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FSJ in Sankt Augustin: Wie eine 20-Jährige Gemeindearbeit erlebt

Freiwilliges soziales Jahr in Sankt Augustin : Wie eine 20-Jährige die Arbeit in der evangelischen Kirchengemeinde erlebt

Von Einblicken in das Gemeindewesen bis zur Organisation von Workshops: Angelina Gollenbeck absolviert ein freiwilliges soziales Jahr in der evangelischen Kirchengemeinde Menden und Meindorf.

Angelina Gollenbeck ist in Sankt Augustin-Menden geboren, getauft, und konfirmiert worden. Sie hat dort die Realschule und die Gesamtschule besucht. Danach ging es der heute 20-Jährigen wie vielen Schulabgängern. „Als ich mit der Schule fertig war, wusste ich nicht wirklich, wohin mit mir“, meint sie. Deshalb arbeitete sie in der evangelischen Kirchengemeinde Menden-Meindorf, zu der sie seit ihrer „Konfi-Zeit“ eine immer engere Bindung bekam, als Ergänzungskraft. Dank der Emmaus-Stiftung gibt es in diesem Jahr erstmals eine Stelle für ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) – und Angelina griff zu.

„Für mich war das eine tolle Möglichkeit, nicht nur mein Fachabitur zu bekommen, sondern auch das Gemeindewesen besser kennenzulernen“, sagt die 20-Jährige. Sie habe etwa erfahren, was hinter dem Dia­konie-Frühstück oder einem Gemeindefest stecke. Zudem habe sie sehr schnell gemerkt, dass sie sich eine ähnliche Aufgabe durchaus für ihr gesamtes Arbeitsleben vorstellen könnte.

Vieles kannte Angelina schon, als sie im Februar als FSJlerin ihren Dienst antrat. Neu für sie war insbesondere der Arbeitsbereich des Küsters und die Arbeit im Gemeindebüro. „Wie viele Leute dort tatsächlich anrufen und welche Anliegen sie haben“, damit hätte sie nicht gerechnet. Neben den Terminen und Absprachen zu Hochzeiten oder Taufen seien auch viele Fragen rund um Corona vorgetragen worden.

Angelina hat ihr eigenes Büro im Mendener Gemeindezentrum an der Von-Galen-Straße und erledigt dort viele Aufgaben eigenständig. Einbezogen war sie in die Planung des Ferienprogramms, das die ausgefallene Fahrt nach Spiekeroog so gut es geht ersetzen soll. „Ich organisiere das Programm nicht mit, sondern kümmere mich im Hintergrund mit darum, dass alles funktioniert“, sagt sie. Angebote gibt es über die gesamten sechs Wochen der Ferien. Sie richten sich an Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren. Das reicht von Ausflügen in den Zoo über Kino-Events bis hin zu Workshops, bei denen zum Beispiel Hochbeete aus Europaletten gebaut oder Sonnenschirme kreativ gestaltet werden.

Dienstags bietet die Gemeinde Workshops für Auszubildende, die nach der Konfirmation gerne in der Jugendarbeit der Kirchengemeinde mitarbeiten wollen, mittwochs stehen in der Regel Ausflüge auf der Agenda und donnerstags gibt es unterschiedliche Stationen zum Basteln, Spielen oder um sich sportlich zu betätigen. „Jeder kann so aussuchen, was ihn interessiert und vorbei kommen“, sagt Angelina Gollenbeck. Rund 20 Jugendliche treffen sich in der Regel zu diesen Angeboten.

„Ich mag diese Vielfalt einfach und auch das Quatschen mit den Jugendlichen“, beschreibt die FSJlerin ihre Motivation. Besonderen Spaß hat sie an der Planung dahinter und der Arbeit im Team. „Ohne Konfirmation und das, was danach folgte, wäre ich heute nicht die, die ich bin“, ist sich Angelina sicher. Insbesondere Teamarbeit sei nicht unbedingt ihre Sache gewesen. „Ich wollte früher immer den Ton angeben und meine Meinung durchsetzen“, sagt sie. Sie sei jetzt auf jeden Fall irgendwie menschlicher und emotionaler geworden und lasse auch andere Meinungen gelten.

Vom Freiwilligendienst ins Studium

Nach ihrem Freiwilligendienst möchte Angelina studieren, entweder soziale Arbeit oder Pädagogik. Ihre berufliche Zukunft sieht sie in einem Kinderheim oder sogar in der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche. „Auch bei uns gibt es Kinder, an die wir nur sehr schwer herankommen, und es ist besonders schön zu sehen, wie sie sich entwickeln“, sagt Angelina.

Etwas schade findet sie, dass viele Kinder in Menden – wie sie auch – vor ihrer Konfirmation nicht mitbekommen, welche Angebote die Gemeinde auch jüngeren Kindern macht. Da gebe es die Adventswerkstatt, Kindergottesdienste oder -freizeiten. Davon wüssten oft nur die Kinder, die die evangelische Kita besucht hätten, oder deren Eltern aktiv nach Angeboten suchten. Alle anderen kämen oftmals erst mit der Konfirmation in Kontakt mit der Kirchengemeinde. Für Angelina ist die Gemeinde inzwischen „ein Stück Heimat“ geworden. Das sei vor allen Dingen so, weil Jugendleiterin Petra Janke-Schmidt und Pfarrer Jan Busse immer als Ansprechpartner zur Verfügung stünden.

Religion und alles, was dahinter steckt, interessiert die 20-Jährige schon sehr, als gläubig würde sie sich dennoch nicht bezeichnen. In ihrer Freizeit malt und bastelt Angelina Gollenbeck gerne, geht im Siebengebirge spazieren oder besucht das evangelische Gemeindezentrum, um Leute zu treffen und zu quatschen.