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Pater Rektor Martin Neuhauser: "Haben wir nicht auch eine Mission hier"?

Pater Rektor Martin Neuhauser : "Haben wir nicht auch eine Mission hier"?

Mit einem Dank für Offenheit und Engagement der Bürger Sankt Augustins hat Pater Rektor Martin Neuhauser am Samstag das Klosterfest eröffnet.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Klosterfest?
Martin Neuhauser: Wir sind mit dem Fest sehr zufrieden. Am Sonntagmorgen war es mit dem Regenwetter etwas enttäuschend, aber wir hatten einen guten Zuspruch beim Gottesdienst, das war etwas Schönes.

Dass Sie einmal das größte Missionsfest in Deutschland feiern würden, hätte zur Gründung vor 100 Jahren wohl niemand gedacht, oder?
Neuhauser: Ganz sicher nicht. Als das Kloster 1913 gegründet wurde, stand es inmitten der Hangelarer Heide, drum herum war nichts. Dass es sich so entwickelt hat, war nicht nur dem Kloster zu verdanken, sondern der gesamten Gebietsentwicklung der Stadt und des Kreises.

Und doch spürt man eine bewusstere Öffnung zu den Menschen als noch vor ein oder zwei Jahrzehnten.
Neuhauser: Sagen wir es so: Es haben sich andere Faktoren ergeben. Bis in die 60er/70er Jahre war das Haus voller Missionare. Es war nie das Bedürfnis da, sich nach außen großartig zu öffnen. Wir haben jedes Jahr 20 bis 30 Missionare ausgebildet und in die Weltmission geschickt. Darin fanden wir unsere Erfüllung. Erst in den 80er und 90er Jahren, als unsere Leute weniger wurden, fragten wir uns: Welchen Stellenwert haben wir hier vor Ort und im Ort? Haben wir nicht auch eine Mission hier, in der deutschen Ortskirche? Damit war automatisch gegeben, dass sich die Blickrichtung veränderte auf den Ort, auf das Land, in die Bevölkerung, in der auch wir leben. Wir haben uns nicht geöffnet, weil wir verschlossen waren - wir waren immer offen. Aber wir hatten einen anderen Gesichtskreis.

Zum Klosterfest haben Sie den Bogen weit gespannt. Von Frühlingsrolle bis Fußball. Aber werden auch die geistigen Angebote angenommen?
Neuhauser: Wir tischen viele geistige, geistliche und ethische Fragen auf. Das sind in dieser geballten Form einmalige Themen. Heute weiß jeder, dass wir in einer globalisierten Welt leben. Die Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden, Vermittlung von Werten sind Fragen, die man nicht nur Spezialisten stellt, sondern das sind unser aller Lebensfragen. Wie gehen wir um mit dieser Welt, die immer freier und größer wird. Da sind nicht nur wir als Missionare mittendrin, sondern wir alle als Bevölkerung. Wenn wir uns hier darüber austauschen, mit unserer weltweiten Erfahrung und mit den ethischen Prinzipien des Volkes hier, ist das eine wunderbare Symbiose.