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Kennzeichen SU: Ruth Römer ist die erste Radwegemanagerin des Kreises

Kennzeichen SU : Ruth Römer ist die erste Radwegemanagerin des Kreises

Ruth Römer kümmert sich um die Qualitätsverbesserung der Beschilderungen im Radwegenetz. Ehrenamtliche Wegepaten sollen der 31-jährigen Kölnerin beim Aufspüren von Mängeln helfen.

Vielleicht war es ja ein guter Zeitpunkt, diese Stelle anzutreten. Ruth Römer ist die erste Radwegemanagerin des Rhein-Sieg-Kreises und hat kurz vor dem Lockdown im März mit ihrer Arbeit begonnen. Die Kölnerin soll sich zunächst um die Beschilderung der Radwege kümmern, und um diese zu testen, meint sie, sei es von Vorteil, ortsunkundig zu sein.

„Wer die Streckenverläufe kennt, dem fällt kaum auf, wo die Beschilderung mangelhaft ist“, sagt die 31-jährige Sportwissenschaftlerin, die zurzeit an der Uni Kassel bei dem renommierten Professor für Verkehrsplanung Carsten Sommer ihren berufsbegleitenden Master in „ÖPNV und Mobilität“ macht.

Angesiedelt ist die Stelle beim Rhein-Sieg-Kreis in der Abteilung Verkehr und Mobilität von André Berbuir. Römer verbringt gut ein Drittel ihrer Arbeitszeit unterwegs auf ihrem Dienstfahrrad. „Der Zustand der Radwege ist nicht gerade gut“, sagt sie und gibt zu, dass es bereits Streckenabschnitte gebe, die sie meidet – wenn’s geht. Und Lieblingsstrecken habe sie auch schon. Von Landschaft und Natur in der Region angetan, gefalle ihr ganz besonders die Strecke entlang der Niederpleiser Mühle.

Aber zurzeit gehe es zunächst einmal um die großen, rot-weißen Schilder und darum, die Mängel in Zusammenarbeit mit den kreisangehörigen Kommunen sowie Straßen.NRW zu beseitigen. Die Schilder zeigen den Radfahrerinnen und Radfahrern die Richtung und Entfernung zum jeweiligen Ziel. Immerhin: Das Netz der wichtigsten Radrouten im Rhein-Sieg-Kreis umfasst rund 900 Kilometer, auf denen 2230 Schilder angebracht sind. Sind Schilder verschmutzt, defekt oder fehlen, wird Ruth Römer aktiv.

Mehr Übersichtlichkeit für Einheimische und Touristen

Der Rhein-Sieg-Kreis ist an einem landesweiten „Knotenpunktsystem“ beteiligt, das in ganz Nordrhein-Westfalen einheitlich Orientierung im Radwegenetz bietet. Auf der Radwanderkarte sind die entsprechenden Nummern für die einzelnen Ziele verzeichnet, Radfahrer können sich dann auf ihren Touren daran richten. Kreuzen sich Strecken in diesem Wabensystem, so befindet sich dort ein Knotenpunkt.

Die Zahl des Knotenpunktes ist über der Beschilderung angebracht, an der auch die Nah- und Fernziele mit Kilometerangabe ausgewiesen sind. An jedem Knotenpunkt zeigt darüber hinaus eine Informationstafel mit Übersichtskarte, über welche Strecke man zum jeweils nächsten Knotenpunkt gelangt.

Die Übersichtstafeln bieten außerdem die Möglichkeit, sich spontan für eine andere Wegstrecke zu entscheiden und die Route umzuplanen. Das Knotenpunktnetz wurde zwar vom Land finanziert, für die Wartung und den Ersatz beschädigter Schilder sind indes die Baulastträger, also überwiegend die Kommunen, zuständig. Vorbild für Römers Stelle ist ein Projekt, das der Naturpark Bergisches Land im Auftrag des Oberbergischen Kreises (OBK) und des Rheinisch-Bergischen Kreises (RBK) 2017 startete.

Ziel sollte sein, dass sich alle, also sowohl Einheimische als auch Touristen, auf den Radrouten gut zurechtfinden – und zwar ohne technische Hilfen, wie beispielsweise GPS-Navigation. Man soll Freude am Radfahren haben und letztlich den Schritt vom Freizeitradeln zum Alltagsradeln vollziehen.

