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Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin: Eltern besorgt um Zukunft der Kinderorthopädie

Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin : Eltern besorgt um Zukunft der Kinderorthopädie

Die Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin möchte die Abteilung Kinderorthopädie nach eigener Aussage weiterführen. Von einigen Stimmen gibt es daran Zweifel.

Folgt auf das Kinderherzzentrum die Kinderorthopädie? Eltern befürchteten bereits im vergangenen Jahr, dass in der Asklepios Kinderklinik in Sankt Augustin die nächste Abteilung kurz vor der Schließung steht. Der Hintergrund: Chefarzt Professor Urs von Deimling ist zum 31. März in den Ruhestand gegangen, und sein Stellvertreter, Oberarzt Klaus Vedder, erreicht ebenfalls bald das Rentenalter.

Ein Vater, dessen Sohn in der Kinderorthopädie behandelt wird, sieht aktuell keine Zukunftsperspektive. Er fürchtet, dass von Seiten des Konzerns nicht mit genug Nachdruck nach einem Nachfolger gesucht werde, sagte er im Gespräch mit dem GA. Dem tritt Asklepios-Regionalgeschäftsführer Klaus Schmolling, der zurzeit auch die Klinik in Sankt Augustin führt, entgegen.

Auf GA-Anfrage berichtete er, dass die Kinderorthopädie im bisherigen Umfang weitergeführt werde. „Wir sprechen aktuell wieder mit einem Kandidaten, der neuer Chefarzt der Abteilung werden soll“, sagte Schmolling. Auch Urs von Deimling stehe dem Team weiter mit Rat und Tat zur Seite: „Er kommt rein und macht OPs zusammen mit den Kollegen.“ Schmolling plant auch für 2021 mit fünf Ärzten in der Kinderorthopädie.

Fallpauschalen zu gering

Der Betrieb der Kinderklinik bleibt defizitär, was laut Schmolling vor allem an den zu geringen Fallpauschalen in der Kindermedizin liegt. Wie berichtet, hatte der Asklepios-Konzern im vergangenen Jahr einen Antrag auf Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds des Landes zur Schließung der Klinik gestellt, über den noch nicht entschieden ist. Alternativ wurde ein Sicherstellungszuschlag zum Weiterbetrieb der Klinik beantragt.

Der vorherige Geschäftsführer Uwe Jansen hatte in der Sitzung der Kommunalen Gesundheitskonferenz für den Rhein-Sieg-Kreis am 9. Oktober 2019 berichtet, dass man davon ausgehe, dass der Antrag auf Schließung nicht erfolgreich sein werde. Man sei auf die Genehmigung des Sicherstellungszuschlags angewiesen.

Diesen gibt es aber bislang nur für die Erwachsenenmedizin. Laut Schmolling wurde der beim Land NRW gestellte Antrag inzwischen auch mit genau dieser Begründung abgelehnt. „Ich glaube, dass das Land damit nicht richtig liegt. Wir haben gegen den ablehnenden Bescheid Widerspruch eingelegt“, sagte der Regionalgeschäftsführer.

2016 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken bundeseinheitliche Vorgaben für die Vereinbarung von Sicherstellungszuschlägen beschlossen. Ob die vorgegebenen Kriterien von einem Krankenhaus erfüllt werden, wird von den Landesbehörden überprüft. Die Zuschläge dienen vor allem dazu, Krankenhäuser in dünn besiedelten Regionen zu erhalten.

Konzern erhält Zuschuss für Klinik auf Sylt

Auf der am 30. Juni beschlossenen Liste der Krankenhäuser, die im Jahr 2021 einen zusätzlichen Vergütungsanspruch von 400 000 Euro haben, ist die Sankt Augustiner Kinderklinik nicht drauf. Wohl aber vier andere Asklepios-Kliniken auf der Nordseeinsel Sylt, in Parchim und Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in Schwalmstadt (Nordhessen). Der Asklepios-Konzern hatte im Jahr 2019 einen Gewinn 172 Millionen Euro erwirtschaftet. Aktuell gibt es, wie berichtet, keine Gespräche über den Verkauf des Standorts Sankt Augustin.

Für Knut Kornau vom Gesundheitsbündnis Bonn/Rhein-Sieg, das sich unter anderem für eine bedarfsgerechte wohnortnahe Versorgung sowie für mehr Personal im Gesundheitswesen stark macht, hat sich an der Hängepartie in Sankt Augustin bisher nichts geändert. „Nach wie vor ist die Zukunft der Kinderklinik Sankt Augustin unsicher“, so Kornau. „Auch wenn in unregelmäßigen Abständen von Hoffnungsschimmern berichtet wird, zerstieben sie wie Seifenblasen meist kurz danach.“