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Rhein-Sieg-Kreis: Noch keine Corona-Impfung für chronisch Kranke

Inzidenz über 100 : Noch keine Impfung für chronisch Kranke im Rhein-Sieg-Kreis

Der Rhein-Sieg-Kreis hat für die Risikogruppe keine Kapazitäten. 500 freie Termine gibt es dagegen für Ü-80-Jährige. Unterdessen bereiten die Arztpraxen Impfungen ab April vor.

Der Inzidenzwert im Rhein-Sieg-Kreis liegt wieder über der 100er-Marke. Sollte sie drei Tage lang weiter hoch bleiben, greift die Notbremse. Da bei der Bewertung nur Werktage zählen, muss der Inzidenzwert also bis Dienstag in diesem kritischen Bereich bleiben, damit der Kreis entsprechende Maßnahmen umsetzen muss. Was das konkret bedeutet, konnten Landrat Schuster, Gesundheitsdezernent Dieter Schmitz und der Leiter der Covid-Fachstelle, Ralf Thomas, am Freitagmittag nicht detailliert darlegen. Die entsprechende Schutzverordnung des Landes war erst 20 Minuten vor der Pressekonferenz eingegangen.

Indes habe der Landrat schon mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der 19 Kommunen im Kreis verabredet, dass mögliche Maßnahmen bis Dienstagmorgen geprüft werden sollen, so Schuster. „Laut Urteil des Oberverwaltungsgerichts müssen wir uns die Lage kommunenscharf anschauen. Ich kann keine kreisweite Verfügung erlassen, wenn in einzelnen Gemeinden oder Städten die Werte extrem niedrig sind“, so Schuster. „Eine nächtliche Ausgangssperre in ländlichen Gebieten macht doch überhaupt keinen Sinn. Das kann ich nicht mit den innerstädtischen Strukturen einer Stadt Siegburg oder Troisdorf vergleichen.“

 Etwas verwirrend: Laut der Coronaschutzverordnung in NRW müssen kreisfreie Städte und Landkreise mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 unter anderem Einzelhandel, Sportstätten und Kultureinrichtungen schließen. Aber: Wenn in dem betroffenen Landkreis oder der Stadt eine ausreichende Testinfrastruktur besteht, kann es Ausnahmen für Menschen mit tagesaktuellem negativem Schnell- oder Selbsttest geben. Schuster: „Da wir im Kreis 142 Bürgertestzentren haben, gehe ich davon aus, dass die Menschen, die einen tagesaktuellen Testbescheid vorweisen können, von den entsprechenden Angeboten weiterhin Gebrauch machen können.“ Die starken Einschränkungen gölten dort, wo keine ausreichenden Testangebote vorhanden seien. Der Kreis werde das aber übers Wochenende genau prüfen. Für Montag erwarte er neue Vorgaben des Landes.

Mutanten: Weiterhin ansteigend ist der Anteil der Virusmutanten. B.1.1.7. macht zurzeit einen Anteil von 56, 4 Prozent aus. Die südafrikanische Mutante ist nach den bereits 14 nachgewiesenen Fällen nicht noch einmal aufgetaucht. Erstmals konnte die gefährliche brasilianische Mutante in einem Fall typisiert werden. Besondere Hotspots gibt es der Kreisbehörde zufolge nicht.

Ausbrüche in Schulen und Kitas:Auffallend ist dagegen die Zahl der Ausbrüche. Von 69 Ausbrüchen insgesamt im Kreisgebiet sind 43 auf Schulen und Kitas zurückzuführen. Das Virus werde dann in die Familien weitergetragen. Nach wie vor gelte Schuster zufolge, dass die hohe Zahl der Ausbrüche und Infektionen nichts mit der steigenden Intensität der Schnelltest zu tun hat. Der Anteil der positiven Befunde aus den Schnelltests macht insgesamt lediglich 0,36 bis 0,54 Prozent der täglichen Coronameldungen aus. Beispiel: Am Donnerstag waren von 1663 Tests sechs positiv.

Impfkapazitäten: Die Sonderimpfungen der besonderen Berufsgruppen geht unterdessen weiter. Die Empfehlung der Landesregierung, dabei unbürokratisch auch chronisch Kranke zu impfen, habe im Rhein-Sieg-Kreis bislang nicht gegriffen, weil dies nur bei freien Kapazitäten möglich sei, sagte Ralf Thomas. Und diese habe es nicht gegeben. Tatsächlich werde das Gesundheitsamt „mit Anfragen überschwemmt“, hieß es.

Erhebliche freie Kapazitäten von 500 bis 600 Impfungen gibt es dagegen für Ü-80-Jährige am Karfreitag. Kreissprecherin Rita Lorenz rief dazu auf, rasch über das zentrale Portal der Kassenärztlichen Vereinigung (www.116117.de) Termine zu buchen, anderenfalls könnten für die kommende Woche nicht so viele Impfdosen bestellt werden.

Arztpraxen: Unterdessen laufen die Vorbereitungen zu den Impfungen in den Hausarztpraxen, die ab 18. April möglich sein sollen, auf Hochtouren. Jacqueline Hiepler, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rhein-Sieg und Hausärztin in Hennef, sagte auf Anfrage, dass die Apotheken dann 20 bis 30 Impfdosen an jene Hausärzte ausliefern werden, die sich mit ihren Praxen registrieren und an das digitale Netzwerk der Kassenärztlichen Vereinigung anschließen. Die Ärzte müssen dann die betroffenen Patienten registrieren und dabei die Auswahl der Patienten begründen. Dort werde auch hinterlegt, welcher Impfstoff zur Anwendung kam. „Das System ist so ausgelegt, dass keine Willkür möglich ist“, sagte Hiepler, die auch die Impfungen der betroffenen Berufsgruppen über die dezentralen Impfstraßen im Kreis koordiniert.

Die Terminvergabe erfolgt bei den Berufsgruppen im Übrigen nicht über den Wohn-, sondern den Arbeitsort. Lehrer*innen, Erzieher*innen oder Physiotherapeuten*innen sind in der jeweiligen Kommune erfasst und bekommen von dieser auch das Impfangebot. „Wir Ärzte sind ausführendes Organ“, sagt Hiepler, die die Praxen mit den Impfstraßen organisiert. Wenn Impfdosen in einer Kommune übrigbleiben, werden die über die örtlichen Ordnungsämter dorthin gebracht, wo sie fehlen: „Ich hatte in Hennef elf Impfdosen übrig, die sind dann in eine Kita in Bornheim gebracht worden.“

Nächste Impfgruppe: Und so geht es ab dem 6. April mit der Impfstrategie weiter: Anders als bei der ersten „Impfgruppe“ erfolgt der Aufruf zur Impfung diesmal jahrgangsweise, das heißt, im ersten Schritt sind zunächst die 79-Jährigen dran. Anschließend folgen sukzessive die weiteren Jahrgänge. So soll es nicht zur Überlastung der Leitungen kommen. Wer eine Benachrichtigung erhalten hat, kann dann unter www.116117.de oder telefonisch unter 0800/11611701 einen Termin vereinbaren. Auch bei der nächsten Impfstufe wird der Kreis die vom Land eröffnete Möglichkeit der Impfung von Personen mit Vorerkrankungen nicht anbieten können.