Sport in Sankt Augustin Karl Lennartz hat ein umfangreiches Buch geschrieben

SANKT AUGUSTIN · Der 51. und umfangreichste Band der "Beiträge zur Stadtgeschichte" hat noch gefehlt. Und wer anders als der Sankt Augustiner Sporthistoriker Karl Lennartz sollte ihn schreiben. Nun liegt sie vor, die Geschichte des Sportes in Sankt Augustin. Der Titel: "Goldmedaille, Weltrekorde und Kreismeister".

 Die Radballer des Pleistaler Radfahrvereins im Jahr 1926 vor der Gaststätte Meys.

Die Radballer des Pleistaler Radfahrvereins im Jahr 1926 vor der Gaststätte Meys.

Foto: GA

Die Sankt Augustiner Sportlandschaft ist reich an Geschichten und Erfolgen, was Lennartz auf knapp 400 Seiten nach akribischer Fleißarbeit und Recherche in den Vereinschroniken und Festschriften dokumentiert.

"Als Historiker und vor allem als Sporthistoriker ist man doch eigentlich gezwungen, sich einmal mit dem Sport in der Stadt zu befassen, in der man gerne mehr als 40 Jahre gelebt hat", nennt Lennartz einen der Gründe dafür, dieses Buch geschrieben zu haben. "Und der Sport in der Stadt hat etwas zu bieten", so Lennartz. Die Anregung für das Buch bekam Lennartz von Stadtarchivar Michael Korn.

Es ist ein Stück gelebte Sportgeschichte, die der Olympia-Experte und ehemalige SPD-Stadtverordnete zusammengefasst hat - gut aufbereitet mit zahlreichen Fotos in schwarz-weiß und in Farbe, klar strukturiert und kurzweilig geschrieben.

Dabei geht es jedoch nicht nur um die Rekorde und Meisterschaften, Medaillen sowie Siege. Auch dem Schulturnen, den Sportstätten, -verbänden und -gremien sind Kapitel gewidmet. So manchem Leser wird schon beim Studium des Inhaltsverzeichnisse klar, wie facettenreich die Landschaft der Sportvereine in Sankt Augustin war und ist.

Neben den klassischen Fußball- und Schützenvereinen findet man etwa den Skeetclub Grenzschutzgruppe 9, den Pool-Billard-Club Sankt Augustin oder den Bike & Skiclub Sankt Augustin. Und wer weiß noch, dass Sankt Augustin einmal eine Kunstrad- und Radball-Hochburg war und auf freien Feld geturnt wurde, wie es die Riege des TuS Buisdorf tat.

Oder, dass auf dem Flugplatz Hangelar in den 1930er Jahren konkrete Pläne für eine Pferde- und Trabrenrennbahn entwickelt wurden.

Ein ausführlicheres Kapitel widmet sich der Zeit des Nationalsozialismus. "Bei drei älteren Vereinen hatte ich die Möglichkeit, die Protokollbücher aus der NS-Zeit einzusehen und so etwas über die politische Einflussnahme zu erfahren", sagte Lennartz. Ansonsten habe man sich in den Vereinsfestschriften kaum oder gar nicht mit der NS-Zeit befasst.

Vielleicht rege das Kapitel dazu an, in diese Richtung zu forschen und Lücken zu schließen. "Die Vereine übergehen in ihren Festschriften diese Zeit meist mit wenigen Sätzen oder reden sich entschuldigend damit heraus, dass keine Politik getrieben, sondern Fußball gespielt worden ist", so Lennartz.

Der Sport ist natürlich immer auch mit Namen verbunden. So lernten die Fußballnationalspielerinnen Verena Hagedorn, Patricia Hanebeck und Célia Okoyino da Mbabi das Kicken beim FC Sankt Augustin. Auch über den den Frauenfußball gibt es ein eigenes und ausführliches Kapitel, an dem Heinz John Cordes tatkräftig mitgearbeitet und recherchiert hat.

Die Leichtathletikabteilung des ASV brachte zahlreiche Spitzenläufer hervor, darunter Hein Hochgeschurz, Thomas Eickmann, Oliver Mintzlaff oder Birgit Lennartz, die drei Weltrekorde über 100 Kilometer lief. 1982 wurde das Zehnkampf-Team des ASV gar Deutscher Jugendmeister.

Große Erfolge feierten auch die Fechter des VfL Sankt Augustin in den 1980er Jahren. Säbelfechter Jojo Nolte wurde mehrfacher Deutscher Meister, nahm insgesamt an drei Olympischen Spielen teil (1984,1988 und 1992) und holte Silber und Bronze bei insgesamt neun Weltmeisterschaftsteilnahmen, allerdings auch für den OFC Bonn.

Als einen Höhepunkt in der Sportgeschichte der Stadt ist sicher der Gewinn der Goldmedaille von Florettfechterin Ute Wessel bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles zu betrachten. Sie startete zwar damals für den OFC Bonn, lebte und lebt aber in Sankt Augustin, ist heute Lehrerin am Rhein-Sieg-Gymnasium.

Das Buch "Goldmedaille, Weltrekorde und Kreismeister" ist eine spannende Fundgrube des sportlichen Lebens in Sankt Augustin, und nicht nur für Sportinteressierte lesenswert. "Sport ist keine nette Nebensache mehr, sondern längst ein wichtiger Bereich unseres politischen, geistigen, kulturellen und privaten Lebens. Seit langem hat er seine Geschichte", sagt Lennartz.

Karl Lennartz: "Goldmedaille, Weltrekorde und Kreismeister", Band 51 der Beiträge zur Stadtgeschichte, ist im Stadtarchiv und in der Bücherstube erhältlich. Er kostet sechs Euro. Weiter Infos unter www.sankt-augustin.de/stadtarchiv.

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