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Vereine nennen ihre Wünsche für die neue Dreifachturnhalle

Diskussion über Hallenneubau in Niederkassel : Der Sport steht an erster Stelle

Die Vereine nennen ihre Wünsche und Anregungen zum Bau der neuen Dreifachturnhalle im Schulzentrum Nord in Niederkassel. Klar ist: Es wird keine Stadthalle

Bleiben Brauchtum und Kultur beim Neubau der Dreifachturnhalle am Schulzentrum-Nord auf der Strecke? Diesen Eindruck hatten zumindest viele Vereinsvertreter, denen die Neubaupläne nun vorgestellt wurden.

Die Ausrichtung der zukünftigen Nutzung hatten Stadt und Politik einst geklärt. Den Vereinen war dies offenkundig nicht in Gänze bewusst, bis der Ausschussvorsitzende Sebastian Koch (CDU) klarstellte: „Wir bauen eine Dreifachturnhalle für den Schulbetrieb für die Erweiterung des Schulzentrums Nord. In der zweiten Priorität erweitern wir die Kapazitäten für den Vereinssport. In der dritten Priorität ist der Wunsch, eine Halle hinzubekommen, die auch für Veranstaltungen nutzbar ist. Spätestens bei der Brauchtumsnutzung werden wir an den Punkt kommen, bei dem wir Abstriche werden machen müssen.“

Für das Schulzentrum Nord ist der Neubau mit Mensa, Foyer und Dreifachturnhalle eine wichtige Erweiterung. Im Dezember hatte die Arbeitsgemeinschaft der Architekten Fischer+Fischer und der hks|architekten GmbH ihre ersten Entwürfe vorgestellt und Fragen und Anregungen der Politik gesammelt. Über den Jahreswechsel sollten die Vereine die Entwürfe prüfen und nun ihre Ideen vortragen. Die Sportvereine befürchteten, Umkleiden und Duschen könnten für Wettkämpfe mit vielen Mannschaften zu klein geraten sein. Sie forderten einen Blendschutz vor Sonnenlicht, zugleich aber auch eine gleichmäßige und ausreichend helle Beleuchtung. Außerdem regten sie einen griffigen Sportboden, genug Lagerkapazitäten für Sportgeräte und Wlan an, um Ergebnisse sofort ins Internet stellen zu können.

Spürbar zurückhaltender war die Vorfreude auf die neue Halle bei den Brauchtums- und Kulturvereinen: Mit der Priorisierung, die Brauchtum und Kultur an letzter Stelle nenne und damit womöglich Abstriche bei der Ausstattung vorsehe, sei die Halle sowohl für große Konzerte als auch für Brauchtumsfestivitäten unattraktiv, so die Vereinsvertreter. Denn derzeit ist vorgesehen, dass die Halle vor Veranstaltungen mit Bodenschutzmatten ausgelegt und eine Bühne extra aufgebaut werden müsste.

Robert Neff vom Mandolinenorchester Niederkassel regte an, einen separaten Bereich mit fester Bühne einzuplanen, auf der man Auf- und Abbauten auch während der Sporthallennutzungen vorbereiten könnte. Beim schnellen Auf- und Abbau „scheitert es im Brauchtum meistens an der Manpower“, bestätigte Peter Oberhäuser, Vorstand der KG Rut-Wiess Ranzel. Er erhielt Zuspruch von Andre Neff, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft Karneval Blau-Gelb Niederkassel: Ohne richtige Bühne, die Zeit beim Auf- und Abbau spare, „halte ich dort nur wenige Veranstaltungen im Jahr für möglich. Dann könnte man sich das auch sparen.“

Mehr Besucher, breitere Fluchtwege

Während sich etwa weitere Zugänge zum Lagerbereich hinter der Bühne oder breitere Türen zur Halle im Bereich der Bühnenfläche leicht realisieren ließen, warnte Architekt Volker Fleck vor zu großen Ansprüchen: „Eine feste Bühne ist ein Kostenfaktor. So vergrößert sich das Volumen des Anbaus und das hätte Einflüsse auf die Kosten.“ Auch die Forderung nach mehr Besucherplätzen für Veranstaltungen würde alles deutlich teurer machen: Bei mehr als 800 Besuchern in der Halle zuzüglich 200 Besuchern auf der Tribüne müssten weitere und breitere Fluchtwege geschaffen und das Foyer vergrößert werden.

Auch Ramon Wiener, Vorsitzender des Ortsrings Niederkassel, und Gereon Busch, der für die KG Grün-Weiss Lülsdorf und die Lülsdorfer Junggesellen sprach, betonten, dass es in der Stadt an geeigneten, modernen Veranstaltungsflächen mangele. Auch für Privatfeiern wie Geburtstage und Hochzeiten gebe es keine Räumlichkeiten.

Bei den Erwartungen zog der Beigeordnete Carsten Walbröhl schließlich die Reißleine: Würde die Stadt die Halle gebührendeckend für Privatleute oder Vereine vermieten wollen, wären die Mietkosten derart hoch, dass niemand mehr die Halle miete. Daher sei und bleibe die Priorisierung am Bedarf orientiert: „Es ist eine Schulsporthalle, auch für den Vereinssport, auch für das Brauchtum. Wir planen hier keine Stadthalle.“