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DLR-Institute in Sankt Augustin wollen spätestens 2025 an den Butterberg ziehen: Idealer Forschungsstandort gefunden

DLR-Institute in Sankt Augustin wollen spätestens 2025 an den Butterberg ziehen : Idealer Forschungsstandort gefunden

Die beiden in Sankt Augustin angesiedelten Instute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wachsen schnell. Schon in diesem Jahr könnte sich die Mitarbeiterzahl verdoppeln. Die Politik hat nun den Weg für den geplanten Neubau geebnet.

Die derzeit in Räumen der Konrad-Adenauer-Stiftung untergebrachten beiden Institute zum Schutz terrestrischer Infrastrukturen und für die Sicherheit der Künstlichen Intelligenz (KI) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wollen sich auf dem Areal „Auf dem Butterberg“ in Sankt Augustin ansiedeln (wir berichteten). Und das möglichst bald, um den derzeit schnell wachsenden Instituten genug Raum für weiteres Wachstum zu ermöglichen. Sofern der Grunderwerb im Sommer vollzogen würde, könnten im Jahr 2025 die beiden für das Institut wichtigsten Gebäude – ein Bürogebäude sowie eine Forschungshalle – genutzt werden. Der zuständige Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung bekräftigte am Dienstag den Ansiedlungswunsch mit einem einstimmigen Beschluss, der die Verwaltung beauftragt, hierfür alle notwendigen Schritte einzuleiten.

Der Butterberg biete für die Institute den idealen Standort, wie Bernhard Hoffschmidt, Gründungsdirektor des Instituts für den Schutz terrestrischer Infrastrukturen, und Frank Köster, Gründungsdirektor des Instituts für KI-Sicherheit, im Ausschuss erklärten. Zwar seien Alternativen im Umfeld des Dolorgiet-Geländes im Gewerbegebiet Einsteinstraße und auch am Pleistalwerk am Ortsrand von Birlinghoven geprüft worden, sagte Hoffschmidt: „Die Standorte sehen wir nicht als tauglich an. Hauptgrund ist die Nähe zur Hochschule. Den Vorteil wollen wir nicht verlieren.“ Kooperationen mit Hochschulen seien für das DLR üblich, doch die Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg etwas ganz Besonderes, betonte der Gründungsdirektor: Leitende Professoren der Hochschule seien gleichzeitig als Forscher im DLR-Institut eingesetzt, zum Teil auch als Abteilungsleitung, was einen besonders guten Transfer von Wissenschaft und angewandter Forschung ermögliche. Hoffschmidt: „Unser Institut befasst sich mit generellen Fragestellungen der Resilienz, also dem Schutz vor Störeffekten.“

Forschung an „Digitalen Zwillingen“

In drei Abteilungen wird bereits heute an Resilienzmodellen und -methoden, Detektionstechnologien sowie „Digitalen Zwillingen“ geforscht. „Ein digitaler Zwilling ermöglicht uns, zum Beispiel eine kritische Infrastruktur wie ein Kraftwerk oder auch mehrere Kraftwerke virtuell abzubilden, um daran Bedrohungen erproben zu können, was in der Praxis sonst gar nicht möglich wäre“, so Hoffschmidt.

Verzahnt ist die Forschung dabei mit Künstlicher Intelligenz. Das Institut von Frank Köster widmet sich derzeit der Erdbeobachtung, vorausschauender Instandhaltung und Produktionsoptimierungen, automatisierter und vernetzter Mobilität, Robotik und persönlichen Assistenzsystemen. „Entscheidend ist, dass die Anwendungen sicher sind – also dass sie das tun, wofür sie gestaltet und gedacht sind, und dass die Daten, über die wir unsere Umwelt zunehmend wahrnehmen werden, sicher sind – und wir uns auf die Daten auch verlassen können“, fasst Köster die Schwerpunkte des Instituts zusammen. Er betont, die Wahl des Butterberges in Sankt Augustin sei alles andere als ein Zufall gewesen: Die Nähe zu den Forschungspartnern der Region wie dem Cyber Defense Center der Telekom, dem Landeskriminalamt, dem Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie den Fraunhofer-Instituten, der Universität Bonn und der Hochschule in Sankt Augustin mit „den Netzwerken in der Region sind großartig.“

Ein offener Campus

Eine Beschreibung, die auch für das neue Bürogebäude gelten könnte: Neueste Standards bei der Versorgung mit erneuerbarer Energie, eine mögliche Kooperation bei der Wärme- und Kälteversorgung mit den Stadtwerken Sankt Augustin, eine Dachbegrünung und Maßnahmen zur Steigerung von Biodiversität und nachhaltiger Mobilität stehen auf der Agenda der Gründungsdirektoren. „Wir sind noch völlig offen, wo wir das Gebäude genau hinstellen“, betonte Hoffschmidt. Fest stehe, dass es ein offener Campus mit offenem Außenbereich sein solle.

Offen für die Nutzung durch Dritte und andere Unternehmen, die sich am Butterberg ansiedeln wollen, soll auch das Parkhaus sein, dass DLR und Stadt gemeinsam erreichten könnten. Hinter Bäumen und Hecken sowie Sicherheitszäunen verschwinden soll der Neubau einer großen Versuchshalle – ein geschützter und überwachter Sicherheitsbereich, in dem Innovationen zum Teil für und mit Kooperationspartnern getestet würden, sagte Hoffschmidt.

Eine Halle biete den Vorteil, dass sich im Inneren modulare Container mit Laboren, Lagern, EDV und Büros leicht ein- und ausbauen oder auch verschieben ließen. Hoffschmidt: „Die Arbeit mit Containern ist schneller, günstiger und nachhaltiger, als wenn man ständig ein Gebäude mit Laboren entsprechend den Anforderungen umbauen würde.“