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Feuerwehr Sankt Augustin: Die Feuerwehr spürt mit einer Drohne Waldbrände auf

Feuerwehr Sankt Augustin : Die Feuerwehr spürt mit einer Drohne Waldbrände auf

Höchste Alarmstufe für den Wald der Region: Bei anhaltender Hitze und Trockenheit ist die Gefahr groß, dass es im Wald brennt. Die Sankt Augustiner Feuerwehr spürt die Brände jetzt mit einer Drohne auf.

Zuerst die beruhigende Nachricht: Bei ihrem ersten Einsatz über dem Sankt Augustiner Wald, einige Stunden vor den Samstagnacht-Gewittern, entdeckte die Drohne keinen Brand. Nicht das kleinste Rauchwölkchen über den immer noch überraschend grünen Bäumen gab Hinweise darauf, dass dem Wald Gefahr droht.

Um den Sankt Augustiner Wald von oben zu sehen, war bislang der Einsatz eines Hubschrauber-Teams notwendig. Das geht mit der Drohne deutlich weniger aufwändig, komfortabler – und kostengünstiger, wie Sascha Lienesch betont, der Pressesprecher der Sankt Augustiner Feuerwehr. Beobachten können die Feuerwehrleute die Bilder direkt vor Ort, in einem Wagen, der auch als mobile Einsatzleitstelle dient. Zwei große Bildschirme, einer im Wagen, einer an der Außenseite, liefern die Bilder der Drohne.

Entdeckt sie ein Feuer, könne von hier aus gleich der Einsatz koordiniert werden, so Lienesch. Die genaue Geo-Position liefert dann ebenfalls die Drohne. Die Feuerwehrleute vor sorgen dafür, dass die mit mehreren Tausend Litern Wasser beladenen Lastwagen in den Wald kommen. Dafür zu sorgen, dass genügend Wasser an die Brandstelle komme, sei eine Herausforderung bei Waldbränden, beschreibt der Pressesprecher. „Da gibt es leider keine Hydranten.“ Anders als in anderen Waldgebieten im Kreis gibt es in Sankt Augustin auch keine Löschteiche, aus denen die Feuerwehr Wasser holen könnte.

Drohne überwacht Waldbrandgefahr aus der Luft

Vorreiter in Sachen Technologie

Die Sankt Augustiner Feuerwehr ist im Kreis Vorreiter in Sachen Technologie. „Wir waren die ersten, die eine Drohne hatten“, erzählt Lienesch. Zunächst war das eine handelsübliche Drohne, mit der die Feuerwehrleute ausprobierten, wie sie sich einsetzen lässt. Seit etwa anderthalb Jahren ist beim Löschzug Hangelar nun eine professionelle Drohne im Wert von 25.000 Euro stationiert. Fliegen darf das wertvolle Stück Technik nur, wer dafür speziell ausgebildet ist. Neben Christian Groß, dem Drohnenpiloten von Samstagnachmittag, gibt es neun weitere Piloten bei der Sankt Augustiner Feuerwehr.

Auf die Suche nach möglichen Brandherden im Sankt Augustiner Wald machte sie sich am Samstag zum ersten Mal. Ihr Einsatzgebiet ist aber groß: Bei Großbränden liefere sie Bilder von der Lage ebenso wie bei Gefahrgutunfällen. Dank der eingebauten Wärmebildkamera hilft sie aber auch bei der Suche nach vermissten Personen.Anders als private Piloten darf die Feuerwehr ihre Drohne auch über Menschen, Unfälle oder die Siegburger Justizvollzugsanstalt lenken.

„Wir müssen immer auf Sicht fliegen“ schildert Lienesch die Voraussetzungen für den Drohneneinsatz. Zu sehen ist das Fluggerät in einem Radius von etwa zwei Kilometern. Damit die Drohne bei nächtlichen Einsätzen nicht nur von oben, sondern auch vom Boden aus gut sichtbar ist, hat Pilot Christian Groß sie mit einem Fahrradrücklicht ausgestattet. „Auch die Software für unsere mobile Einsatzleitstelle haben Kameraden selbst programmiert“, erzählt Lienesch stolz.

Enge Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren

Und er betont, wie froh er sei, dass die Stadt Sankt Augustin ihre Feuerwehr mit moderner Technik ausrüstet. „Das hier ist alles der neueste Stand der Technik“, sagt er. Und mit Blick auf die leere Stadtkasse fügt er hinzu: „Das hält jetzt auch die nächsten 15 bis 20 Jahre.“

Es gibt inzwischen auch weitere Feuerwehren im Rhein-Sieg-Kreis, die mit Drohnen arbeiten. Außerdem arbeiten die Feuerwehren aber auch eng zusammen. „Auf Wunsch überprüfen wir natürlich auch in einer der anderen Kommunen im Kreis, ob es möglicherweise eine Brandherd im Wald gibt“, sagt Lienesch.

Die Waldbrandgefahr ist in den vergangenen Jahren überall im Kreis gestiegen. Mit dem Klimawandel waren die Sommer in den vergangenen Jahren zunehmend heißer und trockener. „Wir sind vorbereitet und bereiten uns auch weiter vor“, sagte Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg dazu bereits Anfang 2020. Der Rhein-Sieg-Kreis hat deshalb 2019 die Alarmbereitschaft Waldbrand gegründet. Im Fall der Fälle rücken mit ihr 80 Feuerwehrleute in sechs Verbänden aus, im Gepäck sechs Kilometer Schlauch und 45.000 Liter Wasser.

Langfristige Vorbeugung vor Waldbränden

Waldbrände stellen eigene Anforderungen an die Ausrüstung der Feuerwehren und der Feuerwehrleute. So sind bei einem Brand im Siebengebirge wendige, geländetaugliche Feuerwehrwagen nötig – und die gebe es auch, betont Engstenberg. Auch die passende persönliche Ausrüstung sei teilweise da. Für die Bekämpfung von Waldbränden benötigen die Feuerwehrleute leichtere und atmungsaktivere Schutzkleidung als bei Wohnungsbränden.

Eine große Rolle spielt auch die langfristige Vorbeugung gegen Waldbrände. So achtet das Forstamt Rhein-Sieg-Erft darauf, dass die natürlichen Feuerschutzstreifen freigehalten. Das Forstamt versucht, die Kommunen dazu zu bewegen, bei der Bauleitplanung einen Sicherheitsabstand von 35 Metern von der Bebauung zum Wald einzuhalten. Sonst bestehe die Gefahr, dass schon ein Funke vom Grillen im Sommer den Wald entzündet. Damit es nicht soweit kommt, bleiben alle Beteiligten in engem Kontakt. Regelmäßige Gespräche zwischen den Feuerwehren, dem Forstamt und den Kommunen sollen auch in Zukunft größere Waldbrände in der Region verhindern.