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Stadtwald von Sankt Augustin: Die Tage der Fichte im Pleiser Wald sind gezählt

Stadtwald von Sankt Augustin : Die Tage der Fichte im Pleiser Wald sind gezählt

Jahrzehntelang galt die Fichte als „Brotbaum der Forstwirtschaft“, schnell wachsend und ertragreich. Doch die Hitze und Trockenheit der vergangenen Sommer und vor allem der Borkenkäfer hat den Bäumen schwer zugesetzt. Im Pleiser Wald fallen die Bäume jetzt großflächig.

Der Lärm dröhnender Kettensägen und das Krachen fallender Bäume zeugen im Pleiser Wald vom Ende der Ära der Fichte: Jahrzehntelang galt sie als „Brotbaum der Forstwirtschaft“, schnell wachsend und ertragreich. In nahezu jedem gezimmerten Dachstuhl ist ihr Holz zu finden, aber auch in jeder Forstwirtschaft steht sie in großer Population. Die seit wenigen Jahren in Heerscharen in Wäldern einfallenden Borkenkäfer haben mit den durch Dürre gestressten Bäumen leichtes Spiel gehabt. „Eigentlich war es unser Ziel, im Pleiser Wald die Fichte mittelfristig zu entfernen und durch heimische Laubbäume zu ersetzen“, erklärt Revierleiter und Revierförster Gerhard Pohl von Wald und Holz NRW. „Die Natur hat unseren Plänen einen radikalen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Was das bedeutet, zeigt Gerhard Kasper, Diplom-Forstwirt und Leiter des städtischen Büros für Natur- und Umweltschutz, anhand eines Lageplans, auf dem die Fichtenbestände markiert sind. Die meisten der 70 Jahre alten Bäume wurden und werden gefällt. Spätestens zwei Jahre nach einem starken Borkenkäferbefall steige die Bruchgefahr der Bäume erheblich. So seien sichere Fällungen kaum möglich, sagt Kasper, während Arbeiter mit Kettensägen und einem großen Greifbagger auf knapp zwei Hektar Waldfläche Fichte um Fichte niederlegen, von Ästen befreien und sauber für den Transport in regionale Sägewerke stapeln, wo das Holz später vermarktet wird.

Fichten wird es nicht mehr geben

„Hier wird es zukünftig keine Fichten mehr geben“, resümiert der studierte Forstwirt. „Wir werden nach Abschluss der Arbeiten die Flächen mit Stieleichen und Hainbuchen bepflanzen. An anderen Stellen finden sich auch Ebereschen, Birken und Ahorn als Naturverjüngung und an den Rändern werden wir voraussichtlich Kirschen anpflanzen.“ Dem Wald eine Zukunft zu geben, das sei derzeit die große Herausforderung, erklären Pohl und Kaspar bei einem Rundgang durch den Wald, der im Wesentlichen vier Anforderungen bedienen solle: Land- und Bodenschutz, Freizeitwert für Erholungssuchende, dazu der Natur- und Artenschutz und zuletzt auch Forstwirtschaft.

Letzterem hat der Borkenkäferbefall stark zugesetzt: Die nur wenige Millimeter großen Käfer fressen sich in die Borke der Bäume und paaren sich dort. Die Nachkommen fressen sich waagerecht wie ein Spinnennetz durch die Borke und zerstören dabei vereinfacht gesagt die für den Baum lebenswichtigen Versorgungskanäle für Wasser und Nährstoffe. Kommt Dürre dazu, fehlt den Bäumen das Wasser, um ausreichend Harz zu produzieren, mit welchem vitale Bäume kleinere Borkenkäfer-Angriffe in Schach halten können.

Förster setzen auf Stieleichen und Hainbuchen

Tatsächlich habe der Wald anfangs kein echtes Dürreproblem gehabt, erklärt Revierleiter Gerhard Pohl. „Ziemlich nah unter dem Boden liegt eine dicke Tonschicht, die das Wasser nicht versickern lässt. Diese Schicht hat die Bäume gut mit Wasser versorgt und bewirkt, dass die Fichten in den ersten Jahren noch recht gut mit dem Borkenkäfer zurechtkamen und wir erst jetzt mit der massiven Ausbreitung zu kämpfen haben.“ 

Stieleichen und Hainbuchen würden mit den sich wandelnden klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen, zeigt der Revierförster auf einer Fläche, die nach der Anpflanzung junger Bäume zum Schutz vor Wildverbiss großflächig eingezäunt wurde: „Eichen müssen geschützt und dann auch früh gepflegt werden. In etwa 30 Jahren werden wir erste Fällungen als Pflegemaßnahme durchführen und die letzten dieser Eichen werden vermutlich erst in 200 Jahren gefällt.“ Mit welchen klimatischen Veränderungen und neuen Bedrohungen und Schädlingen der Wald bis dahin konfrontiert wird, wissen Kasper und Pohl natürlich nicht. Nur: Die Fichte werde erst einmal keine Rolle mehr spielen, betont Diplom-Forstwirt Kasper. „Es gibt die Hoffnung, dass die Fichte sich verändert und an die Borkenkäfer anpassen wird. Ob das gelingt, wird man aber erst in vielen Jahren sehen.“