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Gärnterei-Gelände in Sankt Augustin: Politik kritisiert Verkauf

Wohnen in Sankt Augustin : Politik kritisiert Verkauf des Gärtnerei-Geländes

Die SPD kritisiert die fehlende Kommunikation zum Verkauf des Gärtnerei-Areals in Menden scharf, die FDP will den Verkauf zum Thema bei der Ratssitzung am Mittwochabend machen.

Nach dem Verkauf des 2,1 Hektar großen Areals der ehemaligen Gärtnerei Werner mehrt sich die Kritik der Politik an der Stadtverwaltung. Der Projektentwickler Wohnkompanie hat das Gelände an das Wohnungsunternehmen Vivawest in Essen verkauft. Ursprünglich sollte das Gelände im Hinblick auf verschiedene Eigentümer und eine gemischte Preisstruktur bebaut werden. Um diese Lösung rangen Politik, Bürger und Verwaltung mehrere Jahre.

Der Verkauf an einen Großinvestor ruft deshalb viel Kritik hervor. Die Kommunalpolitiker bemängeln in erster Linie die ausbleibende Kommunikation der Sankt Augustiner Stadtverwaltung. Die FDP will den Verkauf nun per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung der Ratssitzung am Mittwochabend  bringen:

In einem offenen Brief hat die SPD-Fraktion am Dienstag Bürgermeister Max Leitterstorf (CDU) zum Handeln aufgefordert, „um weiteren entstehenden Schaden für die Stadt und den Ortsteil von Menden abzuwenden". Mit einer Akteneinsicht wollen die Sozialdemokraten Hinweisen nachgehen, dass die Stadtverwaltung nicht, wie am Freitag von Stadt und Politik mitgeteilt, erst in der vergangenen Woche über eine Verkaufsabsicht informiert worden sei. Verärgert zeigt sich die SPD über den Verkauf an ein großes Wohnungsunternehmen statt an mehrere Eigentümer oder Investoren, aber auch über die ausgebliebene Mitteilung an die Politik, denn „dies stellt eine gravierende Missachtung des Rates dar.“

Schaden für die Stadtwerke befürchtet

Die SPD rechnet damit, dass „der Verkauf keineswegs zum Wohle der Stadt ist.“ Die Begründung der Sozialdemokraten liegt in einem weiteren Geschäftsfeld des Investors: „Hinzu kommt, dass Vivawest selbst auf dem Energiemarkt tätig ist und eigene Energieversorgungslösungen in seinen Wohnquartieren realisiert.“ Die SPD befürchtet, dass das zum Schaden der Sankt Augustiner Stadtwerke sei.

Dass die geplanten 189 Wohnungen auf dem Gärtnereigelände grundsätzlich „als Eigentumswohnungen vermarktet werden oder an Investoren veräußert werden“ sollten, wie es der städtebauliche Vertrag vorsieht, ist nicht neu und wird auch von der Zech Group SE, dem nach eigener Beschreibung „finanzstarken Partner der Wohnkompanie“, bestätigt: „Alle Projekte von ‚die Wohnkompanie’ sind für den Verkauf vorgesehen, da wir kein Bestandshalter von Immobilien sind.“ Es sei daher immer schon vorgesehen gewesen, alle geplanten Wohnungen und die Kindertagesstätte zu veräußern.

Zeitplan soll eingehalten werden

„In Anbetracht der Projektgröße erfolgt dies in der Regel in einem Mix aus Verkauf an institutionelle Investoren und dem Verkauf von Eigentumswohnungen“, so ein Sprecher der Zech Group SE. Man stehe in ständigem Kontakt mit institutionellen Investoren, die derzeit eine große Nachfrage nach Wohnimmobilien hätten. „Vivawest ist einer von vielen, mit denen wir Gespräche geführt haben“, sagt der Sprecher und betont, dass die bisher erarbeiteten Zeitpläne nicht gefährdet seien. Noch laufe die Planung, Planungsrecht sei bereits geschaffen worden und ein Erschließungsvertrag werde kurzfristig abgeschlossen. Die Bauanträge sollen im nächsten Jahr im „vereinbarten Rahmen, voraussichtlich sogar etwas früher eingereicht“ werden.“

Die Projektentwickler der Wohnkompanie kündigen an, den Verkauf erst mit Fertigstellung der voraussichtlich Anfang 2022 beginnenden Erschließungsarbeiten abzuschließen und danach „das Projekt bis zum Projektende begleiten“ zu wollen. Mit dem Bau des ersten Projektteils könne 2023 begonnen und dieser nach etwa 24 Monaten fertiggestellt werden, teilt die Zech Group mit.