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Rückkehr auf die Bühne: Theaterverein Rheidt schürft nach „Rheingold“

Rückkehr auf die Bühne : Zeitreise zum Mondorfer Goldrausch

Theaterverein Rheidt beginnt nach der Pandemie und dem Verlust der Lagerhalle wieder mit den Proben. Große Belastungsprobe durch Corona, Spielverbot und Quartiersverlust

Waltraud Rosenbaum, die erste Vorsitzende des Theatervereins Rheidt, freut sich: „Jetzt geht es endlich wieder los.“ 18 schwere Monate liegen hinter den Schauspielern, in denen sie coronabedingt weder auftreten noch gemeinsam proben durften. „Es waren Hungerzeiten für den Verein“, berichtet Rosenbaum. „Wenn wir uns im Vorfeld nicht ein Polster angelegt hätten, wären wir nicht mehr auf die Füße gekommen. Wir sind beim Staat, wie viele andere Künstler auch, offensichtlich durch das Raster gefallen.“

Zum Glück waren die Bemühungen der engagierten Vereinsmitglieder in einigen Fällen von Erfolg gekrönt. Finanzielle Unterstützung kam von der Kreissparkasse Köln; auch eine Rheidter Firma ließ sich nicht lumpen. Die Mitglieder blieben mit an Bord: „Es ist sehr schön und ein Zeichen für den Zusammenhalt im Verein, dass alle dem Theater treu geblieben sind“, so Rosenbaum. Trotz aller Hindernisse blieben Vorstand, Darsteller und Mitglieder auch während der Lockdowns aktiv. Die Jugend des Theatervereins ging mit gutem Beispiel voran: Jeder probte für sich, dann nahmen die Jugendlichen den „Kleinen Prinzen“ als Video auf — gegen eine Gebühr von fünf Euro wurde der Film über YouTube gestreamt.

Eine DVD des Auftritts konnte ebenfalls käuflich erworben werden. „Die Kids haben darunter gelitten, nicht auftreten zu können“, erzählt Rosenbaum. „Aber das hat ihre Kreativität beflügelt. Zudem ist es gerade in Coronazeiten sehr wichtig, im Gespräch zu bleiben.“

Neues Stück spielt zur Zeit des Goldrausches

Auch die Schauspieler der Ü40-Theatergruppe zog es zurück auf die Bühnenbretter. Das Ensemble durfte jedoch erst vor vier Wochen wieder in den Probenraum — strenge Regelungen der Stadt Niederkassel. Unter der Regie von Norman Klaar und Johannes Stett wird nun wieder einmal ein Stück mit viel Lokalkolorit auf die Bühne gebracht.

Es spielt im Jahre 1880: In den USA ist der Goldrausch im vollen Gange, während im beschaulichen Mondorf gähnende Langeweile herrscht. Das ändert sich schlagartig, als Charles de Versailles, ein Überbleibsel Napoleons, im Dorfkrug seine Zeche mit einem großen Goldklumpen begleicht, den er angeblich Tags zuvor an der Siegmündung gefunden haben will. Fortan entwickelt sich ein turbulenter Goldrausch, der seinesgleichen sucht.

Obwohl noch keine Werbung für das Stück gemacht wurde, erreichten den Verein bereits viele Kartenwünsche. Waltraud Rosenbaum fühlt sich geehrt: „Ich finde es wunderschön, dass uns unser Publikum nicht vergessen hat.“ Von ausgelassener Freude ist der Vorstand beim Theaterverein Rheidt jedoch noch weit entfernt.

Eine andere Halle wird dringend gesucht

Nach Corona kam der nächste Tiefschlag: Die Halle, in der der Verein Requisiten und den Karnevalswagen unterbrachte, wurde verkauft. Der neue Eigentümer verlangt jedoch eine monatliche Miete, die der Verein laut Rosenbaum nicht aufbringen könne. Das Problem der Vereine entstand durch den Umstand, dass sie ihre Halle auf ein Grundstück gebaut hatten, das ihnen nicht gehörte; allerdings mit der ausdrücklichen Erlaubnis des damaligen Besitzers.

Nicht nur der Theaterverein wurde mit dem Problem konfrontiert, auch der FC Hertha Rheidt, die Knochenbrecher Niederkassel und das Festkomitee Rheidter Karneval lagerten in der Halle Requisiten und Motivwagen. Gemeinsam suchen die Vereine nun händeringend nach einer neuen Halle oder einem Grundstück.

Trotz dieser wenig erfreulichen Umstände schaut man beim Theaterverein nun nach vorne und freut sich, wenn der Vorhang wieder aufgeht. „Ich wünsche mir für die Zukunft weniger Probleme, viele zufriedene Zuschauer und dass wir wieder ins finanzielle Gleichgewicht kommen“, resümiert Waltraud Rosenbaum.