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Programm in Hennef und Troisdorf: Aktionstage gegen Gewalt an Frauen

Programm in Hennef und Troisdorf : Aktionstage gegen Gewalt an Frauen

Als Zeichen gegen Gewalt an Frauen stellen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises orangefarbene Bänke auf. Anlass ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November. In Troisdorf starten die Aktionstage schon am Dienstag, 16. November.

Gewalt ist die häufigste Todesursache bei Frauen im Alter zwischen 16 und 44 Jahren, ergab eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2004. Vielerorts wird von einer Steigerung der häuslichen Gewalt seit Beginn der Pandemie und den einhergehenden Lockdown-Maßnahmen gesprochen. Bereits zum 40. Mal soll der 25. November weltweit als „Orange Day“ auf Gewalt an Frauen aufmerksam machen. Institutionen und Kommunen auch im Rhein-Sieg-Kreis wollen dazu klare Zeichen setzen.

So wird in jeder der 19 Kommunen mindestens eine orangefarbene Bank aufgestellt. Die Vereinten Nationen haben Orange als Signalfarbe ausgewählt. Die Idee, dauerhaft Bänke zu installieren, stammt aus Italien. Organisiert wird die Aktion vom Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten und dem Netzwerk „Runder Tisch gegen häusliche Gewalt“, an dem unter anderem Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser, Jugendämter, die Polizei sowie einige Wohlfahrtsverbände und viele weitere Institutionen zum Schutz der von Gewalt Betroffenen eng zusammenarbeiten.

19 orangefarbene Bänke

Doch: „Junge Frauen mit Gewalterfahrung suchen sich überwiegend Hilfe im Freundeskreis, nicht bei Eltern oder gar Beratungsstellen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Rhein-Sieg-Kreises, Brigitta Lindemann. „So spielt die Schule eine wichtige Rolle: Lehrkräfte, die signalisieren, dass Gewalt nicht geduldet wird, beeinflussen das Verhalten auch außerhalb der Schule.“ Jugendliche mit stärkerer Bindung an ihre Schule hätten so ein geringeres Risiko, gewalttätig zu werden. Und Opfer hätten eine größere Chance, Unterstützung zu finden.

In Hennef haben Schülerinnen und Schüler des Carl-Reuther-Berufskollegs in den Schulbereichen Metall-, Holz- und Gestaltungstechnik 16 der orangefarbenen Bänke für den Kreis geplant und hergestellt. Eine finanzielle Förderung durch die Kreissparkasse unterstützte die Jugendlichen bei der Aktion. Die übrigen drei Bänke bauten oder sanierten die Kommunen selbst.

Dunkelziffer wahrscheinlich sehr hoch

In Troisdorf haben sich viele Einrichtungen zum ersten Mal zusammengeschlossen, um Aktionstage zu planen, die bereits am Dienstag, 16. November, beginnen. Auch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Petra Römer-Westarp, geht von einem Anstieg der Gewalt durch die Lockdowns aus: „Einerseits konnten sich Frauen im Lockdown nicht richtig bemerkbar machen, da ihre Männer immer in der Wohnung anwesend waren.“ Andererseits sei es für manche Menschen problematisch, lange Zeit auf engem Raum zusammen ausharren zu müssen. Dies könne Konflikte fördern.

Noch gebe es keine Zahlen, um die Vermutungen der Beratungsstellen zu belegen. Die Daten für das Jahr 2020 kämen erst kurz vor dem 25. November, so Römer-Westarp. „Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist“, gibt sie zu bedenken. Schon allein deshalb ist es in diesem Jahr besonders wichtig, zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen auf die Gefahren hinzuweisen, sich klar zu positionieren und Hilfsangebote aufzuzeigen. Hinzu komme laut Römer-Westarp das 40-jährige Bestehen des Gedenktags, das man entsprechend mit größeren Plänen würdige.

Filmvorführung mit Beratungsgesprächen

Am Dienstag, 16. November, geht das Programm der Aktionstage in Troisdorf los mit einer Siebdruckwerkstatt der Beratungsstelle „Check it“. Im Jugendzentrum „Q“ können von 17.30 bis 20.30 Uhr T-Shirts, Jutebeutel und andere Textilien mit dem Logo der Troisdorfer Aktionstage bedruckt werden. Menschen jeden Alters dürfen ohne Anmeldung und kostenfrei teilnehmen, Textilien zum Bedrucken müssen selbst mitgebracht werden.

Der Kinofilm „Die Unbeugsamen“ wird am Donnerstag, 18. November, um 18.30 Uhr im Cineplex Troisdorf gezeigt. Der Film ist ab zwölf, Karten sind an der Kinokasse für 3,50 Euro und online für sieben Euro erhältlich. Die Dokumentation widmet sich dem Thema Sexualität im Bundestag, das Gesundheitsamt und die Beratungsstelle Check it geben eine interaktive Einleitung und stehen auch nach dem Film für Gespräche im Foyer bereit. Dort werden zusätzlich Informationsstände der Beratungsstellen Pro Familia und Frauenzentrum Troisdorf aufgebaut.

Schulung für Jugendliche

Am Freitag, 19. November, 16 Uhr, bietet das Frauenzentrum im Jugendzentrum Bauhaus einen Workshop zum Thema K.o.-Tropfen an. Dort findet auch am Samstag, 20. November, von 12 bis 17 Uhr ein Fotografie-Workshop zum Thema „Gemeinsam Haltung zeigen“ statt. Aus menschlichen Körpern soll dabei eine „Stopp“ signalisierende Hand gebildet werden, die anschließend fotografiert wird, kündigt das Kinder- und Jugendzentrum der Stadt Troisdorf „TK3“ an.

Eine Info-Veranstaltung für Interessierte und pädagogische Fachkräfte stellt am Montag, 22. November, ab 17 Uhr, im Mehrgenerationenhaus das Projekt „Champs“ vor, in dem Jugendliche geschult werden, Wissen um Gleichberechtigung und Gewaltprävention selbst an Gleichaltrige weiterzugeben. Am Mittwoch, 24. November, wird die orangefarbene Bank der Stadt um 11 Uhr auf dem Rathausvorplatz aufgestellt. Der Verein „Frauen helfen Frauen“ organisiert am Donnerstag, 25. November, von 11 bis 18 Uhr einen Informationstag zum Umzug des Frauen- und Kinderschutzhauses Troisdorf, Anmeldung unter
info@frauenhelfenfrauenev.de.

Wanderausstellung in der Stadtbibliothek

Zum Höhepunkt der Aktionstage werden am 25. November nach Bonner Vorbild etliche Gebäude in Troisdorf orange angeleuchtet. Unter „#orangetroisdorf“ melden sich immer mehr Institutionen an, die teilnehmen: „Auch die albanische Moschee und die Johanneskirche sind bereits dabei“, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte Römer-Westarp. Um 17 Uhr können sich Flaneure an der orangefarbenen Bank vor dem Rathaus einfinden, um einen gemeinsamen Spaziergang durch die beleuchtete Stadt zu unternehmen.

Während der Aktionstage ist in der Stadtbibliothek Troisdorf-Mitte die Ausstellung „Wir schweigen nicht“ der Beratungsstelle Hennamond zu sehen, deren Ausstellungsstücke sich mit Genitalbeschneidung, Zwangsheirat und Ehrenmord auseinandersetzen. Fast alle Veranstaltungen im Rahmen der Aktionstage sind kostenfrei und ohne Anmeldung möglich. Es gelten die gängigen Hygieneregeln.