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Rhein-Sieg-Kreis: Erhalt der RSVG-Mieträder offen - weniger genutzt als erhofft

Weniger genutzt als erhofft : Erhalt der RSVG-Mieträder im Rhein-Sieg-Kreis offen

Die Stadt Niederkassel zahlt 24.000 Euro jährlich für RSVG-Mietfahrräder. Der anfangs gute Nutzungstrend hat sich nicht bestätigt. Ob das System im ganzen Rhein-Sieg-Kreis eine Zukunt hat, ist noch offen.

Noch im Januar hatte die Stadt Niederkassel den Mietfahrrädern der RSVG „gute Nachfragewerte“ attestiert und beobachtet, dass seit dem Start im Oktober 2020 „die schicken Räder immer öfter durchs Stadtgebiet“ flitzten. Zwei Monate später zieht die Verwaltung über die ersten vier Verleihmonate eine ganz andere Bilanz: „Der positive Trend hat sich nicht bestätigt.“

Eine erste Evaluation der Nachfrage und Nutzerzahlen werde der Rhein-Sieg-Kreis erst zum Sommer vorlegen, so die Stadt, die jährlich über 24.000 Euro für das Miet-
radangebot im Stadtgebiet an die RSVG zahlt. Tatsächlich ließen sich die Nutzer- und Nachfragezahlen ebenso wie die Ausleihungen an den einzelnen Stationen im komplett digitalisierten Entleihsystem durch den RSVG-Partner Nextbike „in Echtzeit auf Knopfdruck abrufen“. Diese Möglichkeit sei auch bereits genutzt worden, bestätigt ein Insider der RSVG auf Nachfrage des General-Anzeigers und legt Zahlen vor.

Kleinere Stationen sind Schlusslichter

Diese zeigen, dass in den ersten Entleihmonaten die Station am Rathausplatz im oberen Drittel der langen Nutzungsliste zu finden ist. Andere Stationen wie an der Kirche und dem Hallenbad in Lülsdorf sowie am Markt Rheidt und an der Fähre Mondorf landeten zunächst im Mittelfeld. Die kleinen Stationen in Stockem oder an der Uckendorfer Feuerwehr zählen bei Ausleihungen und Rückgaben von Rädern offenbar zu den Schlusslichtern in der Region.

Die FDP, die Anfang Februar eine Anfrage nach Zahlen an die Stadt gerichtet hatte, verwies im März auf die zum Sommer angekündigte Auswertung des Kreises und betonte: „Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen, die zu einer massiven Reduktion der Mobilitätsanlässe und damit auch der Nutzung der RSVG-Räder geführt haben, sollten einzelne Standorte zum jetzigen Zeitpunkt nicht infrage gestellt werden.“ Wie der GA erfahren hat, werden voraussichtlich im April weitere Zwischenstände der Ausleihungen und Nutzungen RSVG-intern vorgestellt und beraten.

Corona ist Schuld

Gründe für die insgesamt ausbaufähigen Nutzungszahlen im Stadtgebiet sieht die Verwaltung unter anderem im „Zusammenfallen des Starts mit der wiederholten Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen ab Mitte/Ende Oktober, die letztlich in den seit Mitte November andauernden Lockdown in Verbindung mit dem meist schlechten Wetter geführt haben.“

Dass man „coronabedingt weniger Ausleihen verzeichnet“ habe als erwartet, hatte auch die RSVG Anfang Januar auf Nachfrage bestätigt, aber insgesamt von einem bundesweiten Zuwachs an Nutzern beim Partner Nextbike von 50 Prozent gesprochen. Die im Pandemie-Jahr 2020 enorm gestiegene Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes hat auch der Verband des deutschen Zweiradhandels am 10. März in seiner Jahresbilanz bestätigt – mit einem Umsatzplus im Zweiradhandel von 35 Prozent, im E-Bike-Handel sogar um 65 Prozent und guten Erwartungen für das Jahr 2021.

Hat das Mietfahrradsystem eine Zukunft?

Während die Stadt Niederkassel „meist schlechtes Wetter“ als Mitursache für schlechte Buchungszahlen in den ersten vier Monaten seit Betriebsstart im Oktober 2020 sieht, war das Wetter für die Fahrradbranche insgesamt offenbar besser: So begründete der Fahrradverband seine Erfolge im Jahr 2020 mit den „anhaltenden Schönwetterlagen“. Auch der Deutsche Wetterdienst DWD resümierte für November 2020, der der wärmste und sonnenreichste November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war, und für die meteorologischen Wintermonate Dezember bis einschließlich Februar ein zu warmes und überdurchschnittlich sonniges Wetter.

Unbeantwortet ist bislang die Frage, ob das Mietfahrradsystem überhaupt im gesamten RSVG-Gebiet im großen Flächenkreis Rhein-Sieg-Kreis eine Zukunft habe oder man sich auf zentrumsnahe Standorte, die jetzt bereits eine größere Nachfrage erfahren, konzentrieren wolle, so der RSVG-Insider gegenüber dem GA. Für eine tragfähige Antwort darauf sei es aber noch zu früh und die Datenlage zu dünn.