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Sankt Augustin-Menden: Ausschuss will Haus Friedrichs als Denkmal erhalten

Sankt Augustin-Menden : Ausschuss will Haus Friedrichs als Denkmal erhalten

Die angeblich erste Vikarieschule soll sich von 1725 bis 1760 im Haus Friedrichs an der Kirchstraße in Sankt Augustin-Menden befunden haben. Das Haus steht unter Denkmalschutz, allerdings gibt es eine Genehmigung zum Abriss. Diese muss nun aber erneuert werden.

Es war die SPD-Fraktion, die per Dringlichkeitsantrag eine Thema auf die Tagesordnung im Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss setzte, das für Diskussionsbedarf sorgt. Die angeblich erste Vikarieschule soll sich von 1725 bis 1760 im Haus Friedrichs an der Kirchstraße befunden haben. Das weist eine Tafel an der Hauswand des augenscheinlich baufälligen Hauses in Alt-Menden aus.

Warum die SPD es so eilig hatte, das Thema auf die Tagesordnung zu setzten, liegt auf der Hand: Es gibt eine Bauvoranfrage, die bei der Bauaufsicht der Stadt gestellt wurde. Das alte Haus soll demnach abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Das bestätigte der Fachdienstleiter der Bauaufsicht, Ralf Trösser, im Ausschuss.

Ein Ansinnen, das nicht nur bei den Sozialdemokraten sondern bei fast allen Ausschussmitgliedern auf wenig Gegenliebe stieß. Das Haus steht unter Denkmalschutz, wurde jedoch vom LVR-Amt für Denkmalspflege im Rheinland schon 2017 als „abgängig“ gewertet und erhielt seinerzeit die Genehmigung zum Abriss. Diese Genehmigung ist jedoch bis heute nicht umgesetzt worden und muss deshalb erneuert werden, denn sie hat nur für zwei Jahre Bestand.

Bei einer Enthaltung von Wolfgang Züll (FDP) wurde die Verwaltung nach langer Debatte und einer Sitzungsunterbrechung beauftragt, im Rahmen der Vorgaben des Dankmalschutzes darauf hinzuwirken, das gesamte Denkmal oder wenigstens Bestandteile davon zu erhalten. Diesem Vorschlag, den Martin Metz, Fraktionschef der Grünen, formulierte, konnten auch die Antragsteller folgen. „Wir müssen schauen, was möglich ist, um der Bedeutung des Denkmals gerecht zu werden“, formulierte es Gudrun Burk für die SPD.

Laut Tafel am Haus soll dort die erste Vikarieschule in Menden gewesen sein. Foto: Foto: Martina Welt

Besitzerin dieser Immobilie, ebenso wie der benachbarten Gaststätte, ist Hedwig Kley, die im gesamten Ort als Hedy bekannt ist und seit 45 Jahren hinterm Tresen der Gaststätte Helikum steht. „Dieses Haus ist das sinnloseste Haus, das es gibt“, glaubt sie.

Atelier im kleinen Anbau

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie in den 80er Jahren dieses Gebäude gegen das heutige Haus Menden mit der Stadt getauscht. Ende der 80er Jahre richtete der Glaskünstler Armin Heck sein Atelier in dem kleinen Anbau ein, der jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. „Es gibt dort einen Raum mit einer Treppe, die wiederum in den einen Raum nach oben führt – sonst nichts“, sagt Hedy Kley. Sie weiß, dass vorher ein gewisses „Fräulein Hofenbitzer“ das Haus bewohnte und als Näherin ihre Dienste im Ort anbot. Dass dort einmal eine Schule gewesen sei, ist ihr nicht bekannt. Auch Ortsvorsteher Karl Heinz Baumanns kennt das Gerücht, dass die Vikarieschule nicht an dieser Stelle, sondern in einem Haus an der Mittelstraße/Ecke Augustinusstraße gewesen sein soll. „Dafür gibt es aber bisher keine Beweise“, sagt Baumanns.

Im Jahr 2017 wurde das Haus Friedrichs vom Amt für Denkmalpflege als „abgängig“ eingestuft. Foto: Foto: Martina Welt

Für Kley kann der Ausschuss-Beschluss unter Umständen ein Desaster werden. Sie ist 72 Jahre alt, ihr Ehemann ist vor einigen Jahren gestorben und jetzt möchte sie gerne umziehen in eine Wohnung gleich um die Ecke. Vorher soll jedoch alles geregelt sein und es gibt wohl einen Interessenten, der die Traditionsgaststätte in Alt-Menden übernehmen und natürlich auch restaurieren möchte. An die Stelle des kleinen Häuschens würde der neue Eigentümer jedoch gerne neu bauen.

Gaststätte soll erhalten werden

Auch aus Sicht des Ortsvorstehers, der mit der Sanierung der gegenüberliegenden Heimatstube gemeinsam mit der Altstadtgemeinschaft erlebt hat, welch enormer zeitlicher und finanzieller Aufwand nötig ist, um ein Denkmal instandzusetzen, wäre der Abriss des baufälligen Hauses eine akzeptable Lösung.

Viel wichtiger sei es seiner Meinung nach, die Gaststätte zu erhalten – auch in ihrer Funktion als Treffpunkt im Ort. „Diese Gaststätte ist aus dem Dorf mit ihrer 195-jährigen Tradition nicht mehr wegzudenken“, sagt Baumanns dem GA. Sie bilde den wichtigen Rahmen nicht nur für das Feierabendbierchen und die Stammtische, sondern auch für die Trauerfeiern im Anschluss an die kirchliche Zeremonie in der benachbarten Sankt-Augustinus-Kirche.