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Laurentiusschule in Niederkassel: Stadt sucht Träger für Förderschule

Laurentiusschule in Niederkassel : Stadt sucht Träger für Förderschule

Die Mondorfer Laurentiusschule erreicht die Mindestschülerzahl für Förderschulen nicht. Kommunen und Rhein-Sieg-Kreis wollen sich nicht an einem möglichen Neubau, der dann auch genügend Platz bieten würde, beteiligen.

Unsicherheiten in der Planung, sinkende Anmeldezahlen und strenge Vorgaben des Landes machen der Stadt Niederkassel beim Erhalt ihres Förderschulangebotes in der Laurentiusschule weiter zu schaffen. Gemeinsam mit der Mehrheit der Politik, die Anfang Februar einen entsprechenden Beschluss auf den Weg brachte, will die Stadt weiter für den Erhalt des Förderschulangebots kämpfen und hierzu verschiedene Optionen für einen alternativen Standort, Bauherrenmodelle und eine externe Schulträgerschaft suchen.

Die Debatte um die Zukunft der alten Laurentiusschule in Mondorf ist keine neue: Nachdem die alte Landesregierung die vorgeschriebene Mindestgröße auf 144 Schüler für Verbundschulen, zu denen die Laurentiusschule mit ihren mehreren Förderschwerpunkten zählt, festgelegt hatte, war ein „Fortbestand der Förderschule utopisch“, wie die Stadt Niederkassel mitteilt.

Im April 2014 hatte der Stadtrat die Auflösung der Schule mit seinerzeit 63 Schülern zum Schuljahresbeginn 2015/2016 beschlossen. Weil keine neuen Schüler aufgenommen wurden, sank die Schülerzahl im Folgeschuljahr auf 35. Kurz vor dem Ende der Schule setzte die neue Landesregierung zum 31. Juli 2019 die Mindestgrößenverordnung aus, weshalb der Stadtrat im Februar 2018 die Auflösung kippte und einen Wiedererrichtungsbeschluss auf den Weg brachte.

Heute zählt die Schule auf ihrem gerade einmal 480 Quadratmeter großen Areal in Mondorf 74 Schüler, von denen 29 nicht aus dem Stadtgebiet von Niederkassel kommen. 54 Schüler haben einen emotionalen oder sozialen Förderbedarf, neun Schüler erhalten Sprachförderung, elf weitere Schüler Lernförderung. Das Gros der Förderschüler, knapp über 70 Prozent, besucht den weiterführenden Schulbereich, die übrigen Schüler den Grundschulbereich.

Kein Platz für 112 Schüler

Für die Zukunft der heutigen Laurentiusschule reicht das nicht: Seit 1. August 2019 gilt eine neue Verordnung im Land Nordrhein-Westfalen mit einer Mindestschülerzahl von 112, bei Teilstandorten mindestens 56. Ab dem Schuljahr 2023/2024 seien die Vorgaben umzusetzen, sagt die Stadt Niederkassel und betont, „dass die Unterbringung von insgesamt 112 Schülern auf dem derzeitigen Gelände der Förderschule nicht möglich“ sei. Schon heute stoße die Schule, die im vergangenen Jahr komplett verkabelt und für die Digitalisierung vorbereitet worden sei, an ihre räumlichen Grenzen. Auch fehle sowohl ein ausreichender Außenbereich, auf dem sich manche der Förderschüler „austoben“ könnten, als auch eine zumindest kleine Sporthalle. Derzeit würden die Klassen zum Schulsport per Bus zur Realschule gefahren. Und auch an neue Flächen für eine Ganztagsbetreuung sei in den Räumen und auf dem kleinen Areal nicht zu denken.

Einer möglichen Kooperation mit der Gutenberg-Förderschule mit identischen Förderschwerpunkten hatte die Stadt Sankt Augustin noch im Jahr 2018 offen gegenübergestanden, allerdings Ende Januar 2019 die Einführung der Ganztagsbetreuung auch am Standort Laurentiusschule zur Bedingung gemacht. Auch die Option eines Teilstandorts mit Ganztagsangebot am Standort der Realschule Niederkassel hatte die Stadt nach ausführlicher Prüfung und externer Beratung verworfen. Verworfen wurden auch die Pläne eines Neubaus auf dem Gelände des Schulzentrums Nord oder auf einem zwischenzeitlich erworbenen Nachbargrundstück. Die Neubaupläne am Schulzentrum Nord ließen keinen Raum für eine Förderschule zu, und auch die angedachten Synergieeffekte bei der geplanten Mensa ließen sich, sagt die Stadt, „nicht verwirklichen.“

Privater Träger soll Problem lösen

Ein Neubau mit einem alleinigen Standort für die Förderschule komme aufgrund der aktuellen Schülerzahl nur dann in Betracht, wenn auch auswärtige Kinder beschult würden, was wiederum Fragen nach der Trägerschaft und der Kostenbeteiligung aufwerfe. Und aufgrund der Mindestschülerzahl habe die Stadt alleine auch keine Verpflichtung zum weiteren Betreiben der Förderschule, betont die Stadtverwaltung in einer Stellungnahme an den Stadtrat.

Der Rhein-Sieg-Kreis als subsidiärer Schulträger habe der Anfrage nach einer finanziellen Beteiligung für einen Neubau im Herbst 2020 eine deutliche Absage erteilt. Nun prüft die Stadt mit mehrheitlichem Beschluss des Hauptausschusses, das Förderangebot mit einem privaten Träger zu realisieren, da private Träger nicht an die Mindestgrößenverordnung des Landes gebunden seien.