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Evangelische Kirche im Rheinland: Almut van Niekerk unterliegt bei der Präseswahl

Evangelische Kirche im Rheinland : Almut van Niekerk unterliegt bei der Präseswahl

Thorsten Latzel wird neuer Präses der Rheinischen Landeskirche. Die Superintendentin des Kirchenkreises „An Sieg und Rhein“, Almut van Niekerk aus Sankt Augustin, konnte die Synodalen mit ihrem lebensnahen Vortrag nicht überzeugen.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat einen neuen Präses. Am Donnerstag wählte die wegen der Corona-Pandemie ausschließlich im Internet tagende Landessynode den Theologen Thorsten Latzel zum Nachfolger von Manfred Rekowski. Nach siebenjähriger Amtszeit tritt Rekowski Anfang März im Alter von 63 Jahren aus Altersgründen in den Ruhestand.

Das Wahlergebnis war dabei ungewöhnlich deutlich: Latzel, der zugleich der erste Rheinische Präses seit dem Zweiten Weltkrieg ist, der selbst nicht zuvor in der Rheinischen Kirche tätig war, erhielt bereits im ersten Wahlgang 113 Stimmen. Seine Gegenkandidaten, der Direktor des Gemeindekollegs der VELKD, Reiner Knieling und die Almut van Niekerk, Superintendentin des Kirchenkreises „An Sieg und Rhein“ erhielten 17 beziehungsweise 57 Stimmen.

Der 50-jährige Latzel, der verheiratet ist und drei Kinder hat, ist seit 2013 Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt am Main. Zuvor war er im Reformbüro der EKD tätig, und beschäftigte sich dort unter anderem mit kirchlichen Zukunftsfragen. „Mir ist es wichtig, dass wir als Kirche auf Augenhöhe bei den großen Fragen mitreden können“, sagte Latzel, als er am Morgen vor die blaue Wand im Landeskirchenamt in Düsseldorf trat und sich den 193 Synodalen noch einmal vorstellte, die zwischen Saarbrücken, Wetzlar und dem Niederrhein verteilt in Arbeitszimmern, vor Bücherregalen und sogar mit einer Katze auf dem Schoß an der Tagung des Kirchenparlaments teilnahmen.

Wozu derzeit zum Beispiel die Frage nach dem Umgang der Evangelischen Kirche mit der Suizidbeihilfe gehört: Im Unterschied zum scheidenden Präses Rekowski hatten sich der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, Diakonie-Präsident Ulrich Lilie und weitere prominente evangelische Stimmen kürzlich in einem Beitrag für die FAZ nicht nur für bestmögliche Palliativversorgung, sondern auch für die Möglichkeit eines assistierten professionellen Suizids in kirchlich-diakonischen Einrichtungen ausgesprochen.

Auf Nachfrage wies Latzel diese Position zurück. „Es ist unsere Aufgabe, Menschen auf ihrem Weg zum Sterben zu begleiten“, sagte Latzel. Die Kirche respektiere, dass Menschen selbst aus dem Leben scheiden wollen. „Aber ich glaube nicht, dass es unsere Aufgabe ist, in den kirchlichen und diakonischen Einrichtungen selber so ein Angebot zu machen.“

In seiner Vorstellungsrede vor den Synodalen hatte Latzel zuvor erklärt, er brenne für eine Kirche, die eine „weltoffene Gemeinschaft mit freiem Glauben ist.“ Das unterscheidet ihn etwa von seinem Bruder Olaf, der Pfarrer in Bremen ist, und kürzlich erstinstanzlich wegen Volksverhetzung verurteilt und vom Dienst suspendiert wurde, weil er in einem Eheseminar, das auf Youtube verbreitet wurde, aus Sicht des Gerichts zum Hass gegen Homosexuelle aufgerufen hatte.

Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte sich Thorsten Latzel schon vor seiner Wahl deutlich von seinem Bruder und dessen Theologie distanziert. Am Donnerstag kündigte der neue Präses zudem an, die Kirche „konsequent von den Menschen her“ denken zu wollen. Eines seiner Schwerpunktthemen sei dabei die Partizipation: „Eine dezidierte Stärke der rheinische Kirche“, sagte Latzel.

Präsentation von Almut van Niekerk

Die Pfarrerin und Superintendentin Almut van Niekerk aus Sankt Augustin konnte mit ihrer lebensnahen Präsentation offenbar nicht überzeugen. „Nach drei langen Sitzungstagen möchte ich mit Ihnen gedanklich einmal raus vor die Tür und fragen: Für wen machen wir das eigentlich? Was brauchen Sie und unsere Kirche von mir im Präsesamt?“, leitete sie ein. Dann zeichnete sie ein Bild der Landeskirche nach ihrer achtjährigen Amtszeit: „Der Pfarrdienst ist regionaler geworden, die Gemeindeformen vielfältiger und Ehrenamtliche haben in noch größerem Umfang Verantwortung. Unsere Kirche ist kleiner geworden, wir haben mehr Mitglieder verloren, Gebäude aufgegeben und Strukturen verändert.“

Zugleich zeichnete die 53-Jährige aber auch das Bild einer selbstbewussten, vitalen Gemeinschaft, die das Evangelium für die Menschen ihrer Zeit übersetzt. Der Glaube soll überall lebensnah und erkennbar sein, ob in der Diakonie, der Kirchenmusik oder der Jugendarbeit. Beim Thema sexueller Missbrauch wollte sie Vertrauen zurückgewinnen, und zwar durch eine „ehrliche Sensibilisierung und Schutzkonzepte“.

Auf die Frage, was sie als Person einbringe, antwortete sie mit „Herzblut für unsere Kirche“. Und auf die Frage nach dem evangelischen Profil sagte van Niekerk: „Vergnügt, erlöst, befreit, so sind wir, wir Evangelische.“ Als Superintendentin vertritt sie einen von 37 Kirchenkreisen in der Rheinischen Landeskirche und ist seit einem Jahr ehrenamtliches Mitglied der Kirchenleitung.

Das Gebiet der Landeskirche erstreckt sich weit über das Rheinland hinaus in die vier Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Der 50-jährige Latzel wird am 20. März in sein Amt eingeführt. Bevor er 2013 die Evangelischen Akademie Frankfurt übernahm, war er Oberkirchenrat im Kircheamt der EKD und leitete das Projektbüro Reformprozess. Davor war Latzel Pfarrer in Erlensee-Langendiebach (Kurhessen-Waldeck). Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Nach der Wahl bat er seine Frau, schon mal die Koffer vom Schrank zu holen. Das Landeskirchenamt ist in Düsseldorf.