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Ein Stück Stadtgeschichte: Buch erklärt Hausnummern in Sankt Augustin

Ein Stück Stadtgeschichte : Buch erklärt Hausnummern in Sankt Augustin

„Départements, Dolmetscher, Dampfloks“ hat die Stadt Sankt Augustin ihren neusten Band zur Stadtgeschichte überschrieben. Darin gehen Autoren unter anderem die Geschichte der Sprachermittler der Luftwaffe im Steyler Missionshaus, Bahnprojekten, die nie realisiert wurden, und der Frage nach, wie die Nummern an die Häuser kamen.

Eine Hausnummer gehört zur Adresse dazu, egal wie klein die Straße auch ist, in der das betreffende Haus steht. Was heute selbstverständlich ist, war vor etwas mehr als 200 Jahren in der damaligen Munizipalität Menden eine kleine Novität. Herzog Maximilian IV. Joseph von Bayern ordnete als Landherr des Herzogtums Berg 1805 eine „kirchspielweise Nummerierung“ an. Fünf Jahre später finden sich die Hausnummern im Personenstandsregister der Munizipalität Menden. Der Hausnummerierung hat Historiker Mike Bargel einen seiner Aufsätze zum neuen Band der Reihe „Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte“ gewidmet, die Stadtarchivar Michael Korn jetzt vorgelegt hat.

„Départements, Dolmetscher und Dampfloks“ ist der der nunmehr 56. Band der Reihe überschrieben. Vier Autoren widmen sich auf 170 Seiten ganz unterschiedlichen Themen der Sankt Augustiner Geschichte. Die insgesamt fünf Aufsätze sind garniert mit 60 Abbildungen und historischen Aufnahmen und erzählen am Beispiel der Stadt auch ein Stück Zeitgeschichte.

Die Mendener Pfarrer Friedrich Hegel, der ehemalige Kaplan Max Dechamps und Kaplan Karl Schumacher (v. l.) förderten den Katholischen Jünglingsverein und die „Stimmen der Heimat“, Foto von 1916. Foto: Pfarrarchiv St. Augustinus Menden

Mit Blick auf die Gemeinde Niederpleis hat Mike Bargel etwa den Weg von ersten Hausnummerierungen hin zur heutigen Form nachgezeichnet, wie er sich auch andernorts gestaltet haben mag. Während Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst alle Häuser gemeindeübergreifend durchnummeriert wurden, zählten die Verantwortlichen sie wenig später pro Gemeinde noch einmal neu durch. Auf Anweisung des Bürgermeisters der damaligen Bürgermeisterei Menden begann der Niederpleiser Maler Heinrich Broel in diesem Zusammenhang im März 1839 damit, die zugewiesenen Nummer auch an den betroffenen Wohnhäusern anzubringen. Im Adressverzeichnis von 1925 fand Bargel dann Bezeichnungen, die bereits den heutigen Adressen gleichen, ihnen allerdings doch nicht entsprechen. Die Hintergründe dokumentiert Bargel mit historischen Quellen.

In einem weiteren Beitrag untersucht der Historiker, wie sich die Munizipalität Menden zur Zeit der französischen Verwaltung zwischen 1806 und 1815 entwickelt hat. Mit Karten, gedruckten Quellen und Akten aus dem Sankt Augustiner Raum verdeutlicht er, wie sich die teils noch aus dem Mittelalter stammenden Rechts- und Verwaltungsstrukturen im Großherzogtum Berg grundlegend neu entwickelten.

Die „Dolmetscher“ aus dem Titel des Büchleins fanden sich während des Zweiten Weltkriegs im Steyler Missionshaus in Sankt Augustin. Die Luftwaffe hatte das Haus 1941 beschlagnahmt und seine Bewohner zur Abreise gezwungen. Bis Kriegsende brachte sie dort verschiedene Dienststellen unter, unter anderem auch die sogenannte Sprachermittler-Abteilung. Der Sankt Augustiner Flugplatzkenner Hartmut Küper zeichnet deren Zeit in Sankt Augustin nach, die im Januar 1943 begann.

1500 Schüler, aufgeteilt in fünf Kompanien, wurden dort in Englisch, Slawisch, romanischen und anderen Sprachen unterrichtet. Bis auf die fünfte Kompanien waren auch alle Schüler und Lehrer im Missionshaus untergebracht. 17 Frauen bereiteten ihnen in der Klosterküche ihre Mahlzeiten zu. Die Aula war ihr Speisesaal, aber auch Ort für Musikabende und Theaterauffühungen. Wann genau die „Dolmetscher“ Sankt Augustin verließen und nach Olmütz in Mähren weiterzogen, lässt sich laut Küpper nicht genau festlegen. Dokumente belegen, dass es irgendwann zwischen Karneval im Februar und März 1944 gewesen sein muss.

Umschlagvorderseite Band 56 zu Stadtgeschichte. Foto: Stadt Sankt Augustin

Während Erich Pötz in seinem Beitrag der Frage nachgeht, wie sich die letzten Jahre des Ersten Weltkriegs im Spiegel der „Stimmen der Heimat an die Mendener Krieger“ darstellen, widmet sich Tomas Meyer-Epller dem dritten „D“ im Titel: den Dampfloks. Er stellt zwei Bahnprojekte vor, die Ende des 19. Jahrhunderts geplant, aber nie realisiert wurden. So sollte etwa der Westerwald schon 1886 mit einer Eisenbahnstrecke von Siegburg über Niederpleis und Birlinghoven nach Seifen angebunden werden. Zudem fasste gegen 1897 eine andere Gesellschaft um 1897 ins Auge,eine Überland-Straßenbahnlinie von Köln-Mülheim über Mülldorf und Meindorf nach Beuel zu führen. Meyer-Eppler erläutert die angestrebten Vorteile, Streckenführungen und Hintergründe der Projekte.

Der Band 56 in der Reihe zur Stadtgeschichte ist im Rheinlandia-Verlag erschienen und kann im Stadtarchiv, im Rathaus sowie im Buchhandel für sechs Euro erworben werden.