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Sportplätze in Sankt Augustin: „Der Platz ist überlebenswichtig“

Sportplätze in Sankt Augustin : „Der Platz ist überlebenswichtig“

Ab September kicken die Fußballer auf dem Hybridrasen, derzeit spielen sie in Oelinghoven. Matthias Hendorf sprach mit dem Vereinsvorsitzenden Hansjörg Kuhl über den neuen Platz.

Erst der TuS Buisdorf in der Vorwoche, jetzt der SV Birlinghoven: Gestern erfolgte der Spatenstich in Birlinghoven für den neuen Hybridrasen, der den alten Aschenplatz ersetzt. Der Verein setzt den Umbau des städtischen Platzes in Eigenregie um, die Stadt gibt 190 000 Euro dazu, die restlichen etwa 36 000 Euro hat der SV Birlinghoven selbst gesammelt. Zudem übernimmt der Verein die Pflegekosten für Platz und Grünanlagen, die Stadt spart so jährlich 15 000 Euro, die sie dem SV überweist.

Herr Kuhl, was bedeutet der neue Hybridrasen für den Verein?
Hansjörg Kuhl: Er ist für uns überlebenswichtig. Seit klar ist, dass wir einen neuen Platz bekommen, haben wir mehr Anmeldungen als in den Vorjahren, sowohl bei den Senioren als auch den Junioren. Wir hatten zuletzt schon Probleme, Mannschaften im Jugendbereich zu stellen.

Wie lange hätten Sie dem Verein noch gegeben ohne neuen Rasen?
Kuhl: Wir haben ja auch noch eine Rückenschule und eine Gymnastikabteilung. Aber ohne einen neuen Platz wäre spätestens in fünf Jahren Schluss gewesen. Der Verein hat im und um den Ort herum an Interesse verloren.

Liegen die Probleme im Nachwuchsbereich wirklich nur am Aschenplatz oder gibt es auch noch andere Gründe?
Kuhl: Nein. Fast alle umliegenden Plätze sind Kunstrasenplätze. Das merkt man schon.

Zunächst wollte Ihr Verein einen Kunstrasen, jetzt wird es ein Hybridrasen.
Kuhl: Wir sind davon überzeugt, dass er für uns ausreicht mit bis zu 900 Nutzungsstunden pro Jahr. Davon sind wir weit entfernt. Und als wir vor zwei Jahren zum ersten Mal von der Möglichkeit eines Hybridrasens gehört haben, war klar, dass wir das machen wollen. Die Idee kam damals vom TuS Buisdorf.

Seit wann kämpft der Verein um einen neuen Platz?
Kuhl: Ich bin seit 2004 Vorsitzender, da ging es im Prinzip schon los. Und mit den Jahren wurde es immer notwendiger.

Woran lag es, dass es so lange dauert?
Kuhl: Die politische Beschlusslage sah aufgrund der geringen Nutzung so aus, dass ein Kunstrasen sich sowohl bei uns als auch in Buisdorf nicht lohnt. Unser Aschenplatz sollte stattdessen für 230 000 Euro erneuert werden. Das wäre in etwa so, als wenn man ein Auto vom Schrottplatz holt und für 100 000 Euro saniert – ein Wahnsinn. Auf die Idee kommt doch keiner. Enttäuscht war ich auch vom Stadtsportverband, der uns nicht unterstützt hat.

Fühlten Sie sich von der Stadt vergessen?
Kuhl: Sagen wir es mal so: Die Birlinghovener fühlen sich von der Stadt immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt.

Aber jetzt sind Sie froh, dass es geklappt hat im Zusammenspiel mit allen Beteiligten?
Kuhl: Klar, aber man hätte es schneller realisieren können. Vor zwei Jahren haben wir in Birlinghoven auch 900 Unterschriften gesammelt und einen runden Tisch organisiert, den rund 200 Menschen besucht haben. Das hat schon Eindruck gemacht.

Glauben Sie, dass der Protest nötig war?
Kuhl: Auf jeden Fall. Das ganze Dorf hat mitgezogen. Ohne das hätten wir es nicht hinbekommen. Und es hat die Sache beschleunigt, dass wir mit den Buisdorfern an einem Strang gezogen haben. Wir haben auch den selben Unternehmer, der den Rasen legt.

Zusätzlich zu den 190 000 Euro der Stadt mussten sie knapp 40 000 Euro sammeln.
Kuhl: Ja. Einige Sponsoren haben viel Geld gegeben, zusätzlich haben wir Unternehmen und Privatleute direkt angesprochen, unser Geschäftsführer Peter Nüchel hat sich super engagiert. So haben wir seit September rund 47 000 Euro gesammelt. Das habe ich aber auch so erwartet, schließlich hat sich der Ort auch beim Haus Lauterbach so engagiert. (Der Männerchor Birlinghoven hatte das Haus Lauterbach gekauft und betreibt es nun. Der Stadt war die Miete zu teuer geworden, deshalb unterstützte sie den Kauf unter anderem mit einem Zuschuss von 100 000 Euro, Anm. d. Red.). Die Birlinghovener können sich gut selbst helfen, aber manchmal fragt man sich schon, wofür man Kommunen braucht.