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Spichelsfeld in Sankt Augustin: Ein Wohnquartier wird zur Klimasiedlung

Spichelsfeld in Sankt Augustin : Ein Wohnquartier wird zur Klimasiedlung

Klimasiedlung lautet der Titel für das Spichelsfeld schon. Klimafreundlich soll das Wohnquartier erst noch werden. Die Stadt will attraktiv bleiben und richtet ihr Augenmerk auf in die Jahre gekommene, aber noch immer durchaus attraktive Wohnsiedlungen.

Es geht um Modernisierung, Klimaschutz, Inklusion inklusive Barrierefreiheit, energetische Sanierung und eine attraktive Grüngestaltung. Kurzum darum, die Lebens- und Wohnqualität des zentrumsnahen, mit rund 450 Wohneinheiten bestückten Quartiers nachhaltig zu sichern und so auch für Neubürger interessant zu bleiben.

Damit soll verhindert werden, dass - wie in vielen anderen Städten bereits geschehen - ganze Stadtviertel verwaisen. Dazu bekommt die Stadt Fördergelder aus dem Programm "Stadtsanierung" der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

"Es ist ein Pilotprojekt", sagte Rainer Gleß, Sankt Augustins erster und zugleich technischer Beigeordneter, gestern bei der Vorstellung des Projektes. Auch die Berliner Siedlung in Sankt Augustin-Ort ist dafür ausgewählt, wenngleich mit einer Bestandsaufnahme zunächst in der Siedlung "Im Spichelsfeld" begonnen wird.

"Wir wollen nicht die Welt retten, aber wir wollen versuchen, das Klimaschutzziel im Jahr 2020 zu erreichen", sagte Gleß. Das sei eine Minimierung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 40 Prozent. Es gelte, "global zu denken und lokal zu handeln".

Das Spichelsfeld ist ein ganz besonderes Quartier aus Sicht der Stadtplaner: Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre entstanden und weitgehend aus Fertigbetonteilen in kurzer Zeit errichtet. "Es ist aber auch ein schönes Gebiet mit ausgeprägter Wohnqualität, allerdings technisch in die Jahre gekommen", sagte Gleß.

Überwiegend sind dort ganze Reihen mit bis zu zwölf Einfamilien-Reihenhäusern gebaut worden, und das laut Gleß wenig klimafreundlich. Nun wolle man die Siedlung auf Vordermann bringen, gemeinsam mit den Bewohnern und Eigentümern. Dabei geht es nicht nur um neue Heizungen oder Fassadendämmung.

"Es geht auch um infrastrukturelle Dinge", sagte Natalie Nellißen, Klimaschutzmanagerin der Stadt Sankt Augustin. "Etwa um die Straßenbeleuchtung, Grünzüge oder die E-Mobilität. Auch ein gemeinsames Blockheizkraftwerk könnte ein Thema sein." Die Bürgerschaft sei mit einem Schreiben schon informiert worden, erste Rückmeldungen seien auch schon zu verzeichnen. Grundsätzlich werde das Projekt begrüßt.

Sorgen, dass sie zu etwas gezwungen wird, muss sich die Bürgerschaft im Spichelsfeld nicht. "Wir wollen den Bürgern nichts aufzwingen, aber wir wollen ihnen Entscheidungshilfen an die Hand geben und Überzeugungsarbeit leisten, wenn es um die energetische Sanierung der Immobilien geht", sagte Gleß. Die Eigentümer könnten zwecks Sanierung eine ganze Häuserreihe auch zusammen in Angriff nehmen. "Dann wird es vielleicht günstiger", ergänzte Nellißen. Begleiten soll den Prozess ein Quartiersmanager, der eingestellt wird.

Für Rosa Hemmers von der von der Stadt beauftragten Firma "SynergieKomm" geht es nun erst einmal darum, ein Bestandsaufnahme zu machen und Potenziale freizulegen. "Es geht hier auch darum, neue Impulse zu setzen, auch im Sinne der Nachbarschaft."

Das Spichelsfeld

Das Wohngebiet "Im Spichelsfeld" liegt nahe des Zentrums und umfasst etwa 400 Einzelgrundstücke. Es ist Ende 70er Jahre entwickelt worden. Die Gebäude sind in Bungalow-Bauweise errichtet worden und zeichnen sich durch eine unkonventionelle, aber in sich homogene Struktur aus.

Im Zentrum der Siedlung befindet sich ein Kinderspielplatz, am Rande eine Kindertagesstätte. Energetisch sind die Gebäude allerdings in die Jahre gekommen. Weitere Informationen gibt es unter www.sankt-augustin.de/klimasiedlung. Ansprechpartnerin ist Natalie Nellißen, Tel. 02241/243601 oder E-Mail: natalie.nellissen@sankt-augustin.de.