, nur bei der Mindestgrößenverordnung hält man sich kleinlich an der tatsächlichen Meldezahl.“ Dafür fordern sie eine Lockerung und Ausnahme. „Wir müssen diesen Standort auf Biegen und Brechen erhalten, sonst leiden alle 3500 Schüler in der gesamtstädtischen Schullandschaft“, so Abraham.

Um Unterstützung von Eltern und Lehrern aus anderen städtischen Schulen zu erhalten, wird die Stadtschulpflegschaft jetzt in den sozialen Medien aktiv: Betroffene Eltern von ADHS- oder autistischen Kindern sollen über ihre schulischen und familiären Situationen berichten. Schulleiter sind aufgerufen, darzustellen, was es für ihre Regelschule bedeuten würde, Schüler aus der Laurentiusschule unterbringen zu müssen. „Wir hoffen auf diese Weise, die Politik wachzurütteln, damit doch noch die vielleicht allerletzte Möglichkeit ergriffen wird, die Laurentiusschule als Förderschule und Teil des gesamtstädtischen Schulsystems zu retten“, macht Abraham deutlich.

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