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Prozess in Bonn: 43-Jähriger soll seine Kinder in Drogengeschäfte verwickelt haben

Prozess in Bonn : 43-Jähriger soll seine Kinder in Drogengeschäfte verwickelt haben

Was brachte einen Vater dazu, seine beiden Söhne in Drogengeschäfte hineinzuziehen? Und wie kam es, dass diese 16 und 19 Jahre alten Söhne schließlich doch die Polizei informierten und sich damit auch selbst ans Messer lieferten? Wer am Mittwoch vor dem Bonner Landgericht auf Antworten gehofft hatte, wurde allerdings enttäuscht.

Wegen eines schwunghaften Handels mit Marihuana sollte das Trio morgens auf der Anklagebank Platz nehmen, doch nur die beiden Söhne waren erschienen. Vom Vater sah die Bonner Jugendstrafkammer nur ärztliche Atteste, die besagten, dass der 43-jährige Mann aus Sankt Augustin aufgrund seiner schweren Herzkrankheit nicht am Prozess teilnehmen könne.

Damit war der Prozess am Mittwoch zu Ende, bevor er überhaupt begonnen hatte. Und das Gericht beauftragt nun einen Amtsarzt, um zu prüfen, ob der Vater, der nachgewiesenermaßen schwer herzkrank ist, tatsächlich verhandlungsunfähig ist.

Die Anklage wirft dem ehemaligen Bodenleger vor, im Januar 2013 einen blühenden Handel mit Marihuana aufgezogen zu haben. Und in seine Geschäfte soll er die beiden Söhne, die bei ihrer Mutter leben, eingebunden haben. Bis August sollen die drei insgesamt 5,7 Kilogramm Marihuana im Straßenverkaufswert von 60.000 Euro an den Konsumenten gebracht haben. Den Ermittlern zufolge kaufte der 43-Jährige bei einem unbekannten Dealer sogar mehr als zehn Kilo ein. Allerdings soll er fünf Kilo davon selbst konsumiert haben.

Laut Anklage gab der frühverrentete Vater seinem älteren Sohn täglich Marihuana für den Eigenkonsum. Dafür musste der 19-Jährige mindestens einmal pro Woche auch Marihuana verkaufen. Der zur Tatzeit erst 15-jährige Sohn wurde vom Vater laut Anklage sogar noch stärker in die Geschäfte eingebunden: Der 43-Jährige soll dem Minderjährigen elf Mal jeweils 60 Gramm Marihuana für 400 Euro verkauft haben, die der Jugendliche dann für etwa zehn Euro pro Gramm an den Kunden bringen sollte. Im August bereiteten die Söhne dem Treiben ein Ende und gingen zur Polizei.

Der Anklage zufolge bestritt der mehrfach vorbestrafte 43-Jährige den Drogenhandel, distanzierte sich von den Söhnen und erklärte: Er habe Marihuana nur selbst konsumiert gegen seine Schmerzen. Den Ermittlungen zufolge gibt es jedoch Zeugen, die fast täglich bei ihm Drogen gekauft haben wollen.

Ob der 43-Jährige sich den Vorwürfen vor Gericht stellen muss, muss nun geklärt werden.