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Sankt Augustin: BUND möchte Spielplatz statt Wohnhäusern in Mülldorf

Grundstück in Sankt Augustin : BUND möchte Spielplatz statt Wohnhäusern in Mülldorf

Einfamilienhäuser sollen auf den 5000 Quadratmetern an der Rethelstraße in Mülldorf entstehen. So jedenfalls will es die Stadt. Der BUND stellt sich die Nutzung der freiwerdenden Fläche aber ganz anders vor.

Das etwa 5000 Quadratmeter große Grundstück an der Rethelstraße in Mülldorf, auf dem noch ein paar alte Werkhallen stehen, wirkt derzeit unwirtlich und nicht gerade einladend. Grund genug, diese Fläche anderweitig zu nutzen. Geht es nach dem Willen der Stadt, soll diese Fläche im Zuge der Verdichtung für den Bau von Einfamilienhäusern genutzt werden.

Da aber in dieser Gegend in den vergangenen Jahren bereits reichlich gebaut worden ist, möchte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) diese ehemalige Gewerbefläche lieber für den Rückhalt von Niederschlagwasser nutzen. Deshalb hat der BUND einen Antrag gestellt, der während der Sitzung des Unterausschusses für Bürgerangelegenheiten am Mittwoch, 2. Juni, behandelt werden soll. Darin fordert der BUND die Verwaltung auf, hinsichtlich der Anforderungen für die Klimaanpassung die aktuellen Planziele „Wohnbebauung“ für die ehemalige Gewerbefläche an der Rethelstraße zu überprüfen.

„Um das zunächst einmal klarzustellen: Wohnungsbau ist notwendig und eine Innenverdichtung erst mal gut. Die Flächen im Umfeld des Plangebietes sind aber bereits dicht bebaut. Nach unserem Dafürhalten befindet sich die Stadt da in einem Zwiespalt zwischen den Anforderungen des Klimawandels und einer Wohnbebauung“, sagt Achim Baumgartner, Sprecher der Kreisgruppe des BUND. Für ihn ist dieses Grundstück ein klassisches Beispiel für eine unbebaute Fläche, die auch anders genutzt werden kann. „Das Gesamtquartier verfügt über keinen Landschaftszugang wie viele andere Wohnquartiere in Sankt Augustin. Inzwischen sind freie Spielflächen für Kinder fast vollständig überbaut worden“, sagt Baumgartner.

Kinder brauchen Zugang zur Landschaft

Das sei besonders bedauerlich, weil dort eine hohe Siedlungsdichte mit hohem Geschosswohnungsanteil vorherrsche und dort auch zahlreiche Familien auf vergleichsweise engem Raum leben. „Die Kinder haben dort überhaupt keinen Zugang zur Landschaft“, sagt der BUND-Sprecher. Es sei aber städtebaulich erforderlich, nicht nur Bauland zu erschließen, sondern auch eine lebenswerte Quartiersumgebung zu erhalten und zu schaffen, das Kleinklima zu verbessern, zur Hochwasservorsorge beizutragen und die Klimafolgewirkungen zu bewältigen. „An dieser Stelle ließe sich das erreichen.“

Der BUND hält die Fläche grundsätzlich für geeignet, um dort eine Regenwassermulde anzulegen. Sofern das Grundstück sich hinsichtlich der Leitungstrassen eignet, sollte seiner Ansicht nach daher erwogen werden, dort nach dem
Rückbau der aufgegebenen Gewerbeflächen großflächige, flache und modellierte Versickerungsmulden anzulegen. Die könnten dann teilweise mit heimischen Laubbäumen bepflanzt werden, um dort einen urbanen, grünen Rückzugsort für die Menschen im Quartier anzubieten, der Kindern auch als Spielfläche dienen kann. Für ein solches Projekt ist es laut laut BUND auch denkbar, Fördergelder zu beantragen. „Am Ende ist es ein Abwägungsprozess, wie die Fläche genutzt werden soll“, so Baumgartner.

Die Stadt sieht indes bei dem Thema keinen Zwiespalt. „Die Schaffung von Wohnraum an dieser Stelle ist notwendig, aber wir werden bei den Plänen sämtliche Aspekte betrachten. Der Umwelt-, Klima-und Naturschutz wird dabei eine große Rolle spielen“, betont der Technische Beigeordnete Rainer Gleß auf Anfrage. Stadtsprecher Robert May bestätigt, dass auch ein entsprechendes Entwässerungskonzept erstellt wird, in dem Starkregenereignisse, aber auch eine Versickerung innerhalb des Plangebietes oder die Gefahr von Feuchteschäden bei der Nachbarbebauung berücksichtigt wird. In Abstimmung mit der Bodenschutz- und Umweltbehörde des Kreises werden zudem laut May mögliche Bodenverunreinigungen auf dem Grundstück untersucht. Laut Verwaltung hat zudem eine erste Prüfung ergeben, dass in der Nähe der geplanten Bebauung bereits mehrere große Spielflächen vorhanden sind und kein zusätzlicher Bedarf besteht.