Zu Gast auf dem Sofa Bestsellerautorin liest über die Entstehung des Ich

Sankt Augustin · Die in London lebende Schriftstellerin Andrea Wulf liest in der Hochschulbibliothek aus ihrem neuen Buch „Fabelhafte Rebellen“ und beschreibt die Zeitenwende des 18. Jahrhunderts.

 Bestsellerautorin Andrea Wulf gastiert mit der Lesung ihres neuen Buches "Fabelhafte Rebellen" in der Hochschulbibliothek Sankt Augustin.

Bestsellerautorin Andrea Wulf gastiert mit der Lesung ihres neuen Buches "Fabelhafte Rebellen" in der Hochschulbibliothek Sankt Augustin.

Foto: Antonina Gern

Man könnte glauben, Geistesgeschichte werde stets in Universitäten und Hochschulen geschrieben. Tatsächlich sind die besten Gedanken in Wirtshäusern entstanden. So, wie im Schwarzen Bären in Jena Ende des 18. Jahrhunderts. Dort versammelten sich die prägenden Geistesgrößen und kreierten den neuen Menschen. Freilich in Teilen unbewusst und ohne den konkreten Plan.

Erst in der Rückschau erkennen wir heute: Die frühen Romantiker erfanden damals das Konzept vom „Ich“ als Individuum. Im Jena des Jahrhundertwechsels tummeln sich Goethe und Schiller, Fichte, Novalis, die Schlegels, Hegel, Alexander von Humboldt und Schelling. Und wer nicht selbst zugegen sein konnte, war in und mit seinen Gedanken anwesend.

Autorin ist in Deutschland aufgewachsen

„Fabelhafte Rebellen“ heißt das neue Buch von Andrea Wulf, das sie am Mittwoch, 13. März, ab 19.30 Uhr in der Reihe „Zu Gast auf dem Sofa“ in der Hochschul- und Kreisbibliothek Sankt Augustin vorstellen wird. Lesung und Dialog greifen ineinander. Moderiert wird die Veranstaltung der Hochschule in Kooperation mit der Bücherstube Sankt Augustin und dem General-Anzeiger von Susanne Kundmüller.

Autorin Andrea Wulf hat selbst einen erzählenswerten Lebenslauf. Geboren in Indien, aufgewachsen in Deutschland, lebt sie heute in London und schreibt selbst in Englisch. Sie ist mit etlichen internationalen Preisen ausgestattet. Ihr Bestseller „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ wurde in 27 Sprachen übersetzt. Ihr Alleinstellungsmerkmal: Ihr Schreibstil steht in der angelsächsischen Tradition, ihre Sujets kreisen um die deutsche Geistesgeschichte.

Eine erste Zeitenwende

Die Zeitenwende hat es ihr angetan. Der Wechsel vom Absolutismus zur Aufklärung, Romantik und Klassik und mittendrin die größten Denker der Geistesgeschichte, noch bevor man ihnen diesen Status angeheftet hatte. Literaturkritiker Denis Scheck sagt denn auch über das Buch: „Der Bestseller Fabelhafte Rebellen ist eine Möglichkeit, die deutsche Geistesgeschichte zum Tanzen zu bringen und unglaublich viel für das eigene Leben zu lernen“.

Den Club der genannten toten Dichter skizziert Wolf nicht nur als „wohl turbulentesten Freundeskreis der deutschen Geistesgeschichte, sondern erklärt auch, warum wir bis heute zwischen den Gefahren der starken Ichbezogenheit und den aufregenden Möglichkeiten des freien Willens schwanken.“ Eine Thematik, die überaus aktuell ist.

Ein Ritt in die neue Zeit

Deshalb dürfte nicht nur die Lesung, sondern auch der anschließende Dialog Anregungen für das Hier und Heute geben. Wolf startet am 20. Juli 1794 mit dem Ritt Johann Wolfgang von Goethes von Weimar nach Jena, wo er an der Sitzung der neu gegründeten Naturforschenden Gesellschaft teilnehmen wollte. Die 20 Kilometer sollten der Ritt in die Neuzeit werden.

Der Eintritt zu Lesung und Dialog mit Autorin Andrea Wulf am Mittwoch, 13. März, ab 19.30 Uhr in der Hochschul- und Kreisbibliothek, am Campus Sankt Augustin kostet 12 Euro (ermäßigt 8 Euro). Nähere Informationen gibt es auf der Homepage der Hochschule unter www.h-brs.de in der Rubrik Termine.

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