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„Die Natur geht vor“: Rhein-Sieg-Kreis startet Kampagne für Naturschutz

„Die Natur geht vor“ : Rhein-Sieg-Kreis startet Kampagne für Naturschutz

Immer mehr Menschen zieht es in die Naturschutzgebiete des Rhein-Sieg-Kreises. Aber nicht alle halten sich an die dort geltenden Regeln. Das schadet Tieren und Pflanzen. Deswegen wird der Kreis auf verschiedenen Ebenen aktiv.

Ob weiträumige Auenlandschaften entlang der Sieg, verschiedene Vegetationen im Siebengebirge oder die artenreiche Wahner Heide – die Naturschutzgebiete im Rhein-Sieg-Kreis bieten eine ökologische und landschaftliche Vielfalt. Und sie ziehen seit Beginn der Corona-Pandemie immer mehr Besucher an. Das hat zunehmend negative Folgen für die schützenswerten Lebensräume. Deswegen hat der Rhein-Sieg-Kreis unter dem Titel „Natur geht vor“ eine umfassende Kampagne gestartet, um aufzuzeigen, welche Auswirkungen falsches Verhalten in der Natur auf diese haben kann.

„Es gibt im Rhein-Sieg-Kreis 118 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 17000 Hektar“, sagt Landrat Sebastian Schuster. Das entspreche fast 15 Prozent des gesamten Kreisgebiets. Um Fauna und Flora dieser Schutzgebiete zu bewahren, gelten in ihnen klare Regeln. „An diese Regeln halten sich aber leider nicht alle“, so Schuster. Und das führe gerade angesichts der aktuell angestiegenen Besucherzahlen zu Problemen für den Naturschutz. „Deswegen patrouillieren die Mitarbeiter unseres Ordnungsaußendienstes verstärkt in den Naturschutzgebieten“, sagt der Landrat. Parallel wolle der Kreis eine gezielte Aufklärungsarbeit leisten, um mehr Respekt für den Umgang mit der Natur zu verbreiten. „Wir sind verpflichtet, sie für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.“

Dabei gehe es nicht darum, irgendwen zu drangsalieren, stellt Rainer Kötterheinrich, Leiter des Amtes für Umwelt und Naturschutz klar. „Wir sind hier gesegnet mit einer überaus vielfältigen, artenreichen und abwechslungsreichen Natur“, sagt er. Wälder, offene Landschafen, Täler oder Flüsse prägten das Gesicht des Kreises. „Unser klares Ziel und unsere Aufgabe ist es, das zu schützen“, sagt er. In den Naturschutzgebieten stünden Tiere und Pflanzen an erster Stelle. „Sie sind ein Erholungsraum für geschützte Arten und kein natürlicher Freizeitpark für Erholungssuchende“, sagt Kötterheinrich.

„Schon kleinste Störungen bringen das ökologische Gleichgewicht durcheinander und das kann große negative Folgen haben“, erklärt der Leiter des Amtes für Umwelt und Naturschutz. Problematisch sei es etwa, wenn zugelassene Wege verlassen werden. „Dann werden Dinge zertreten oder auch schon mal Pflanzen gepflückt.“ Freilaufende Hunde, die andere Tiere hetzen oder Gelege zerstören, Baden außerhalb der ausgewiesenen Gebiete, Partys, Grillen oder Campen und das Zurücklassen von Müll, zählt er als weitere Probleme auf.

Gezielte Information in den Sommermonaten

„Wir erneuern gerade die Schilder am Eingang zu den Naturschutzgebieten, auf denen Piktogramme alle Regeln aufzeigen“, beschreibt Kötterheinrich einen ersten Schritt der Kampagne. Zudem solle es über den Sommer immer wieder gezielte Informationen geben, auch über eine Broschüre. „Wir verstärken zudem unseren Ordnungsaußendienst, sodass ab Juli vier Mitarbeiter zwischen Rheinbach und Windeck Patrouille gehen“, ergänzt Landrat Sebastian Schuster. Einer davon ist Peter Lützler. „Wir sind jeden Tag unterwegs und sprechen Leute an, wenn sie sich nicht an die Regeln halten.“

Unterstützung erhält der Kreis bei seiner Kampagne auch vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. „Vier Förster sind dafür im Einsatz“, sagt dessen Leiter Stephan Schütte. Im Kreis gebe es 34365 Hektar Waldfläche. „Auch im Wald haben wir während der Corona-Pandemie eine Verdoppelung der Besucherzahlen festgestellt“, berichtet Schütte. Und das habe viele Verstöße gegen den Naturschutz mit sich gebracht, aber auch Probleme zwischen den verschiedenen Nutzern.

„Wir hatten schon Pferde, die durchgegangen sind, weil plötzlich ein Mountainbiker den Reitweg gequert hat“, so Schütter. In solchen Situationen verteilen seine Förster eine „Gelbe Karte“. Das ist ein gelbes Faltblatt, das für Rücksichtsnahme wirbt und aufführt, welche Regeln im Wald gelten. Wenn eine Verwarnung nicht ausreicht, verhängen die Förster wie auch der Ordnungsaußendienst auch Verwarngelder oder Bußgelder. 35 bis 45 Euro kostet es es etwa den jungen Mann, der mit seinem Mofa in den Siegauen genau auf Peter Lützler zugefahren ist. Denn auch das ist in den Naturschutzgebieten nicht erlaubt.