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Streit um Voreifelstrecke der S 23: Pendler: "Wir geben nicht Ruhe, bis sich etwas ändert"

Streit um Voreifelstrecke der S 23 : Pendler: "Wir geben nicht Ruhe, bis sich etwas ändert"

Die "Eifelpendler" setzen sich für verkürzte Fahrtzeiten und mehr Pünktlichkeit auf der Voreifelstrecke der S 23 ein.

Rund zwei Stunden und 15 Minuten benötigt Gaby Cremer jeden Morgen und jeden Abend, um von ihrem Zuhause in der Nähe von Blankenheim zu ihrer Arbeitsstätte in Bonn beziehungsweise wieder zurück zu gelangen. Mit dem Regionalexpress aus Richtung Gerolstein fährt die Gründerin der Interessengruppe "Eifelpendler" bis Euskirchen, um dort in die Voreifelbahn S 23 umzusteigen.

Doch gerade dieses Umsteigen ist ein Knackpunkt für Cremer, warum sie - schon ohne Verspätungen - bis zu 20 Minuten länger für ihren Weg zur Arbeit benötigt als vor dem Fahrplanwechsel im Dezember: Früher seien es drei Minuten Wartezeit gewesen, jetzt zehn bis 19 Minuten. Hinzu komme die verlängerte Fahrtzeit von drei bis fünf Minuten, seit die S 23 die vier neuen Halte Rheinbach-Römerkanal, Impekoven, Helmholtzstraße und Endenich-Nord ansteuere.

Mehr Sitzplätze gefordert

Dass die Umstiegszeit wieder auf drei Minuten gesenkt wird - und das nicht nur wie inzwischen bei drei Zügen morgens sondern grundsätzlich -, ist eine der Forderungen, die die "Eifelpendler" nebst mehr Pünktlichkeit und ausreichendem Sitzplatzangebot an die Bahn stellen. Ende November hat Cremer die Facebookgruppe gegründet.

Aus 16 Mitgliedern sind inzwischen 1742 geworden, die sich in dem sozialen Netzwerk rege darüber austauschen, ob Züge rund um Euskirchen, also auch auf der Voreifelbahn, Verspätung haben, ob die Bahn ihre Fahrgäste korrekt über die Verspätung informiert, ob die Klimaanlage funktioniert und das Sitzplatzangebot ausreicht. Allgemein war der Unmut über Verspätungen, Ausfälle und technische Aussetzer an den seit etwa einem Jahr eingesetzten Zügen vom Typ Coradia Lint in den vergangenen Monaten groß.

Was die Eifelpendler besonders ärgert: "Die Bahn versucht immer wieder, die Situation zu verharmlosen", sagt Gaby Cremer zum Beispiel mit Blick auf die Fünf-Minuten-Pünktlichkeitsstatistik der Bahn. So hat sich nach Angaben von DB Regio NRW die Pünktlichkeit der S 23 inzwischen verbessert. 2015 seien bis Ende April 96,8 Prozent der Fahrten pünktlich gewesen. Allerdings gilt bei der Bahn ein Zug erst dann als verspätet, wenn er länger als fünf Minuten und 59 Sekunden - also fast sechs Minuten - auf sich warten lässt.

Die "Eifelpendler" werten derweil auch Züge als verspätet, die mehr als vier Minuten und 59 Sekunden hinter der Zeit sind. Laut der Gruppe liegen etwa 45 Prozent der Verspätungen im strittigen Bereich zwischen glatt fünf und fast sechs Minuten. Durchschnittlich 280 Minuten Verspätung je Woche haben die "Eifelpendler" auf der Voreifelstrecke seit der Fahrplanumstellung dokumentiert. Jede Woche seien im Schnitt 37,3 Züge verspätet, 5,9 Züge fielen aus. "Viele Pendler sind schon aufs Auto umgestiegen, das ist eine Entwicklung, die es aufzuhalten gilt", findet Cremer mit Blick auf den Umweltschutz.

Der sei neben höheren Kosten fürs Autofahren und gesundheitlichen Gründen auch ein Punkt, warum sie der Bahn treu bleibe. Ein schwacher Trost für Nutzer der Voreifelbahn: Die Unpünktlichkeit auf der Strecke von Euskirchen in Richtung Köln sei noch höher, sagt Cremer. Darum ging es jetzt auch bei einem Treffen der "Eifelpendler"-Gründerin in Euskirchen mit den Grünen-Politikern Oliver Krischer, Mitglied des Bundestags, Andreas Wolter, Bürgermeister der Stadt Köln, und Hans-Werner Ignatowitz von den Euskirchener Grünen, der zugleich die Bezirksgruppe Euskirchen des Fahrgastverbands Pro Bahn vertrat. Dabei kam das Gespräch auch auf die erhoffte Elektrifizierung der Voreifelstrecke. Die fordern auch die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis, damit der Betrieb auf Dauer zuverlässiger wird, zumal Elektrotriebwagen beispielsweise besser beschleunigen können als Dieselfahrzeuge.

Kreis und Bonn wollen Studie

Wie berichtet, haben die Verkehrs- und Planungsausschüsse von Bonn und Kreis auf Antrag von CDU, Grünen und FDP einen einstimmigen Beschluss gefasst, dass sämtliche Mängel auf der Voreifelbahn umgehend behoben werden sollen. Bonn und Kreis fordern vom Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) eine Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung. Auch eine "gemeinsame Erklärung" aller Fraktionen im Zweckverband NVR von Januar zielt darauf, die Elektrifizierung mittelfristig voranzutreiben. Laut NVR-Sprecher Holger Klein entscheidet die NVR-Zweckverbandsversammlung Mitte Juni darüber, ob eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden soll. Diese müsste europaweit ausgeschrieben werden und vom NVR sowie der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis finanziert werden. Die Kosten für eine solche Studie liegen nach Schätzungen im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Die "Eifelpendler" wünschen sich als kurzfristige Lösung in den Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags einen Schnellzug, der nicht alle Halte auf der Strecke Euskirchen-Bonn bedient. Dann könnten sich die Fernpendler aus der Eifel über eine kürzere Fahrtzeit freuen, die Fahrgäste an den neuen Haltestellen in Bonn und im Kreis müssten im Umkehrschluss aber auf eine Verbindung verzichten. Ob Schnellzug oder eine andere Lösung, für Cremer steht jedenfalls fest: "Wir werden nicht eher Ruhe geben, ehe sich wirklich etwas ändert."