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Rhein-Sieg-Kreis: Coronavirus sorgt für eine Flut an Absagen

Coronavirus im Rhein-Sieg-Kreis : Virus sorgt für eine Flut an Veranstaltungsabsagen

Die Folgen der Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit sind immer mehr im Rhein-Sieg-Kreis zu spüren. Gegenwärtig sind 111 Menschen in Quarantäne, vor dem Discounter muss Schlange stehen, wer Desinfektionsmittel kaufen will. Und immer mehr Veranstaltungen in der Region fallen aus.

Die Furcht vor der Ausbreitung des grassierenden Coronavirus sorgte auch am Montag für eine Flut an Absagen in der Region. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfohlen hat, wegen der Ausbreitung der Lungenkrankheit alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen, will sich der Rhein-Sieg-Kreis dem anschließen. „Wir empfehlen, von Großveranstaltungen abzusehen und sie abzusagen“, sagte Landrat Sebastian Schuster.

Aber auch viele Veranstaltungen, die deutlich unter der Spahns Vorgabe liegen, fallen aus – darunter drei Preisträgerkonzerte von „Jugend musiziert“ in Sankt Augustin, Siegburg und Rheinbach, ein Konzert des WDR Sinfonieorchesters in der Reihe „Dackl trifft Beethoven“ in der Nikolaus-Grundschule in Bornheim-Waldorf oder das Gesprächscafé der ökumenischen Hospizgruppe Rheinbach-Meckenheim-Swisttal. Grund: Im Altenzentrum am Römerkanal in Rheinbach dürfen bis auf Weiteres keine Gesprächcafés stattfinden.

Besonderes von Absagen betroffen ist die Hotellerie: Wie Katharina Pfannkuch vom Waldhotel Rheinbach auf GA-Anfrage erklärt, sind in den vergangenen Tagen 50 Prozent aller Tagungen im Hotel storniert worden. Familienfeiern und Festivitäten fänden zwar statt, aber oft „mit stark reduzierter Teilnehmerzahl“. Rückläufig ist die Zahl der Übernachtungen. Viele Mitarbeiter bauten nun Resturlaub ab. „Wir können unser Personal aber nicht unbegrenzt in den Urlaub schicken“, so Pfannkuch. Eine „vernünftige Lösung“ müsse jetzt mit den jeweiligen Veranstaltern bezüglich der entstandenen Kosten – trotz Absage – gefunden werden. „Wir können nicht alle Veranstaltungen kostenfrei rausnehmen.“

Für die Meckenheimer Jungholzhalle, die von maximal 800 Menschen frequentiert werden darf, müssten die Stornokosten „im Einzelfall geprüft“ werden, wie Stadtsprecherin Marion Lübbehüsen sagte. „Unsere Statuten geben eine Staffelung vor“, so Lübbehüsen. Sollten Veranstaltungen auf behördliche Anordnung abgesagt werden, sei dies ein Akt von „höherer Gewalt“. In dem Fall würden für die Veranstalter keine Stornokosten entstehen.

Die Stadt Siegburg reagierte auf den ersten Corona-Fall in der Kreisstadt mit der Absage des für Samstag geplanten Stadtputztages. In den vergangenen Jahren hatten sich bis zu 2000 Siegburger beteiligt. Der Tag soll aber nachgeholt werden. Das gilt ebenso für die Siegburger Suppen-Sause, die am Sonntag, 22. März, stattfinden sollte, wie Sandra Owoc, Initiatorin des Benefizevents, mitteilte. Auch der für Montagabend angesetzte Planungsausschuss im Rathaus wurde abgesetzt. „Wir haben für die nächsten zwei Wochen alle geplanten Bürgerinformationen und Angebote im Seniorenprogramm gestrichen“, sagte Bürgermeister Franz Huhn auf Anfrage. „Ich schlage dem Ältestenrat vor, auf die in den kommenden Wochen anstehenden Sitzungen zu verzichten.“ Wichtige Entscheidungen könnten allerdings über Dringlichkeitsentscheidungen auf den Weg gebracht werden.

„Allen, die mich fragen, rate ich von Veranstaltungen ab“, sagte Huhn. Die Verantwortung liege aber bei den jeweiligen Veranstaltern, sagte er mit Blick auf die Rhein-Sieg-Halle. Bei ausverkauftem Haus können dort bis zu 2800 Menschen zusammenkommen. Die Stadt könne aber nur Empfehlungen aussprechen.

Auch im Siebengebirge hat das Coronavirus deutliche Spuren im Veranstaltungskalender hinterlassen. Am Wochenende sagte die Musikschule der Stadt Königswinter zwei Ballettaufführungen in Oberpleis ab. „Normalerweise kommen pro Aufführung rund 500 Besucher“, sagte Leiterin Sophie Berke. Die Eintrittskarten könnten zurückgegeben werden. Der Kaufpreis werde erstattet. Wer für bereits entstandene Kosten aufkommt, sei noch unklar: „Möglicherweise gibt es ja einen Ersatztermin für die Aufführungen.“

Bis zu 600 Gäste hätten das Forum Ehrenamt und die Stadt Königswinter beim Ehrenamtstag am Samstag, 14. März, in der Oberpleiser Aula erwartet. Alle zwei Jahre tauschen sich dort Ehrenamtliche über Projekte aus, der Bürgermeister verleiht eine Auszeichnung für „Drachenstarkes Ehrenamt“. „Die Vorbereitungen haben vor rund einem Jahr begonnen“, so Jochen Beuckers vom Forum Ehrenamt. Sicher sei, dass es in diesem Jahr keinen Ersatztermin gibt. Mit Blick auf die entstandenen Unkosten bleibe der städtische Zuschuss bestehen. „Und die Kosten für den Tag selbst entfallen ja.“

Abgesagt ist die Jubiläumsparty, die das Gymnasium am Oelberg am 21. März anlässlich seines 50-jährigen Bestehens mit Schülern, Lehrern und Ehemaligen feiern will. Bereits jetzt gibt es eine Absage für den April: Der Stadtsportbund Königswinter teilte mit, die Sportlerehrung am 23. April sowie alle Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen seien abgesagt. Am 3. September soll die Ehrung nachgeholt werden.