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Corona im Rhein-Sieg-Kreis: Wann der Test für die Gastronomie gültig ist

Lockerungen im Rhein-Sieg-Kreis : Was man beim Corona-Test für die Gastronomie beachten muss

Wer ein Restaurant besuchen möchte und weder geimpft noch genesen ist, benötigt für den Einlass einen negativen Corona-Test. Auch Selbsttests zählen theoretisch. Dabei gibt es aber einiges zu beachten.

„Wir sind startklar“, sagt Gerhard Krütten. Der Inhaber der „Glocke“ an der Kölnstraße in Sankt Augustin-Hangelar gehört zu jenen Gastronomen, die nicht sofort zum Wochenende die Außenwirtschaft geöffnet haben. Wie viele andere Kolleginnen und Kollegen aus der Branche muss Krütten vieles vorbereiten, auch wenn seine Küche für Abholer geöffnet ist. Rund 25 Plätze hat er auf seiner überdachten, wetterfesten Terrasse zur Verfügung.

„Die Lager sind gefüllt, aber die Personaldisposition ist unbeständig“, sagt er. Auch der bürokratische Aufwand bereitet ihm Kopfzerbrechen. „So richtig ist mir der Sinn nicht klar, warum man von seinen Gästen im Freien einen Corona-Test verlangen muss“, sagt er stirnrunzelnd. Aber natürlich werde man alle Vorgaben der Behörden einhalten.

Hoffnung auf baldige Öffnung der Innengastro

Ob die Teilöffnung seines Hauses wirtschaftlich sein wird, bleibe abzuwarten. Seine Hoffnung geht in die Richtung, dass der Inzidenzwert in absehbarer Zeit so unter die 50er-Marke fällt, dass er auch in den Innenräumen Gäste empfangen darf. Wenn er das gesamte System mit Kühlung und allem, was an der Gastwirtschaft dranhängt, hochfahre, dann mache das allein circa 1900 Euro an Energiekosten pro Monat aus, rechnet er. Der Hangelarer sieht einem Stück Normalität entgegen.

Ähnlich sieht es Familie Ekici in Troisdorf. Ekici Café & Restaurant an der Poststraße 64 will an diesem Dienstagmittag einmal testweise ein paar Tische aufstellen, so richtig will man aber erst loslegen, wenn das Wetter mitspielt, sagt Demet Ekici. „Die Entscheidung aus Düsseldorf kam ja sehr plötzlich und unerwartet“, sagt die Gastronomin. Seit 1. November sei ihr Restaurant geschlossen und bietet lediglich Mitnahmespeisen an, was „Gott sei Dank ganz ordentlich läuft“. Lieferservice und Abholen im Lokal, das habe man schon in der ersten Pandemiewelle eingeführt und beibehalten, auch als sie im Mai vergangenen Jahres wieder haben öffnen dürfen. „Wir wussten ja nicht, wie es weitergehen würde. Wir sind auf Nummer sicher gegangen“, sagt sie.

Auflagen sorgen für Personalnot

Und jetzt von einem Tag zum anderen Gäste vor Ort zu bedienen, das sei so schnell nicht zu machen gewesen. „Wir bereiten alles vor, füllen das Lager und die Schränke auf, Tische und Stühle müssen gereinigt werden, und Personal brauchen wir auch. Wir sind ja ein Familienbetrieb“, sagt Ekici. Und dann kommen natürlich die Auflagen hinzu, zu allererst die Kontrolle von Tests und Impfbescheinigungen.

Einige Lokale wie etwa das L‘Osteria Troisdorf liegen günstig. Gleich gegenüber gibt es ein Schnelltestzentrum, wo sich Kunden aktuell testen lassen können. Laut aktuellem Erlass aus Düsseldorf können auch Selbsttests verwendet werden. Aber so einfach, wie es sich viele offensichtlich vorstellen, ist es nicht. Man kann sich jedenfalls nicht am Eingang hinstellen und vor den Augen des Wirts einen Test machen. „Ein Selbsttest ohne fachkundige Aufsicht ist nicht ausreichend“, betont die Sprecherin des Rhein-Sieg-Kreises, Rita Lorenz. „Das negative Ergebnis muss von der Teststelle schriftlich oder digital bestätigt werden; hierbei handelt sich um Stellen, die offiziell zu Testungen zugelassen sind, also zum Beispiel Bürgertestzentren oder Arztpraxen.“

Diese Bestätigung muss dem Wirt mit einem Ausweisdokument vorgelegt werden, und sie darf nicht älter als 48 Stunden sein. Kinder bis zum Schuleintritt benötigen keinen Test. Und auch Personen mit nachgewiesener Immunisierung durch Impfung oder Genesung brauchen diesen nicht. Der PCR-Test eines Genesenen darf nicht älter als sechs Monate sein, die Zweitimpfung muss mindestens 14 Tage alt sein.

Verfahren muss in Corona-Test- und Quarantäne-Verordnung verankert sein

Lorenz weist auf die Verordnung, die klar aussage, dass es sich bei dem Selbsttest um ein Verfahren handeln müsse, das in der Corona-Test-und-Quarantäneverordnung aufgeführt ist. „Dabei handelt es sich um Schnelltests, die vor allem in Bürgertestzentren von medizinischem oder fachkundig geschulten Personal durchgeführt werden oder aber um begleitete Selbsttests, der unter Aufsicht einer hierzu unterwiesenen oder zur Vornahme eines Coronaschnelltests befugten Person vorgenommen wird.“ So wie es teilweise in den vergangenen Tagen beobachtet worden ist, dass Kunden vor Geschäften einen Selbsttest vor Ort durchführten, das sei nicht gestattet, betont sie.

„Was das Beispiel der Gastronomie angeht, bedeutet das konkret: Der Wirt ist grundsätzlich nicht berechtigt, seinen Gästen einen Nachweis über einen Selbsttest auszustellen“, sagte Axel Birkenkämper vom MAGS. Außerdem gelte grundsätzlich: „Für die Inanspruchnahme der Dienstleistung ist eine Testbescheinigung über ein negatives Testergebnis vorzulegen. Hierzu sind nur beauftragte Bürgerteststellen und für die Arbeitgebertestung angemeldete Betriebe für ihre eigenen Beschäftigten berechtigt, nicht jedoch der Dienstleister selbst.“

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