1. Region
  2. Sieg & Rhein
  3. Sankt Augustin

Biker in der Bundespolizei: Kein Interesse an den Biker-Spenden in Sankt Augustin

Biker in der Bundespolizei : Kein Interesse an den Biker-Spenden in Sankt Augustin

55 Ranzen, 40 Schultüten und 20 Rucksäcke haben sie für Flüchtlingskinder organisiert. Aber die Spende der Biker in der Bundespolizei kommt nicht gut an – niemand will sie haben.

Das hatten sich die Biker in der Bundespolizei (BiB) ganz anders vorgestellt. Als sie erfuhren, dass Ukraineflüchtlinge mit Sicherheit für ihre mitgeflüchteten Kinder Ranzen und Rucksäcke benötigen würden, handelten sie schnell. In kurzer Zeit organisierten sie 55 Ranzen, 40 Schultüten und 20 Rucksäcke im Wert von rund 5000 Euro, sagt Friedhelm Bepperling, der Pressesprecher der Biker. Die sollten jetzt an neue kleine Besitzer ausgehändigt werden. Aber die neuen Besitzer fanden sich nicht, berichtet Bepperling enttäuscht.

Die Biker in der Bundespolizei sind keine Anfänger beim Sammeln und Verteilen von Spenden. Vor 20 Jahren wurde aus dem Motorradfahrer-Stammtisch ein Verein – unter anderem mit dem Zweck, da zu helfen, wo es nötig ist. Neben Polizeibikergottesdienst, einer Motorradprozession organisiert der Verein die Bikercamps – und für jede Veranstaltung ruft er ein Spendenziel aus. So wurden mit Hilfe von Camp-Gästen, Spendern und Sponsoren in den vergangenen Jahren viele Aktionen unterstützt – mit insgesamt 66.673 Euro.

Vorschlag aus der Stadtverwaltung

Deshalb nahm Bepperling Kontakt mit der Sankt Augustiner Stadtverwaltung auf und erkundigte sich, was sein Verein tun könne. Der Stabsstellenleiter Integration und Sozialplanung habe ihn auf die Idee mit den Schulranzen gebracht, so Bepperling. Seine Mitarbeiter sollten in den Unterkünften über das Bikerprojekt sprechen.

Außerdem gab es für die Geflüchteteten einen Flyer – unter anderem mit dem Hinweis, dass sich Interessierte bei den Bikern melden und dort einen Ranzen oder Rucksack in Empfang nehmen können. „Man soll es nicht glauben, es hat sich lediglich ein Geflüchteter gemeldet“, beschreibt Bepperling die Reaktion. „Wir haben alle Grundschulen im Umkreis angeschrieben – keine Reaktion“, ergänzt er.

Hilfe kommt nun von Gunther Maassen und seinem Helferbündnis. Alles, was hier nicht gebraucht werde, so Maassen, solle in eine Schule in der Ukraine gebracht werden. Dort sei ein Verein in Gründung, der mit hiesiger Hilfe die Einrichtungen vor Ort unterstützen will. Maassen hat auch eine Vermutung, warum die gespendeten Ranzen so wenig gefragt sind: Er geht davon aus, dass die ukrainischen Flüchtlinge, die hierher kommen, die Flucht gut geplant antreten und deshalb weniger Hilfe brauchen.

Bepperling gibt jedoch nicht auf, hier nach Interessenten für Ranzen, Rucksäcke und Schultüten zu suchen. So hat er Kontakt mit der Tafel in Sankt Augustin und auch mit Kirchengemeinden aufgenommen. Dabei haben sich gerade neun Mütter gemeldet, die für ihre Kinder Bedarf angemeldet haben. „Die werde ich jetzt berücksichtigen, auch wenn es keine Erstklässler sind“, so Bepperling. Zuletzt hat er Kommunen im Umkreis von Sankt Augustin angeschrieben und sein Spendenmaterial angeboten – und wartet bisher auf Antwort.

Wer aus einem Krisengebiet geflüchtet und an Ranzen, Rucksack oder Schultüte für die Tochter oder den Sohn interessiert ist, meldet sich gerne bei Friedhelm Bepperling, info@bundespolizeibiker.de.