1. Region
  2. Sieg & Rhein

Länderübergreifender Einsatz für gefährdete Falter-Population: Rettung eines Sozialparasiten

Länderübergreifender Einsatz für gefährdete Falter-Population : Rettung eines Sozialparasiten

Intensive Bewirtschaftung, der Einsatz von Pestiziden und auch zur frühe Mahden haben dem Wiesenknopf-Ameisenbläuling zugesetzt. In einem länderübergreifenden Projekt sollen die gefährdete Populationen des Falters gestärkt werden.

Nett ist er nicht, der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, denn er ist ein „Sozialparasit“. Trotzdem muss er geschützt werden, denn er ist vom Aussterben bedroht. Wie bei allen anderen Insekten auch, leidet sein Bestand an der intensiven Bewirtschaftung, am Einsatz von Pestiziden und zu frühen und häufigen Mahden. Denn die Falterart, die es in dunkler und heller Ausführung gibt, geht mit ihrer Wirtspflanze, dem Großen Wiesenknopf, und der Trockenrasenknoten-Ameise eine einzigartige Symbiose ein. Wie schon ihr Name sagt, brauchen die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge in ihrer bis zu zweijährigen Entwicklungsphase die eher unscheinbaren Blüten der Pflanze, die sich bei einer zu frühen Mahd nicht ausbilden können. Noch vor dem Erblühen legt das Weibchen seine Eier ab, aus denen sich in der Blütenfarbe purpurrote Raupen entwickeln.

Diese wiederum fressen sich bis zum Herbst durch die Wirtspflanze und lassen sich dann auf den Boden fallen. Durch Pheromone getarnt, werden sie von den dort lebenden Ameisen für eigene Larven gehalten und ins Nest getragen, wie Edda Nebel erklärt. Die Projektleiterin der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz erzählt, wie die Ameisen die Raupen durch den Winter füttern, während diese sich parasitär von der Ameisenbrut ernähren. Ihre Verpuppung erfolgt im späten Frühjahr oder auch erst im darauffolgenden Jahr, falls die Raupe noch nicht kräftig genug ist. „Zwischen Mitte Juni und Mitte August fliegen die Bläulinge nur bis zu zehn Tagen, um wiederum für Nachwuchs zu sorgen“, sagt Nebel mit Blick auf die Wirtspflanze, die sich nur auf wenigen Wiesen an der Sieg und im Böschungsbereich der B 8 zwischen Hennef und dem rheinland-pfälzischen Kircheib befindet.

Fördermittel finanzieren Pflanzungen

Da die Natur diese Grenze nicht kennt, haben sich auch die rheinland-pfälzische Stiftung und die NRW-Stiftung zusammengetan, um erstmals ein länderübergreifendes Projekt zum Erhalt des Wiesenknopf-Ameisenbläulings zu starten. So trafen sich im rheinland-pfälzischen Griesenbach deren Vertreter sowie die des Asbacher Naturschutz-Arbeitskreises ANUAL und der Biologischen Station Rhein-Sieg zu einer symbolischen Pflanzaktion. Auf einer vom ANUAL betreuten Wiese setzten sie die in der Biostation gezogenen Pflanzen des Großen Wiesenknopfs. Bei dem im März 2020 gestarteten Projekt, an dem auch die Landkreise Ahrweiler, Altenkirchen, Neuwied und Westerwald beteiligt sind, werden mit Hilfe von Landesmitteln und EU-Fördermitteln Flächen von Naturschutzverbänden oder von Landwirten bis 2023 systematisch bepflanzt.

„Wir freuen uns, dass wir länderübergreifend die Maßnahmen aufeinander abstimmen können“, sagt Jochen Krebühl von der rheinland-pfälzischen Stiftung. „Wir unterstützen das Projekt mit 400 000 Euro“, betont Karl-Heinz Erdmann von der NRW-Stiftung und begründet das mit dem dramatischen Rückgang der Schmetterlingsarten. 60 seien bereits ausgestorben, 494 vom Aussterben bedroht oder gefährdet.

„Um die Populationen an der Sieg und im Westerwald zu verbinden, legen wir kleine Trittstein-Biotope an“, sagt Dieter Steinwarz, Leiter der Bio-Station in Eitorf. Die hatte im vergangenen Jahr Flächen im Kreis erworben, auf denen Steffen Steenken ein Monitoring betreibt. Auf rheinland-pfälzischer Seite konnten laut Nebel 19,4 Hektar in die Bewirtschaftung übernommen werden. Sie freute sich besonders über die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten, die trotz Bedenken mitmachen und ihre Wiesen zur Verfügung stellen.