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Auszeit für betreuende Angehörige: Café Fröhlich in Sankt Augustin feiert zehnjähriges Bestehen

Auszeit für betreuende Angehörige : Café Fröhlich in Sankt Augustin feiert zehnjähriges Bestehen

Das Café Fröhlich möchten an Demenz Erkrankten und ihren Angehörigen schöne Momente bescheren. Seit zehn Jahren lädt es dazu jeden Freitagnachmittag in die Räume der Emmauskirche in Sankt Augustin-Menden.

Das Lachen und Jauchzen, das vom Vorplatz der evangelischen Emmauskirche weithin zu hören ist, zeugt von Fröhlichkeit. Spätestens jetzt weiß jeder Gast der kleinen Feierstunde, wie das Cafe Fröhlich, das am Freitag sein zehnjähriges Bestehen feierte, zu seinem Namen gekommen ist. Fröhlichkeit, Freude, Spaß – es sind die schönen Momente, die das Café Fröhlich seit November 2011 an jedem Freitagnachmittag seinen Besuchern, die eine demenzielle Erkrankung haben, und deren betreuenden und pflegenden Angehörigen schenken will.

Elke Raue steht dem Café mit ihrer fachlichen Expertise und langjähriger Berufserfahrung in der Gerontopsychiatrie seit der ersten Stunde zur Seite. Ein Angebot, das weit mehr als eine einfache Bespaßung sei, betont sie mit Blick auf ihre Arbeit: „Es ist manchmal kaum zu glauben, welche Freude, Erinnerungen und Energie unsere Besucherinnen und Besucher mit Demenz bei uns entfalten.“ Sie bewegten sich viel, machten einfache Gymnastik, sängen gemeinsam alte Lieder, Malten, bastelten Gestecke, kochten oder backten – je nachdem, welche Fähigkeiten die Besucher mitbrächten.

Herzstück des Angebots sei die Arbeit des ehrenamtlichen Teams. Diesem dankt Rauen, weil es eine intensive und zugleich sehr herzliche Betreuung der Gäste des Cafés sicherstelle, aber auch deren Abholung zu Hause, wenn Angehörige selbst nicht mehr mobil sind: „Wir haben seit vier Jahren einen kleinen Fahrdienst mit unseren eigenen Autos organisiert. Es ist dabei wunderbar zu sehen, wie warmherzig und fürsorglich unser Team mit den Gästen umgeht und dass die Angehörigen uns vertrauen, dass ihre Angehörigen mit Demenz bei uns in guten und sicheren Händen sind.“

Eine dreistündige Auszeit für die Angehörigen

Die Sorge allein sei es aber nicht, wegen der die acht bis zehn Betreuungsplätze des Café Fröhlich nicht belegt seien, sagt die Leiterin: „Neben der Angst der Angehörigen, ihre Partner allein zu lassen, kommt oft dazu, dass es manchmal die Kräfte der Angehörigen übersteigt, die Partner für den Café-Besuch vorzubereiten und zu uns zu bringen.“ Man dürfe nicht unterschätzen, wie anstrengend die Betreuung eines an Demenz erkrankten Partners sein kann und dass die im Alter schwindenden Kräfte, die man selbst habe, dann auch noch mit dem Partner geteilt werden müssten.

Aus diesem Grund sei das Café vor zehn Jahren nach Gesprächen im Diakonieausschuss aus der Taufe gehoben worden. „Für betreuende Angehörige ist es eine dreistündige Auszeit vom Alltag“, sagt Rauen. „Zudem haben wir seit einigen Jahren eine Kooperation mit Karin Schneider. Die bietet einen Austausch der Angehörigen mit fachlicher Beratung in einem Angehörigencafé an, aber auch Pflegekurse für Angehörige.“

Dass dieses Netzwerk des Austauschs, der Beratung, der Unterhaltung und auch der Freundschaften die Pandemie so gut überstanden habe, sei ein Verdienst von Sabina Epple von der städtischen Begegnungsstätte CLUB, die im Lockdown auf die Schnelle Telefonkonferenzen organisiert und Hilfestellung bei der Technik gegeben habe, dankt Elke Rauen rückblickend: „Wir sind mit großer Sorge in den Lockdown gegangen und hatten letztlich einen tollen Austausch, sehr viel Spaß, haben sehr viel gelacht und eine super Resonanz.“