Letzter Pausengong Der "Rasta-Mann" geht in Rente

SANKT AUGUSTIN · Jürgen Franz sagt nach 20 Jahren als Schulleiter des Rhein-Sieg-Gymnasiums Tschüss und geht in den Ruhestand.

 Der letzte Pausengong ertönt für Schulleiter Jürgen Franz am Rhein-Sieg-Gymnasium.

Der letzte Pausengong ertönt für Schulleiter Jürgen Franz am Rhein-Sieg-Gymnasium.

Foto: Michael Lehnberg

Seinem "Vize" Bernd Siegloch hat er nachgetrauert und Tränen hinterher geschickt, als der vor zwei Jahren in den Ruhestand ging, jetzt geht er selbst und trauert seiner Schule nach.

Jürgen Franz macht Schluss, und das Rhein-Sieg-Gymnasium verliert seinen Schulleiter. 20 Jahre lang war Franz das Gesicht der Schule, hat sie geprägt mit der ihm ganz eigenen und besonderen Art: mit vielen Emotionen, Sachverstand und einem großen Herzen für seine Schützlinge, die Schüler, die Eltern und die Lehrer. Schule ist für Jürgen Franz nicht nur ein Ort des Lernens. "Schule ist auch Gemeinschaft."

Sein Lachen ist einfach ansteckend, sein Wesen ein einnehmendes. Jürgen Franz weiß, wie er Menschen mitnehmen, wo er sie packen und fördern kann. Er liebt es, unter Menschen zu sein und er liebt "seine" Schule, die er in seinem Herzen mitnehmen wird, auch wenn die äußere sanierungsbedürftige Hülle alles andere als erinnerungswürdig ist.

Aber er hat es letztlich doch geschafft, dass die Stadt tief in die Tasche greift, um das marode Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen. Es ist gewissermaßen sein Abschiedsgeschenk: 22 Millionen Euro werden in den kommenden zehn Jahren in die Schule investiert.

"Mit dem ersten Tag der Ferien werden die Chemie- und Physikräume abgerissen, und im Herbst gibt es dann sechs neue Räume in einem komplett neuen naturwissenschaftlichen Trakt", freut sich Franz. 20 Jahre lang habe er mit vielen Einschränkungen leben müssen.

"Es war eine extrem schwierige Zeit mitunter. Aber das hat uns als Schule zusammengeschweißt", sagt der 65-Jährige, der keinen Tag eher in den Ruhestand geht. "Ich habe mich hier immer wohlgefühlt, auch weil wir hier ein überdurchschnittlich gutes Team haben", sagt Franz. Am 5. Juli wird der Pausengong für ihn zum allerletzten Mal ertönen.

Jürgen Franz ist ein Mann mit vielen Talenten und Fähigkeiten. Zweifelsohne ist er ein guter Pädagoge, auch wenn diesem Talent in den vergangenen Jahren immer weniger Rechnung getragen werden konnte. "Die Verwaltungsarbeit für einen Schulleiter hat enorm zugenommen.

Es tut schon weh, wenn man nur noch wenig unterrichten kann." Er hätte auch Handwerker werden oder eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen können. Auch ein Angebot als Manager in der freien Wirtschaft hat er mal bekommen. Der Vater von vier Kindern ist aber Lehrer geworden. "Weil ich immer Interesse an der Sprache hatte, und Spaß daran, diese zu vermitteln."

Englisch hat er studiert und Deutsch. Nach dem Referendariat im Studienseminar in Bonn, wo er 1974 bis 1976 am Friedrich-Ebert-Gymnasiums unterrichtete, heuerte er für vier Jahre am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium in Oberkassel an. Über das Abendgymnasium in Bonn, wo er für kurze Zeit kommissarischer Leiter war, kam er 1994 nach Sankt Augustin ans RSG.

40 Jahre lang ist Jürgen Franz nun Lehrer. Eine Zeit, in der er nicht nur das RSG und 20 Abiturjahrgänge geprägt, die Profilklasse und den bilingualen Zweig eingeführt hat. Eine Zeit, die auch ihn geprägt hat. "Es fällt mir schon schwer, zu gehen. Das ist sehr ambivalent."

Einerseits freue er sich auf weniger Verantwortung, mehr Ruhe und seine Hobbys. "Andererseits hänge ich so an der Schule. Ich gebe ja etwas auf, was einen Großteil meines Lebens beeinflusst hat", sagt er und blickt aus dem Fenster. Nach und nach hat er alles Persönliche aus seinem Büro entfernt. Die Geschenke, den Schildkrötentisch, die Fotos. Nur noch der Personaleinsatzplan hängt an der Pinnwand - Abschied auf Raten hin zu kühler Sachlichkeit. "Das macht es etwas leichter."

Obgleich: Nebenan im Sekretariat können die Franzschen "Büroleiterinnen" noch überhaupt nicht mit dem Gedanken leben, dass ihr Chef bald weg ist. Sie können sich trösten: Er lässt jede Menge zurück, vor allem seine Herzlichkeit.

Und er schaut nach vorne, wie es seine Art ist, hat viele Pläne. Erstmalig will er Irland bereisen, mit der Familie. Und dann geht es ans Frickeln für den Oldtimerfan. Für alles, was nach Benzin und Öl riecht und knattert, wird der talentierte Bastler dann mehr Zeit haben. Einen MG M-Type aus dem Jahr 1932 fährt er selbst. Der September ist schon ausgebucht mit Rallyes in Großbritannien.

Musik machen kann Jürgen Franz auch. Sein Bass-Spiel, das er in den 90er Jahren als junger Mann auf Jamaika perfektioniert hat, will er wieder intensivieren und seine geliebte Reggae-Musik mit der Band "Cool Runnings" spielen - ein "Rasta-Mann" in Rente.