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Rhein-Sieg-Kreis: Digitalisierung von Schulen läuft nur schleppend an

Kommunen fordern mehr Unterstützung : Digitalisierung von Schulen im Rhein-Sieg-Kreis läuft schleppend

Für guten Distanzunterricht braucht es auch gute technische Voraussetzungen. Die vom Land geförderten Geräte kommen aber nur schleppend an, der Ausbau des schnellen Internets stockt. Und die Städte sehen Probleme bei Personal, Folgekosten und Datenschutz.

Die Digitalisierung der Schulen ist nicht erst seit der Corona-Pandemie ein Thema. Aber durch das Homeschooling hat sie eine ganz neue Brisanz gewonnen. Und im seit Montag wieder auferlegten Distanzunterricht zeigt sich deutlich, wo in den Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises der Schuh drückt: Es ist an vielen Stellen noch viel Luft nach oben. Daher fordern die Kommunen mehr Unterstützung durch das Land.

„Die Schulen in Sankt Augustin sind gut auf den Distanzunterricht vorbereitet“, sagt Stadtsprecherin Carolin Trost. Die Monate zwischen den Lockdowns seien genutzt worden, um Lösungen zu finden. Aktuell stehen den Sankt Augustiner Schülern 225 iPads zur Verfügung. Weitere 830 Geräte hat die Stadt aus Mitteln des Sofortausstattungsprogramms bestellt. Zudem gibt es 484 mobile Endgeräte für Lehrer, weitere 36 sind bestellt. „Ein Problem ist, dass nicht alle Schüler und Lehrkräfte über ein mobiles Endgerät verfügen“, sagt Trost. Zudem fehle es in vielen Haushalten an einem ausreichenden WLAN-Zugang – oder einem ruhigen Platz zum Lernen. Fehlende Leistungsgeschwindigkeit führe zu Problemen bei Videokonferenzen.

Daher drängt die Stadt Sankt Augustin darauf, dass die Telekommunikations-Infrastruktur entsprechend der Vorgaben des Gigabit-Masterplans von 2017 verbessert wird. Trost nennt einen weiteren Kritikpunkt: „Das Land hat zwar die Finanzmittel für die Beschaffung von Endgeräten bereitgestellt, es fehlt aber nach wie vor die Aussage zur Finanzierung der Folgekosten sowie die Unterstützung bei den Personalkosten, die zwangsläufig für Beschaffung, Support und ähnliches anfallen.“

2500 ihrer 4500 Schülern stellt die Stadt Siegburg ein iPad

Das Land sieht auch Siegburgs Co-Dezernent Bernd Lehmann in der Pflicht, wenn es darum geht, Lehrer auf die Herausforderungen des Lernens auf Distanz vorzubereiten. „Ich denke da an Lehrpläne und Fortbildungen“, sagt er. Grundsätzlich ist die Kreisstadt mit Blick auf die Digitalisierung ihrer Schulen gut aufgestellt. Seit Ende 2020 hat etwa jeder Schüler der Gesamt­schule ein iPad. Insgesamt sind 2500 der insgesamt 4500 Siegburger Schüler mit einem iPad ausgestattet. „Der Schwerpunkt liegt an den weiterführenden Schulen“, so Lehmann. Den Grundschulen stünden jeweils 30 bis 60 Tablets zur Verfügung. „Weitere 400 Geräte sind aktuell im Zulauf“, sagt Lehmann. Sie würden dort eingesetzt, wo konkreter Bedarf bestehe.

„Wir haben uns sehr früh für das Thema iPads entschieden“, sagt Lehmann. Das sehe das vor ein paar Jahren entwickelte Gesamtkonzept vor. Für die Lehrer, die über Landesmittel alle mit einem iPad ausgestattet sind, habe die Stadt 2020 zwei Workshopreihen angeboten, um ihnen den Umgang mit den Geräten zu vermitteln. Alle Schulen seien ans WLAN angeschlossen. An den weiterführenden Schulen habe die Stadt selbst Glasfaser verlegen lassen. „Das Problem ist eher, dass vielen zu Hause WLAN fehlt.“

Hennef fordert klare Vorgaben zum Datenschutz

Den Umständen entsprechend gut läuft der Distanzunterricht an den Hennefer Schulen, wie Stadtsprecherin Mira Steffan mitteilt. Diese nutzten unterschiedliche Dienste für die digitalen Schulstunden. „Es gibt 520 Tablets in schulischen Gerätepools, 22 in einer Tablet-Klasse, und in Kürze erwarten wir weitere 601 im Rahmen der Bundesförderung für Endgeräte für bedürftige Schüler“, sagt Steffan. Zudem seien über Landesmittel 524 mobile Endgeräte für Lehrer beschafft worden. Einige seien erst jetzt geliefert worden, was den Start des digitalen Unterrichts erschwert habe. Die Stadt Hennef sieht Probleme überall dort, wo es in den Familien an technischer Ausstattung oder einem ausreichenden Netz fehlt. Vom Land NRW wünscht sie sich etwa klare Vorgaben zum Datenschutz, mehr praktische und konzeptionelle Anleitung, frühzeitigere Informationen sowie als Schulträger vor allem Beteiligung für den Support der Geräte und weniger Bürokratie bei den Fördermaßnahmen.

„Die Schulen machen das Beste aus der schwierigen Situation“, sagt Niederkassels Stadtsprecher Markus Thüren. Das beinhalte analoge wie digitale Angebote. „Da der Medienentwicklungsplan der Stadt langfristig ausgelegt ist, sind noch nicht alle Schulen in gleichem Umfang mit Endgeräten ausgestattet“, sagt Thüren. Insbesondere Grundschulen litten unter dem aktuellen Lieferstau. An den weiterführenden Schulen gebe es derzeit 170 Notebooks für Kinder aus sozial schwachen Familien. „Weitere 130 iPads für die Grundschulen sind bestellt“, so Thüren. Probleme sieht die Stadt beim Support, da momentan eine persönliche Hilfestellung für die Familien nicht möglich sei. „Das Land müsste nicht nur Geräte und Infrastruktur, sondern auch Personal zur Unterstützung der Kommunen und Schulen fördern und stellen“, sagt Thüren. Viele Familien seien mit der Digitalisierung schlicht überfordert. Da sei der Gesetzgeber gefordert.

Land soll Ausbau schnellen Internets massiv vorantreiben

Grundsätzlich gut gestartet sind auch die Grundschulen in Bad Honnef. „Sie passen dort an, wo es nötig ist“, sagt Stadtsprecherin Christine Pfalz. 130 iPads stünden in den Grundschulen zur Verfügung. Zusätzlich seien im Sommer über das Sofortprogramm des Landes 120 Notebooks zur Weitergabe an bedürftige Schüler beschafft worden. Davon habe die Stadt 70 ausgehändigt und damit den Bedarf gedeckt. Neue Hardware gab es für das städtische Siebengebirgsgymnasium. Problematisch sieht der Fachdienst Schule die Stabilität und Schnelligkeit der Internetverbindungen. Laut Stadt sind inzwischen zwar Glasfaserleitungen an allen Schulen verlegt, diese würden aber erst nach und nach durch die Telekom freigeschaltet. „Das Land sollte den Ausbau des schnellen Internets massiv vorantreiben“, fordern die Verantwortlichen in Bad Honnef. Zudem wünschen sie sich jemanden an den Schulen, der sich nur um das Thema Digitalisierung kümmert, „damit Lehrer das nicht nebenbei leisten müssen“.