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Wohngebiete zwischen Evonik und Troisdorf: SPD will Trasse des Rhabarberschlittens verlegen

Wohngebiete zwischen Evonik und Troisdorf : SPD will Trasse des Rhabarberschlittens verlegen

Mit einem neuen Vorschlag zum Rhabarberschlitten überraschen der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann und sein Parteikollege und Landtagsabgeordneter Achim Tüttenberg.

Der Güterzug, der für die Evonik aktuell vormittags einmal nach Troisdorf fährt und nachmittags von dort wieder zurück kommt, könnte ihrer Meinung nach in Zukunft über eine neue Trasse geführt werden. Insbesondere die mögliche Zunahme des Güterverkehrs rechtfertige diese Überlegung, die dann die Wohngebiete entlaste. Das geht aus einem Antrag der SPD-Kreistags-Fraktion für den Kreisausschuss am 21. September hervor. Eine neue Trasse für den Güterverkehr könnte entlang der L 274 zwischen dem Werk und der Bahneinfädelung in Troisdorf-Oberlar führen.

Mit der Ankündigung der Evonik, mit der Duisport AG am Standort Lülsdorf ein Containerterminal und weitere Firmen anzusiedeln, befürchten viele Niederkasseler und Troisdorfer eine Zunahme des Verkehrs auf der Straße und der Schiene. Der Vorschlag der SPD-Kreistagsfraktion sieht eine direkte Bahnlinienführung Richtung Spich oder Porz-Wahn vor. "Die bisher durchfahrenen Wohngebiete in mehreren Niederkasseler und Troisdorfer Stadtteilen würden entlastet, erst recht bei möglicherweise steigender Inanspruchnahme", begründen die SPD-Politiker.

Die Idee sei auch deshalb chancenreich weil die NRW-Landesregierung die Planung der L 274 vom Kreisel Uckendorf in Richtung Flughafenautobahn auf Grün geschaltet habe. Hinzu kämen die geplanten Neubaugebiete in Porz und Zündorf, die erschlossen werden müssten. Laut dem SPD-Antrag soll die Kreisverwaltung Gespräche mit der Stadt Köln, dem Land, der Evonik, den Städten Niederkassel und Troisdorf sowie der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) führen, um eine neue Planung samt Finanzierung auf den Weg zu bringen.

Wenig Realisierungschancen sieht RSVG-Geschäftsführer Michael Rheinhardt: "Das lässt sich finanziell nicht rechtfertigen, vor allem wegen der geringen Nutzung durch den Güterverkehr von maximal drei Fahrten am Tag." Schon jetzt müsse der Erhalt der alten Trasse nicht unerheblich von der Evonik mitfinanziert werden.

Auch Helmut Esch, erster Beigeordneter der Stadt, zeigte sich skeptisch. Aktuell gehe es darum, eine Rheinbrücke mit Eisenbahnbrücke in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen. "Solange das nicht beschlossen ist, halte ich solche Vorschläge für kontraproduktiv."

Zudem stelle sich die Frage, was man mit dem bestehenden alten Gleis mache, das ja dann überflüssig würde. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Marcus Kitz nannte die Idee gestern völlig unrealistisch. Die Kreisverwaltung wolle erst die Beratungen abwarten, bevor sie eine Stellungnahme abgebe, sagte Bettina Heinrichs-Müller von der Pressestelle.