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GA-Serie "Was steckt eigentlich hinter...?": Der Siegfried aus Hangelar

GA-Serie "Was steckt eigentlich hinter...?" : Der Siegfried aus Hangelar

Die Sankt Augustiner Siegfried-Statue steht weitgehend unbeachtet am Niederberg. Das Denkmal ist ein Mahnmal gegen Faschismus und Krieg.

Unbekleidet steht er breitbeinig auf einem massiven altarförmigen Unterbau und hält ein Schwert in seiner rechten Hand. Die vier Meter hohe Siegfried-Statue befindet sich bereits seit dem Jahr 1938 an der Konrad-Adenauer-Straße in Hangelar. Umgeben ist sie von einer wuchernden Rasenfläche, und halbkreisförmig umrahmt eine alleeartige Baumstellung aus Buchen und Linden die steinerne Figur. Die gesamte Anlage zählt zu den wenigen älteren Relikten am „Alten Niederberg“ und ist ein Denkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges.

Geschaffen hat sie der Kölner Bildhauer Adalbert Hertel, der auch ein Buisdorfer Gefallenendenkmal anfertigte. Mehr als fünf Meter misst die aus Eifeler Basaltlava gefertigte Figur samt Unterbau. Mit einer Sockelbreite von vier Metern nimmt sie auf dem Areal viel Platz ein. Dennoch fällt das Gesamtwerk von der Straße aus nicht sofort ins Auge. Denn die Lichtung, auf der es steht, liegt an einem Waldrand und ist einige Meter von der Hauptverkehrsstraße entfernt.

Das Monument, das einen ungepflegten Eindruck macht, ist ein Zeitzeugnis und kunsthistorisch sowie geschichtlich interessant: An der linken Seite des Unterbaus ist groß die Jahreszahl 1914 eingraviert und dokumentiert den Kriegsbeginn. Ergänzend dazu ist auf der rechten Seite die Jahreszahl 1918 für das Kriegsende zu sehen. Auch eine martialische Inschrift, die in den Unterbau graviert ist, deutet auf die Funktion der Statue hin: „Helle Wehr – Heilige Waffe – Hilf meinem ewigen Eide“ steht dort in Großbuchstaben zu lesen. Mit dem Schwert, das der Siegfried hält, erinnert die Gesamterscheinung an die Dolchstoßlegende, eine Verschwörungstheorie der deutschen obersten Heeresleitung. Diese sah die Schuld für das Scheitern des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg bei der Sozialdemokratie.

Umstritten war die Figur bei der Hangelarer Bevölkerung aufgrund ihres unbekleideten Zustandes laut damaliger Berichte aus dem Stadtarchiv. Daraus entwickelte sich eine lange Diskussion um den passenden Standort in der Gemeinde. „Schließlich einigten sich alle Beteiligten auf einen bewaldeten Platz an der Straße nach Hoholz, weit außerhalb des damaligen Ortskerns“, sagt die Sprecherin der Stadt Sankt Augustin, Eva Stocksiefen.

Noch heute steht die Statue dort und bleibt daher weitgehend unbeachtet. „Unter Denkmalschutz steht dieses steinerne Werk seit 1991“, so Stocksiefen. Bronzetafeln am Sockelblock geben entsprechende Erläuterungen zu der Figur des idealisiert-mittelalterlich gestalteten Kriegers. So stehen direkt unter dem Krieger folgende Zeilen: „Diese Siegfried-Statue wurde 1938 als Ehrenmal für die Toten des Ersten Weltkrieges errichtet. Die nationalsozialistische Weltanschauung missbrauchte die germanische Sagengestalt Siegfried als Symbol des kampfbereiten Helden. Uns und den nachfolgenden Generationen möge diese Statue eine Mahnung sein, Faschismus und Krieg zu ächten“.

Erst seit dem Jahr 1996 hängt diese Gedenktafel an der Vorderseite des Sockels. Stocksiefen bezieht sich auf Quellen aus dem Stadtarchiv und sagt: „Dazu gab es eine ausführliche Diskussion und einen entsprechenden Beschluss des Kulturausschusses.“ Zu verstehen ist die Siegfried-Statue heute also als Mahnmal gegen Faschismus und Krieg.

Vielen Anwohnern ist das Denkmal nicht wirklich bekannt. Das liegt vor allem an dem abgelegenen Standort und dem verwitterten Zustand der gesamten Anlage. Der rutschige Schlamm rund um das Monument lade nicht zum Gedenken und Innehalten ein. „Außerdem gibt es kaum Sitzmöglichkeiten“, sagt Anwohner Dominik Antruejo. „Sehr weit entfernt stehen zwar zwei Parkbänke, aber der Ort wirkt insgesamt einfach verwahrlost.“ Zudem würden keine Schilder auf das wichtige Denkmal verweisen, und gut sichtbar sei es auch nicht. Der Archäologie- und Geschichtsstudent findet das schade, da das Siegfried-Denkmal ein wichtiger Gegenstand der Vergangenheit sei. Von der Stadt wünscht er sich, dass diesem Monument mehr Aufmerksamkeit und Pflege entgegengebracht wird.