Wegepaten gesucht

Umgeworfene, fehlende oder lückenhafte Ausschilderungen, abgerissene oder unleserliche Zwischenwegweiser, Graffiti, Vandalismus-Schäden aber auch Gefahrenstellen, Hecken und überhängende Äste, die in den Weg ragen und unpassierbare Abschnitte sollte der Radwegemanager auffinden und entsprechend richten. Mithilfe von sogenannten Wegepaten spürte der Radwegemanager mehr als 800 Mängel auf – und der „Deutsche Fahrradpreis 2018“ war ihnen sicher.

Auch im Rhein-Sieg-Kreis ist bei diesem gewaltigen Streckennetz das Wegemanagement für einen allein nicht zu bewältigen. Ruth Römer will ebenfalls mit Wegepaten arbeiten: „Etwa 30 Ehrenamtler, die jeweils zweimal im Jahr, im Frühjahr und Herbst, einen Strecken­abschnitt von etwa 30 bis 40 Kilometern abfahren und dort Mängel festhalten, bräuchten wir“, sagt sie. Interessierte können sich per E-Mail an ruth.roemer@rhein-sieg-kreis.de wenden. Starten soll das Patenprojekt bereits in diesem Oktober.

Zurzeit muss Römer die Mängel auf Katasterblättern verzeichnen. Doch das soll nicht lange so bleiben. „Wir arbeiten gerade mit der Civitec, dem Zweckverband Kommunale Informationsverarbeitung, an einer App, die es erleichtert, die Mängel sofort einzugeben. Im Prinzip ist es eine Weiterentwicklung einer App, die wir schon für Poller und Umlaufsperren auf Radwegen haben“, erklärt Römer.

Weitere Radrouten geplant

Die Radwegemanagerin ist bei ihrer Arbeit auf die Zusammenarbeit mit den Kommunen angewiesen. Mit einigen habe sie bereits die Vereinbarung, dass sie direkt den örtlichen Bauhof über Unzulänglichkeiten informieren darf. Zudem hat sie eine regionale Druckerei ausfindig gemacht, die kurzfristig die nötigen Aluminiumschilder bedrucken kann, wenn neue erforderlich sein sollten.

Oft werde sie auch von Bürgern angerufen oder angeschrieben, denen beschädigte oder fehlende Tafeln auffallen, sagt sie. An den Pfosten sind außerdem Aufkleber mit der Standortnummer und einer zentralen Rufnummer in Düsseldorf versehen. Wer dort anruft, wird automatisch an die örtlichen Zuständigkeiten weitergeleitet. Beim Austausch kleiner Zwischenschilder legt sie auch mal selbst Hand an.

„Natürlich soll es mit dem Radwegenetz weitergehen“, sagt Berbuir und verweist beispielhaft auf die geplante und vom ADFC initiierte Rad-Pendler-Route von der Sieg über Siegburg und Lohmar zum Bahnhof Honrath hin. Und auch weitere Radrouten sind im Rhein-Sieg-Kreis im Gespräch – etwa ein Landes-Radschnellweg durch Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis, der von Alfter-Witterschlick durch Bonn und Sankt Augustin nach Niederkassel und Troisdorf führen könnte.

„Radwege sind ein zähes Geschäft“

Über das NRW-Strukturprogramm Regionale 2021 „Bergisches Land“ stehen zudem vier Hauptrouten zur Diskussion: von Leverkusen-Mitte bis Köln-Deutz, von Bergisch-Gladbach bis Köln-Deutz, von Troisdorf/Niederkassel bis Köln-Deutz und von Köln-Deutz über den Bahnhof Rösrath bis zum Donrather Kreuz in Lohmar. „Radwege sind ein zähes Geschäft“, sagt Berbuir.

Und da spricht er noch nicht einmal von den umständlichen Zuständigkeiten, sondern auch von Planungsvoraussetzungen: „Mal von den Schwierigkeiten eines Grundstückserwerbs abgesehen, sind wir vom Kreis ja immer auf Partner angewiesen, seien es die einzelnen Kommunen oder der Landesbetrieb Straßen.NRW, und dann bedeuten Radwege, so sehr sie aus ökologischer Sicht wünschenswert sind, ja auch einen gewissen Eingriff in die Natur, weil Flächen versiegelt werden. Das alles muss stets berücksichtigt werden.“

Allerdings bestehe über alle 19 Kommunen des Kreises hinweg die Einigkeit, dass der Radverkehr gefördert werden muss. Die Installation einer Radwegemanagerin sei in diesem Prozess ein weiteres, wichtiges Puzzleteil.