Pfadfinder verschönern Flüchtlingsunterkunft „Uns schickte der Himmel“ lautet die Devise

Niederkassel · Gemeinsam mit den Kindern wollten die Pfadfinder die Flüchtlingsunterkunft in Niederkassel schöner machen. Die Wände durften sie nicht bemalen, deshalb fanden sie eine andere Lösung.

Pfadfinder bemalen gemeinsam mit Kindern aus der Geflüchtetenunterkunft Bettlaken.

Pfadfinder bemalen gemeinsam mit Kindern aus der Geflüchtetenunterkunft Bettlaken.

Foto: Hans-Werner Klinkhammels

Mit roter, grüner, gelber, blauer und weißer Farbe bemalen Pfadfinder gemeinsam mit geflüchteten Kindern die großen Bettlaken. Die Laken sollen aufgehängt werden, um die tristen weißen Wände der Niederkasseler Flüchtlingsunterkunft freundlicher zu gestalten.

„Wir erfüllen Herzenswünsche“, sagt Bastian Ulrich. Er engagiert sich bei der deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg im Bezirk Sieg. Die Pfadfinder nehmen an der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) teil. Unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ sind an diesem Wochenende Tausende von Pfadfindern in ganz Deutschland unterwegs, um Projekte umzusetzen, die „die Welt ein Stückchen besser machen“. Regelmäßig führen sie solche Aktionen durch. „Dabei wollen wir nachhaltig etwas in der Gesellschaft verändern, den Leuten helfen“, so Ulrich.

Ähnliche Aktionen sind auch in Siegburg und Sankt Augustin gelaufen. Die Siegburger Pfadfinderinnen beteiligten sich an einer kreisweiten Aktion gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und gestalteten dazu eine „Orange Bank“. In Sankt Augustin wurden Garten und Gartenhaus des Juheisa (Jugendheim Sankt Augustin) wieder instand gesetzt. Ulrich berichtet, wie es zu der Aktion in Niederkassel gekommen ist: „Den Kontakt hat Matthias Ferring vom Verein Interkultur hergestellt. Er schlug vor, die Unterkunft schöner und wohnlicher zu gestalten. Wir haben dann gemeinsam mit Karl Frechen, dem Flüchtlingskoordinator und Integrationsbeauftragten der Stadt Niederkassel, überlegt, wie das funktionieren könnte.“

Verständigung funktioniert problemlos

Bis zur Durchführung der Aktion musste so manches Hindernis bewältigt werden. Zunächst war geplant, die weißen Wände zu bemalen. Weil das aber nicht erlaubt war, entschlossen sich die Pfadfinder, Bettlaken zu bemalen und diese gemeinsam mit Bildergirlanden aufzuhängen. Zudem wurden Beete und Kübel neu gestaltet, frische Pflanzen eingesetzt und auch Müll gesammelt. „Wir haben als erstes Müll gesammelt, gemeinsam mit den Kindern der Geflüchteten.“ Schon diese gemeinsame Aktion habe den Kleinen Spaß gemacht. Rund 15 bis 25 Kinder waren an den drei Tagen immer dabei. Die Verständigung funktionierte problemlos. „Das geht mit Zeichen, Gestik und Mimik“, ist Philipp von Bismarck begeistert. Er hat sich freiwillig für das Wochenende gemeldet und malt eifrig mit den Kindern.

Einen Teil des Außenbereiches schützen die Pfadfinder mit einem Zelt gegen den Regen. Darunter zeichneten sie Hüpfkästen und große Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiele auf den Boden. Ute Seiff von Interkultur ist angetan: „Es ist supertoll, was die Pfadfinder hier machen“, freut sie sich. Pfadfinder Mosche kommt vom Arno-Stamm in Siegburg nach Niederkassel und sagt, es sei sein Hobby, anderen Menschen zu helfen. Außerdem sei er praktisch veranlagt. Dann geht er wieder in die Knie, um mit einem dicken Pinsel weiße Asphaltfarbe aufzubringen.

Am Sonntagmittag gibt es zum Abschluss ein Grillfest. „Wir haben im türkischen Supermarkt eingekauft, damit alle teilnehmen können“, berichtet Bastian Ulrich mit Blick auf Ernährungsgewohnheiten. Rund 600 Euro habe die Aktion insgesamt gekostet. Das wollen die Pfadfinder durch Spenden refinanzieren.

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