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„Grüne Mitte“ in Sankt Augustin: Differenzen bei Naturschutzprojekt

„Grüne Mitte“ in Sankt Augustin : Differenzen bei Naturschutzprojekt

Ärger, Druck und Drohungen hat eine angekündigte Fotopräsentation zu privaten Naturschutzprojekten von Diplom-Biologe Andreas Fey aus Sankt Augustin mit sich gebracht.

Blühstreifen und artenreiche Grünstreifen entlang der Straßen, Naturschutzflächen, Streuobstwiesen, die „Grüne Mitte“ am Grünen C: Für ihre Bemühungen um mehr Stadtgrün hat die Stadt Sankt Augustin Anfang Oktober das Label „StadtGrün naturnah“ in Silber verliehen bekommen. Ein Aushängeschild für ein grünes Image, bei welchem Kritik offenbar unerwünscht ist. Das sagt zumindest der Mendener Diplom-Biologe Andreas Fey, der private Streuobstwiesen, Teiche und Tümpel für Amphibien und Insekten, Blühwiesen, Ackerflächen für Urgetreide und Projekte zur Wiederansiedlung von Rebhühnern unterhält.

Ein Teil seiner Projekte sei in der Bewerbung um das Label aufgeführt worden, sagt Fey, der seine Projekte Anfang September in der Sitzung des Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschusses hätte vorstellen sollen. Dazu kam es jedoch nicht. Wenige Stunden vorher sei Fey ausgeladen worden, nachdem er sich geweigert hätte, kritische Worte und Anregungen zur besseren Zusammenarbeit aus seinem Vortrag zu streichen.

Der damalige Ausschussvorsitzende Marc Knülle (SPD) hatte Fey nach einem persönlichen Gespräch die Gelegenheit zur Vorstellung einräumen wollen, in seiner Rolle als Bürgermeisterkandidat aber auch Wahlwerbung mit den Projekten der städtischen „Grünen Mitte“ gemacht. So hatte die Stadt am 4. August den Ausschuss zu einer Radtour zu den Projektflächen eingeladen, die Einladung aber am 10. August wieder zurückgezogen – „aufgrund sich mehrender Befürchtungen aus der Politik“, das Grüne C und die „Grüne Mitte“ könnten in den Wahlkampf hineingezogen werden.

Absage für Vortrag erhielt Fey nicht

Von der Absage erfuhr Fey erst 14 Tage später über Dritte. Eine Absage für den Vortrag im Ausschuss erhielt Fey nicht und ließ noch am Vormittag des Sitzungstages für mehrere hundert Euro seine Präsentation für die Ausschussmitglieder drucken und binden. Verteilen durfte der Diplom-Biologe seine Unterlagen, sprechen durfte er nicht.

Die Stadt beteuert, es sei ein Versäumnis gewesen, nach der Absage der Radtour nicht auch den entsprechenden Tagesordnungspunkt in der Sitzung zu streichen, hatte zugleich aber über den Technischen Beigeordneten Rainer Gleß in der Absage der Radtour an die Politik mitgeteilt: „Das Thema verbleibt dennoch auf der Tagesordnung für den 01.09.2020.“ Am Sitzungstag sei Fey gegen 14 Uhr ausgeladen worden wegen „angeblicher Bedenken, der Ausschussvorsitzende, der zugleich auch Bürgermeisterkandidat war, könne das Thema für sich ausnutzen“.

Mehrere fraktions- und rathausinterne Informationen, die dem General-Anzeiger vorliegen, zeichnen ein anderes Bild: Bereits in den Tagen vor der Präsentation soll das städtische Büro für Natur- und Umweltschutz (BNU) dem eingeladenen Biologen Druck gemacht haben, seine Präsentation im Detail mit der Stadt abzustimmen. Insbesondere Feys Vorschläge und Forderungen für mehr Unterstützung habe das BNU unterbinden wollen. Die Stadt erklärt unterdessen auf Nachfrage, Feys Präsentation „sollte er im Sinne des gemeinsamen Tagesordnungspunktes mit der Fachverwaltung abstimmen. Dies erfolgte bis zum Sitzungstermin nicht“. Andreas Fey hält sich unterdessen mit Details zurück: „Es gab Differenzen.“

Schließlich war es die FDP-Fraktion, die am Sitzungstag morgens gegen 9 Uhr mit Nachdruck um Verschiebung des Vortrags bat, nachdem sie „bei der Durchsicht der Tagesordnung“ das Risiko entdeckt hätte, der Tagesordnungspunkt könnte zu Wahlkampfzwecken und mit politischen Forderungen des Ini­tiators aufgeladen werden“. Von einem Streit über Inhalte oder gar im Raum stehende Drohungen, die Zusammenarbeit zwischen Stadt und dem privatem Umweltschützer könnte aufgekündigt werden, wollen die meisten Fraktionen nichts gewusst haben, als sie der FDP-Bitte hinter den Kulissen zugestimmt hätten.

Fey rät zu besseren Mähkonzepten

Zeitpunkt, Art und Weise des Antrags und der Ausladung hält Andreas Fey für keinen Zufall: „Man hatte Sorge, dass öffentlich wird, dass außer Ankündigungen und ein paar Hinweistafeln bislang keine nachhaltige Unterstützung seitens der Stadt gekommen ist. Mich ärgert die Art und Weise, wie hier mit privatem Engagement der Bürger umgegangen wird.“

Die eigentlichen Forderungen des Diplom-Biologen lesen sich in der im Ausschuss an die Politik ausgehändigten Präsentation, die dem GA vorliegt, unterdessen unspektakulär: Fey rät zu besseren Mähkonzepten und dem Verzicht auf Schlegelmäher, um Insekten und Niederwild auf den städtischen Blühstreifen besser zu schützen. Zudem könnte die Stadt bei der Verpachtung ihrer Grundstücke an Landwirte darauf hinwirken, biologischen Anbau oder Vertragsnaturschutz anzuwenden. Voraussichtlich Anfang Dezember soll Fey erneut die Gelegenheit haben, seine Projekte und „mögliche Unterstützungsmaßnahmen“, wie sie in der Präsentation stehen, vorzutragen.