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Feuer in Hangelar: 15 Meter hohe Flammen vernichteten Lagerhalle

Feuer in Hangelar : 15 Meter hohe Flammen vernichteten Lagerhalle

Am Sonntagmittag stieg immer noch Rauch auf aus der 1600 Quadratmeter großen Trümmerlandschaft aus deformiertem Wellblech und Stahlträgern. Bis zum Wochenende hatte hier eine Lagerhalle gestanden. Selbst am zweiten Tag nach dem verheerenden Großbrand in einem Unternehmen für Wasserbetten an der Westerwaldstraße in Hangelar konnte die Sankt Augustiner Feuerwehr keine Entwarnung geben.

Nachdem am Samstag gegen 1 Uhr ein explosionsartiger Brand in der Lagerhalle ausgebrochen war, den 150 Wehrleute erst nach Stunden weitgehend unter Kontrolle bekamen, flammten bis Sonntagnachmittag immer wieder schwer zu erreichende Glutnester auf. Daher entschieden Feuerwehr und der Beigeordnete Marcus Lübken, Leiter des Krisenstabs, eine Kölner Spezialfirma mit dem Abriss der Ruine zu beauftragen. Verletzt wurde bei dem Brand niemand.

Über Herbert Maur, dem stellvertretenden Leiter der Sankt Augustiner Feuerwehr, scheinen gleich mehrere Schutzengel gewacht zu haben. Denn als Maur nach Auslösung des Alarms an der Westerwaldstraße eingetroffen war, "bemerkte er zunächst nur eine leichte Rauchentwicklung", gab Dirk Engstenberg, Leiter der Wehr, die Eindrücke seines Stellvertreters wieder. Plötzlich sei es aber zu der bei Feuerwehren so gefürchteten Rauchdurchzündung gekommen. Anschließend, so Engstenberg weiter, habe die 1600 Quadratmeter große Halle komplett gebrannt. Engstenberg sprach vom "größten Brand in den letzten 25 Jahren in Sankt Augustin".

Der Augustiner Wehr, die Unterstützung der Einheiten aus Siegburg, Lohmar, Troisdorf und Hennef erhielt, machte nicht nur die Ausdehnung des Feuers zu schaffen. Auch hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun, um ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbarschaft zu verhindern.

[kein Linktext vorhanden]Das gelang den bis zu 150 Einsatzkräften glücklicherweise. Am Samstagmorgen schien das Feuer so weit gelöscht, dass Einsatzleiter Engstenberg Löschschaum einsetzen konnte. Der war nötig, weil bereits große Teile der Dachkonstruktion eingestürzt waren beziehungsweise einzustürzen drohten. Daher sollte der Löschschaum die unter Trümmern verborgenen Glutnester fluten. Bis zum Sonntag waren mehr als 10 000 Liter ausgebracht; die Berufsfeuerwehr aus Bonn hatte Nachschub geliefert.

Derweil half das Technische Hilfswerk (THW) aus Siegburg und Bonn mit schwerem Gerät wie einem Radlader, Trümmerteile der Halle beiseite zu ziehen, um die letzten Brandnester direkt bekämpfen zu können. Sonntagvormittag rauchte und qualmte es jedoch noch immer.

Mit ihrem Bagger drangen die Einsatzkräfte nicht weit genug vor. Daher, so Krisenstableiter Lübken, habe man entschieden, ein Kölner Spezialunternehmen zu beauftragen. Dieses war laut Projektingenieur Peter Simons bereits nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 im Einsatz. Simons rückte noch am Sonntagabend mit einem 50 Tonnen schweren Abbruchbagger an, der über einen 24 Meter langen Ausleger verfügt.

Was den verheerenden Brand ausgelöst hat, der nach inoffiziellen Schätzungen einen Millionenschaden angerichtet hat, ist noch unklar. Brandermittler der Kripo machten sich bereits am Samstag ein erstes Bild. Feuerwehrexperten mutmaßten, dass der Schaden auch deshalb so groß ist, weil das Unternehmen über keine Brandmelde- und Sprinkleranlage verfügte. Diese ist erst in Industriebetrieben Pflicht, die größer als 1600 Quadratmeter sind.

Der Großbrand hatte anfangs für Ascheregen und immer wieder für Rauch gesorgt, der durch die Nachbarschaft zog. Das führte zu Anfragen von Bürgern, weshalb die Stadt auf ihrer Homepage über den Brand informierte. Beschwerden von Anwohnern, dass etwa unzutreffend über das Ende der Löscharbeiten berichtet worden sei, ist laut Engstenberg dem unvorhergesehen Einsatzgeschehen geschuldet. So sei man am Samstag davon ausgegangen, "dass der Brand gelöscht gewesen ist".

Rauchdurchzündung
Eine Rauchdurchzündung, auch "Roll-Over" oder "Flash-Over" genannt, gilt bei Feuerwehreinsätzen als eines der denkbar schlimmsten Szenarien. Zu einer Rauchdurchzündung kann es beispielsweise durch einen Schwelbrand kommen. Durch das Feuer bilden sich Verbrennungsgase, die nicht entweichen können und sich dann unter der Decke sammeln. Dort kommt es dann zu einem Wärmestau. Die erwärmte Rauchschicht strahlt nicht nur auf den gesamten Raum zurück, sie entzündet sich sogar selbst. Diese Durchzündung entsteht schlagartig und ohne Zündflamme, so dass ein verheerender Vollbrand entstehen kann.